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StartseiteUmwelt und VerbraucherHering und Dorsch sollen sich erholen15.10.2019

EU-FangquotenHering und Dorsch sollen sich erholen

Die EU-Fischereiminister haben die Fangquoten für Hering und Dorsch gesenkt - und zwar moderater als zunächst geplant. Dennoch sind sie aus Sicht des Deutschen Fischereiverbandes "eine Katastrophe". Umweltschützer kritisieren die Ergebnisse dagegen als nicht weitreichend genug.

Von Paul Vorreiter

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Heringsfischer im Strelasund  (www.imago-images.de/Jens Köhler)
Heringsfischer im Strelasund: Die Fangquoten für die Fischer sind erneut gesunken (www.imago-images.de/Jens Köhler)
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Die Fangquoten für den Dorsch und den Hering sind zwar etwas moderater ausgefallen, als es die EU-Kommission vorgeschlagen hat. Aus Sicht des Deutschen Fischereiverbandes bedeuten dennoch "die Ergebnisse eine Katastrophe. Westlicher Hering, westlicher Dorsch deutlich gesenkt, östlicher Dorsch im Prinzip ein Fangstopp. Das sind die wichtigsten Bestände für die deutsche Fischerei. Damit werden viele Fischereibetriebe an der deutschen Ostseeküste das nächste Jahr nicht überleben können", sagt Claus Ubl vom Deutschen Fischereiverband. Beim Hering einigten sich die Fischereiminister in der vergangenen Nacht für die westliche Ostsee auf eine Reduktion um 65 Prozent.

60 Prozent weniger Dorsch aus der westlichen Ostsee

Bis 2023 sollen sich damit die Bestände wieder erholen, stellte EU-Umweltkommissar Vella in Aussicht. Beim Dorsch sollen kommendes Jahr 60 Prozent weniger Fische aus der westlichen Ostsee gezogen werden als in diesem Jahr. In der östlichen Ostsee darf der Dorsch nur als Beifang gefischt werden. Weil es so schlecht um die Bestände steht, hatte die EU-Kommission im Sommer ein Fangverbot verhängt. Claus Ubl vom Deutschen Fischereiverband sieht in den Ergebnissen aus vergangener Nacht nicht nur die professionelle Fischerei in Gefahr: "Es wird sowohl die Freizeitfischerei betreffen denn ein Angler aus Bayern reist nicht mehr an die Ostseeküste für fünf Dorsche pro Tag."

Darüber hinaus könnten die Fangquoten aus Sicht der Fischer auch dazu führen, dass die dazugehörige Infrastruktur an Land abgebaut würde, die sich auch dann nicht wiederherstellen ließe, wenn die Wissenschaft ihre Empfehlungen für die Fangmengen wieder erhöht.

Bundeslandwirtschaftsministern Julia Klöckner hatte den Fischern schon gestern bei ihrer Ankunft in Luxemburg Hilfe in Aussicht gestellt: "Wir begrüßen auch Möglichkeiten, wenn es um Stilllegungen geht, auch behilflich sein zu können."

"Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel"

Weniger drastisch fällt die Einschätzung des Meeresbiologen Thilo Maack, von der Umweltschutzorganisation Greenpeeace aus: "Wenn man sich tatsächlich anguckt, was die Fischer rausholen können, dann ist das zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel."

So habe man sich aus Sicht des Umweltexperten in Luxemburg geeinigt auf "Fangquoten die deutlich, deutlich geringer sind, als das, was wir in den Vorjahren hatten, trotzdem muss man festhalten, dass mit den Entscheidungen die Fischereiminister nicht den Empfehlungen der Wissenschaft gefolgt sind. Damit verstoßen sie gegen ihre selbst gemachten Regeln."

Schließlich hätten mehrere Faktoren zu der Situation geführt, in der sich der  Dorsch und der Hering in der Ostsee jetzt befinden. Eine Situation, die aus Sicht des Meeresbiologen vorauszusehen war.

"Die Ostsee ist mit 33 Zuflüssen und einer last aus der Landwirtschaft ein Meer, das hoch belastet ist mit Nitrat und Nitrit, es ist auch so, dass der Klimawandel dazu führt, dass der Hering zu früh leicht und die geschlüpften Heringe keine Nahrung finden und es ist der Effekt der Überfischung, dass die Fischer jetzt jede Schuld von sich weisen, ist inakzeptabel."

Neben dem Dorsch und Hering legten die Ministerinnen und Minister auch  die maximalen Fangmengen für Lachs, Scholle und Sprotte fest. Bei der Lachsfischerei ändert sich demnach nur wenig. Für Scholle sinkt die Quote um 32 Prozent, für Sprotte um 22 Prozent.

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