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StartseitePISAplus"Es ist nie zu spät für irgendwas"04.09.2010

"Es ist nie zu spät für irgendwas"

Kampagne des Bundesverbandes für Alphabetisierung

Bis 2010 soll die Zahl der Analphabeten halbiert werden. Mit 30 Millionen Euro fördert das Bundesbildungsministerium Projekte wie anonyme Lern-Portale im Internet oder den Aufbau eines speziellen Studiengangs für Alphabetisierungspädagogik.

Von Nina Treude

Alphabetisierung über das Internet. (Stock.XCHNG / Steve Woods)
Alphabetisierung über das Internet. (Stock.XCHNG / Steve Woods)
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ich-will-lernen.de

"Worte öffnen einem jede Tür, deshalb schreibt euch nicht ab. Versucht lesen und schreiben zu lernen, egal, in welchem Alter ihr seid. Es ist nie zu spät für irgendwas."

"Schreib dich nicht ab, lern lesen und schreiben" heißt die Kampagne des Bundesverbandes für Alphabetisierung und Grundbildung. Musiker, wie Rapper Samy Deluxe oder Thees Uhlmann von der Band Tomte, rufen in kurzen Videospots auf Youtube zum Lernen auf. Mitfinanziert von der Bundesregierung. 30 Millionen Euro gibt das Bundesbildungsministerium zur Förderung von Alphabetisierungsprojekten aus. Auch die Vereinten Nationen wollen etwas gegen Analphabetismus unternehmen. In der Weltalphabetisierungsdekade von 2003 haben sie festgelegt, dass bis 2012 die Zahl der Analphabeten weltweit halbiert werden soll. Entsprechende Projekte gibt es in Deutschland jedenfalls viele - an Volkshochschulen wie an Universitäten. So wurde 2009 an der PH Weingarten etwa der Masterstudiengang "Alphabetisierung und Grundbildung" eingerichtet. Wer hier einen Abschluss macht, kann Analphabeten besser helfen, hofft Dozentin Susanne Kley:

"Die Notwendigkeit lag darin begründet, dass die Personen, die in der Alphabetisierung und Grundbildung tätig sind, sich bisher nur in Form von Fortbildungen qualifiziert haben. Das Besondere am Studiengang ist nun, dass die einzelnen Themen der Fortbildung in diesem Masterstudiengang vereint werden."

Die Alphabetisierungspädagogik soll so intensiver und professioneller werden. Ein großes Problem ist aber, dass viele Analphabeten Hemmungen haben, entsprechende Kurse, etwa an Volkshochschulen zu besuchen. Sie fürchten, dass Bekannte von ihrer Schwäche erfahren. Auch hier sollen verschiedene Portale und Initiativen, helfen, anonym zu bleiben - via Internet.

Portale, wie ich-will-lernen.de vom Deutschen Volkshochschulverband, bieten online die Möglichkeit, Lesen und Schreiben zu lernen. Und das Projekt "Alpha-Familie" unterstützt Eltern mit Lese- und Schreibschwäche, und ebenso ihre Kinder werden im Lernprozess begleitet. Gemeinsames Lesen, Spielen und Lernen soll stärker in den Familienalltag integriert werden. So wird generationenübergreifendes Lernen möglich und Eltern werden darin bestärkt, die Bildung ihrer Kinder zu fördern.

Trotz des umfassenden Projektangebots gibt es bisher aber keine Studien dazu, wie die Zahl der Analphabeten in Deutschland sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat und wie realistisch das hoch gesteckte Ziel der Vereinten Nationen ist. Chancen gibt es auf jeden Fall viele Lesen und Schreiben zu lernen und dadurch die eigene Lebensqualität zu verbessern und sich wieder mehr in die Gesellschaft zu integrieren.

"Ich glaube einfach daran, dass Schreiben und auch Lesen vielleicht die größte Macht für den Körper ist, sich zu verändern. Und was ist langweiliger, als sich nicht zu verändern?"

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