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StartseiteDeutschland heuteGen-Honig soll nicht deklariert werden15.04.2014

EU-KommissionGen-Honig soll nicht deklariert werden

Gleich mehrere Entscheidungen in Brüssel schwächen die Macht der Verbraucher, befürchtet die Verbraucherschutzorganisation "Foodwatch": Genmais soll in der EU erlaubt werden und eine Kennzeichnung von Honig, in dem Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen zu finden ist, will die EU weiterhin nicht, kritisiert "Foodwatch".

Von Ludger Fittkau

Honigbienen auf Wabenstruktur (picture alliance / dpa - Michael Reichel)
"Mir sagt das gar nichts. Kann auf jeden Fall Gen-Pollen drin sein, ist nicht auszuschließen." (picture alliance / dpa - Michael Reichel)
Weiterführende Information

Gene auf Wanderschaft (Deutschlandradio Kultur, Mahlzeit, 05.04.2014)

Ein Supermarkt in der Mainzer Neustadt. Ein lebendiges Viertel, in dem viele Studierende und Migranten leben. Sabine Yacoub nimmt aus dem Regal mit rund 20 Honigsorten einige Gläser heraus, um zu schauen, woher der Honig kommt:

Imkergold - Imker ist ja ein beliebtes Wort bei Honig. Genau hier steht es. Mischung von Honig aus EG-Ländern und Nicht EG-Ländern. Das ist die Information, wo dieser Honig herkommt.

Genveränderter Honig muss nicht deklariert werden

"Was sagt uns das?"

"Mir sagt das gar nichts. Kann auf jeden Fall Gen-Pollen drin sein, ist nicht auszuschließen, weil es ja nicht gekennzeichnet sein muss."

Sabine Yacoub ist rheinland-pfälzische Landesgeschäftsführerin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, BUND. Die Organisation fordert seit Langem eine klarere Kennzeichnung des Honigs:

"Nehmen wir doch mal hier, Akazienhonig. Ein Biohonig. Der sagt uns: Mischung aus EG-Ländern. Diesmal nicht aus der ganzen Welt, sondern nur Europa. Da ist die Chance höher, das keine Gentechnik drin ist. Aber da eben auch in Europa, zumindest in Spanien, Gentechnik angebaut wird, kann man auch nicht hundertprozentig sicher sein."

"Der wird immer in der ersten Adventswoche verkauft oder versteigert."

Bienenstöcke im Mainzer Regierungsviertel

Die Tür zum 100 Prozent gentechnik -freien Honig schließt Luftlinie 500 Meter südöstlich Thomas Griese auf.  Auf den Dächern des Mainzer Regierungsviertels hat die rot-grüne Koalition in Rheinland-Pfalz Bienenstöcke platziert. Thomas Griese, Staatssekretär im Umweltministerium steuert auf dem Dach seines Dienstsitzes auf vier Kästen zu, aus denen nur wenige Bienen krabbeln:

"Man sieht, weil es kalt ist, es war heute Morgen vier, fünf grad, sie sind noch sehr zurückhaltend in ihrem Flugverhalten."

Auf dem Landtagsgebäude drüben ist auch Honig, sind auch Bienenstöcke.

"Für mich erstaunlich, dass das hier in diesem Häusermeer funktioniert."

"Ja, es ist sogar so, dass das hier fast günstigere Bedingungen sind als auf dem Land. Weil hier durch das Stadtgrün, die Obstbaumkulturen hier in der Nähe haben die ein sehr vielfältiges Angebot."

"Was garantiert ihnen jetzt, das diese Bienen nicht mit Genpflanzen in Berührung kommen?"

EU-Kommission hat versagt

"Ja, das wichtigste ist, dass hier in Deutschland und auch in fast allen Ländern der Europäischen Union gar keine Gen-Pflanzen angebaut werden, das ist das eigentlich Wichtige. Das Problem ist ja nur, dass sich das Möglicherweise ändern kann, weil unsere Bundesregierung versagt hat. Sie hat ja, obwohl es ihre entscheidende Stimme gewesen wäre, nicht verhindert, dass jetzt ein Genmais, der Genmais 1507 zugelassen werden soll. Das ist die völlig falsche Richtung, das versagt auch die EU-Kommission. Und sollte diese Zulassung tatsächlich erfolgen und sollte dieser Mais auch tatsächlich zugelassen werden, dann in der Tat könnte es ein Problem werden."

Im Supermarkt ein paar hundert Meter weiter beendet Umweltschützerin Sabine Yacoub die Prüfung der Kennzeichnung des Honigs im Regal. Zu Fuß geht es zurück in die Landesgeschäftsstelle des BUND. Sabine Yacoub hält die Information auf den Honiggläsern für absolut mangelhaft:

"Deshalb würde ich empfehlen, weil es eben im Moment nicht gekennzeichnet werden muss, zu gucken, dass sie wirklich deutschen Honig finden. Das ist natürlich auch wegen der Transportwege gut. Und es gibt ja regionale Imker, die ja unterstützenswert sind, die dafür sorgen, dass wir noch Bienen haben."

Imker wie Dr. Ralph Plugge von der Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz. Er ist für die Bienenkästen auf den Mainzer Regierungsgebäuden verantwortlich:

"Ich war selbst ganz überrascht, weil ich die Befürchtung hatte, dass hier die Sonne so intensiv hinein scheint. Aber nein, die Bienen die lieben das und sie entwickeln sich hier besser als anderswo."

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