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StartseiteKommentare und Themen der WocheUngewollte Gewinner06.01.2020

Eskalation im Nahen OstenUngewollte Gewinner

Die Terrormiliz IS reibe sich nun gleich doppelt die Hände, kommentiert Karin Senz. Die US-Armee sei jetzt mit der eigenen Sicherheit beschäftigt und müsse den Iran vielleicht sogar verlassen. Damit wäre ein Gegner ausgeschaltet. Und der zweite, nämlich Soleimami – ist Dank den USA tot.

Von Karin Senz

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Ein Auto fährt über eine Flagge der USA und einer Flagge von Israel, die auf die Straße gemalt wurden. (dpa/AP/Ameer Al Mohmmed)
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran droht zu eskalieren. (dpa/AP/Ameer Al Mohmmed)
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Wer zu zuletzt lacht, lacht am besten, heißt es. Nur wenn die Lage im Nahen Osten weiter eskaliert, wird am Ende keiner lachen. Es könnte aber sozusagen Etappensieger geben.

Die USA sind auf dem besten Weg dahin, wenn’s um das Atomabkommen geht. Der Iran hat angekündigt, sich in einem fünften und angeblich letzten Schritt weiter daraus zurückzuziehen. Er argumentiert mit §36 des komplizierten Vertragswerks. Sehr vereinfacht besagt der: Wenn der eine gegen etwas verstößt, hat der Andere auch einmal gut. Die USA haben den Vertrag im Mai 2018 einseitig aufgekündigt. Damit sieht sich der Iran im Recht, dagegen zu verstoßen. Er hat von dem Recht nur ein Jahr nicht Gebrauch gemacht. Das hat ihm sogar die Internationale Atomenergiebehörde immer wieder bescheinigt.

Iran beweist Ausdauer

Trump hat trotzdem versucht, Teheran mit maximalem Druck in die Knie zu zwingen. Seine Sanktionen sollten den Iranern wirtschaftlich die Luft zum Atmen nehmen, damit sie dann - mit dem Rücken an der Wand - jedem neuen Atomdeal zustimmen würden. Trump hat sich verschätzt: Die Iraner sind zäh und stolz - und die verbliebenen Partner wollten das Abkommen retten. Sie haben versucht, dem Iran zu helfen, die US-Sanktionen zu umgehen, um wirtschaftlich zu überleben. Trump war stink sauer, dass Deutschland, Frankreich und die anderen seine Pläne durchkreuzen wollten. Aber wenn der Iran bei seinem aktuellen Schritt weiter raus aus dem Atomabkommen bleibt, können ihm die Europäer nicht mehr länger die Stange halten. Trump hätte einen Keil zwischen sie und die iranische Führung getrieben - und doch noch gewonnen.

Und dann reibt sich schon jetzt die Terrormiliz IS die Hände und zwar gleich doppelt.

Seit Sommer 2014 lief es nicht mehr gut für sie im Irak. Da hatte Bagdad Washington um Hilfe gerufen und sie auch bekommen mit einer hoch ausgerüsteten US-Armee. Die hat allerdings am Freitag nicht nur den iranischen General Soleimani umgebracht, sondern auch den irakischen Milizenführer Al-Muhandis. Darum droht den US-Soldaten auch von dieser Seite Rache, vor der sie sich irgendwie schützen müssen.

Die Terroristen könnten gleich zwei Widersacher loswerden

Soleimani war wiederum nicht nur für US-Präsident Trump der Terrorist Nummer eins. Er war auch ziemlich erfolgreich darin, den IS mit den pro-iranischen Milizen im Irak zu bekämpfen.

Unter dem Strich heißt das für die Terrormiliz: die US-Armee ist mindestens erstmal mit der eigenen Sicherheit beschäftigt. Vielleicht muss sie das Land aber sogar ganz verlassen. Damit wäre ein Gegner ausgeschaltet. Und der zweite Gegner, nämlich Soleimami – ist Dank den USA tot!

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