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StartseiteVerbrauchertippLebensmittel-Zusätze oft irreführend gekennzeichnet11.12.2019

EtikettenschwindelLebensmittel-Zusätze oft irreführend gekennzeichnet

Zusatzstoffe in Lebensmitteln sind unbeliebt. Denn sie stehen im Ruf, Allergien auszulösen oder die minderwertige Qualität eines Lebensmittels zu übertünchen. Viele Produkte werben deshalb damit, frei von Zusatzstoffen zu sein. Doch Verbraucherschützer raten, ganz genau hinzuschauen.

Von Claudia Rometsch

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Ein Einkaufswagen mit verschiedenen Lebensmitteln wird durch die Gänge eines Supermarkts geschoben. (imago / photothek / Florian Gaertner)
Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker sind in vielen Produkten enthalten (imago / photothek / Florian Gaertner)
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Rund 330 Zusatzstoffe für Lebensmittel sind in der Europäischen Union zugelassen. Hersteller müssen diese durch E-Nummern gekennzeichneten Stoffe im Zutatenverzeichnis angeben.

Gerne wird mit sogenannten "Clean Labels", also dem Verzicht auf Zusatzstoffe, geworben. Doch das entpuppt sich manchmal als Etikettenschwindel.

Die Verbraucherzentralen fanden beim Test von 200 Produkten zum Beispiel heraus, "dass ungefähr 40 Prozent der Produkte, die mit dem Clean Label ‚ohne Geschmacksverstärker‘ auf der Vorderseite warben, trotzdem Ersatzstoffe eingesetzt haben, die rechtlich gesehen zwar keine Zusatzstoffe sind, aber trotzdem eine ähnliche Wirkung ausüben können im Produkt", sagt Nora Dittrich von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wenn mit dem Clean Label "ohne Geschmacksverstärker" geworben wird, enthält das Produkt zwar in der Regel wirklich keinen entsprechenden Zusatzstoff.

Ersatzstoffe oft aus dem Labor

Die Verbraucherzentralen stellten aber fest. "dass zum Beispiel Hefeextrakt oder Gewürzextrakt eingesetzt wurde, die ebenso eine geschmacksverstärkende Wirkung im Produkt entfalten können".

Oft stammen diese Ersatzstoffe auch aus dem Labor, so wie die bei Verbrauchern unbeliebten E-Nummern. Selbst die natürlich klingende Zutat "Tomatenpulver" kann chemisch so verändert sein, dass sie als Geschmacksverstärker wirkt.

Tomaten enthalten nämlich von Natur aus den geschmacksverstärkenden Stoff Glutamat. Im Labor ist es möglich, den aus der Frucht zu isolieren.

"Und dann hat man nur die geschmacksverstärkende Wirkung, ohne aber einen Tomateneindruck zu haben. Das ist dann so ein Clean Label-Produkt, das als Tomatenpulver deklariert wird. Da können Sie dann nicht mehr sicher sein, was damit verbunden ist", erklärt Christian Niemeyer vom Zusatzstoffmuseum in Hamburg.

Es ist natürlich der Bereich der Täuschung, wenn die Verbraucher denken, sie kaufen für einen höheren Preis ein besseres Produkt, wo letztendlich nur eine neue Technologie oder ein anderer Stoff eingesetzt wird.

Nicht von Werbung blenden lassen

Ähnlich ist es auch bei Produkten mit der Aufschrift "ohne künstliche Aromen". Diese Lebensmittel können stattdessen sogenannte "natürliche Aromen" enthalten. Anders als viele Verbraucher glauben, werden die jedoch meist nicht aus Früchten oder Gewürzen gewonnen. Vielmehr entstehen sie in der Regel im Labor. Zum Beispiel mit Hilfe von Mikroorganismen wie Schimmelpilzen oder Bakterien sowie auch aus Zuckerrüben- oder Holzspänen. Und auch Produkte, die damit werben, "frei von künstlichen Farbstoffen" zu sein, verdanken ihre Farbe oft Hilfsstoffen.

Zum Beispiel: "Karottenextrakt, Karamellzuckersirup, Rote Beete, Kurkuma, Paprika oder schwarze Karotte, die das Produkt einfärben."

Beim Label "frei von Konservierungsstoffen" sollten Verbraucher ebenso genau hinschauen. Manchmal werden Konservierungsmittel nämlich einfach durch andere Zusatzstoffe wie Säuerungsmittel oder Antioxidantien ersetzt. Das sind dann rechtlich gesehen keine Konservierungsstoffe, aber sie verlängern ebenfalls die Haltbarkeit. Der Tipp der Verbraucherzentrale lautet deshalb: Immer das Zutatenverzeichnis auf der Rückseite der Verpackung lesen.

"Das sollte man auf jeden Fall machen, anstatt sich von der Werbung auf der Vorderseite blenden zu lassen."

Denn dort müssen alle Zusatzstoffe aufgeführt sein. Außerdem lässt sich dort auch ablesen, welche anderen Zutaten oder Hilfsstoffe verwendet wurden.

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