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StartseiteUmwelt und VerbraucherEs ist alles Chemie, was glänzt29.12.2009

Es ist alles Chemie, was glänzt

Proteste gegen Goldminentagebau in Costa Rica

Im Norden Costa Ricas wird Gold im Tagebau abgebaut. Der Betreiber nennt zwar sein Projekt Öko-Mine. Doch Anwohner und Naturschützer halten die Öko-Bezeichnung für Blendwerk und wehren sich deshalb seit Jahren gegen den Betrieb - denn es wird mit hochgiftigem Zyanid gearbeitet.

Von Torge Loeding

Gold kostet nicht nur Geld - es kostet auch Umwelt.
Gold kostet nicht nur Geld - es kostet auch Umwelt.
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Die schweren Baumaschinen und Kettensägen stehen still. Für den Moment haben die Gegner des Goldminentagebauprojektes Las Crucitas im Norden Costa Ricas juristisch eine Atempause erstritten.

Aber schon bald könnten die Arbeiten wieder aufgenommen werden, denn der Oberste Gerichtshof entschied zugunsten der Minenbetreiber. Daran änderte auch der Besuch der obersten Richter in der betroffenen Region nichts. Sie sehen keine juristische Handhabe gegen den Beginn der Förderarbeiten.

Eine der vielen Kritikerinnen der Goldmine ist Rosa Gomez, die mit ihrem Mann und drei Kindern auf einem Bauernhof in der Nähe von Las Crucitas lebt. Sie nennt Ihre Gründe:

"Ich wehre mich gegen die Goldmine, denn sie bedeutet Zerstörung und Verschmutzung. Sie gefährdet den Frieden hier und die gesunde Umwelt, in der wir hier leben. Sie haben ein paar Arbeitsplätze geschaffen, aber nur wenige. Zum Beispiel versuchen sie die Schulkinder zu indoktrinieren, damit sie denken, dass die Mine etwas Gutes ist. Das stimmt aber nicht, es gibt nichts Gutes dabei!"

Bereits vor 17 Jahren installierte der transnationale Minenkonzern Vanessa Ventures mit Sitz in Kanada ein erstes Minencamp. Heute firmiert das Unternehmen unter dem Namen Infinito Gold Ltd und verfügt über erstklassige Kontakte in Politik und Wirtschaft. Präsident Oscar Arias erklärte, das Vorhaben habe "nationalen Belang". Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass im März herauskam, dass die Ehefrau des damaligen Umweltministers Roberto Dobles eine Geschäftsbeziehung zu dem Minenunternehmen unterhielt. Dobles trat zurück; ein Bauernopfer.

Eine Goldmine ist wie eine Chemiefabrik unter offenem Himmel. Zuerst wird Gestein gesprengt und zermahlen. Dann wird es aufgeschüttet und wochenlang mit einer Zyanidlösung beträufelt. Nur diese hochgiftige Substanz kann die Goldspuren aus dem Gestein lösen. Die Ausbeute des Edelmetalls ist gering. Oft sind es nur ein bis zwei Gramm pro Tonne Gestein. Zyanid ist hochgiftig. Es führt schon in kleinen Dosen zum Tode.

Andres Soto ist Sprecher des Minenunternehmens in Costa Rica. Er verstehe die ganze Aufregung nicht, die Befürchtungen der Naturschützer seien übertrieben. Am Eingangstor des Minencamps in Las Crucitas prankt dann auch ein Schild, welches das Selbstverständnis des Projektes illustriere: "Ökomine" steht da in großen Lettern geschrieben. Soto scheut sich nicht vor dem Begriff, denn die Mine arbeite mit moderner Technologie des 21. Jahrhunderts. Durch Aufforstung an anderer Stelle sei die Klimabilanz positiv und seltene Arten wie der gelbe Papagei würden dadurch überhaupt wieder erst Lebensraum erhalten.

Edgardo Araya, Anwalt und stellvertretender Vorsitzender des Naturschutzbundes UNO VIDA weist diese Darstellung zurück:

"In nur drei Kilometer Entfernung befindet sich der Rio San Juan. Der Grenzfluss mit Nicaragua ist das wichtigste Flussbecken in ganz Zentralamerika. Die Betreiber können behaupten, die Anlage sei noch so sicher. Was wäre geschehen, wenn sich das schwere Erdbeben vom Januar in dieser Gegend ereignet hätte und die Mine schon gearbeitet hätte?"

außerdem komme bereits Säure bei dem Vorgang der sauren Trocknung des Bodens mit dem Grundwasser in Berührung, fügt der Anwalt hinzu. Rund eine Tonne Erde und Gestein müssten aufgewühlt und bewegt werden, um ein Gramm Gold zu fördern. In ganz Zentralamerika gebe es keinen Ort, wo eine Goldmine eine andere Konsequenz gehabt hätte als Umweltzerstörung, Vergiftung des Wassers, Krankheit und mehr Armut für die Anwohner.

Auch soziale Folgen des Projektes sind spürbar. Guillermo Herrera ist Viehbauer und betreibt eine kleine Sägerei. Er berichtet vom Wandel der nachbarschaftlichen Beziehungen:

"Wir hatten Gemeindesäle, öffentliche Telefone und auch die Polizei lebte in Frieden mit uns. Alle waren wir Freunde, aber heute ist das nicht mehr so. Der Wandel begann, als die Minengesellschaft kam. Nach dem Motto "Teile und herrsche" versprachen sie Fantasien, die sie nie eingehalten haben. Wir sind gewohnt, für alles selbst zu kämpfen. Zum Beispiel die Elektrifizierung, die wir örtlichen Abgeordneten zu verdanken haben, nicht der Minengesellschaft. Das können wir anhand von Quittungen und Belegen beweisen!"

Befürworter und Gegner der Minen stehen sich heute unversöhnlich gegenüber, die Gemeindesäle verkommen. Auf Arbeitsplätze oder Wohlstand warten auch die Befürworter bis heute vergeblich.

Und der Fortschritt? Kleinbauer Danilo Solis erklärt seine Idee:

"Abgesehen von Landwirtschaft und Viehzucht setzen wir auf gemeindebasierten, ländlichen Tourismus. Dieses Projekt ist umweltschonend und ein Werkzeug für eine sinnvolle Entwicklung. Davon könnten immer mehr Kleinbauern der Region profitieren."

Politische Konsequenzen für die Regierungspartei PLN sieht Anwalt Edgardo Araya, denn eine Mehrheit der Costa Ricaner lehne den Goldminentagebau ab. Er hofft, die Inbetriebnahme der Mine bis zu den Wahlen im Februar verzögern zu können. Denn danach werde es im Nationalparlament mehr Abgeordnete mit Umweltbewusstsein geben, so seine Hoffnung.

"Diese Maßnahme ist absolut unpopulär. Die Universität von Costa Rica hat eine Studie veröffentlicht, nach der 80 Prozent der befragten Costa Ricaner gegen die Mine sind. Die sind dagegen, denn sie wissen, dass hinter dem Projekt ein mächtiger Konzern steckt. Diesen behandelt die Regierung bevorzugt, ohne den Umweltschutz zu respektieren."

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