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StartseiteUmwelt und VerbraucherEU-Siegel für Biowein kommt09.02.2012

EU-Siegel für Biowein kommt

Einheitliche Vorschriften gelten ab der kommenden Ernte

Die EU-Kommission hat ein einheitliches Kennzeichen für Biowein angekündigt. Im Gegensatz zum sogenannten konventionellen Weinbau ist bei Biowein der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln oder gentechnische modifizierten Hefen verboten.

Ludger Fittkau im Gespräch Benjamin Hammer

Rund fünf Prozent der Anbaufläche von Trauben in Deutschland sind für Ökoweine reserviert (AP)
Rund fünf Prozent der Anbaufläche von Trauben in Deutschland sind für Ökoweine reserviert (AP)

Benjamin Hammer: Biowein liegt im Trend, rund fünf Prozent der Anbaufläche von Trauben in Deutschland sind für Ökoweine reserviert. So weit, so gut. Aber was ist Biowein eigentlich? Wenn ein Winzer aktuell mit dem EU-Biosiegel werben will, dann muss er das Ganze mit einem Zusatz ergänzen: "Wein aus ökologisch angebauten Trauben". Klingt kompliziert, und das ist es auch. Mit der nächsten Traubenlese soll alles einfacher werden. Die EU-Kommission hat ein einheitliches Kennzeichen angekündigt. Was davon zu halten ist, darüber spreche ich jetzt mit Ludger Fittkau, ein Mann, der sich auskennen muss, denn er ist unser Korrespondent im Weinland Rheinland-Pfalz. Herr Fittkau, warum gab es für Biowein bisher eigentlich kein EU-Biosiegel wie für andere Lebensmittel?

Ludger Fittkau: Man kann eigentlich sagen, Herr Hammer, weil sich die Akteure, vor allem auch die Winzer selbst bisher noch nicht auf einen gemeinsamen Standard, Ökostandard für den Anbau und die Verarbeitung von Biowein geeinigt haben. Man hat zwar einiges geregelt und auch Anbauverbände haben einiges geregelt, doch international gab es vor allen Dingen für den Weinkeller, also für die Verarbeitung des Weines, wenn er geerntet ist, im Keller noch keine Richtlinien, und die sind jetzt verabredet worden. Dazu gehört zum Beispiel, dass eben auch im Keller ohne Gentechnik gearbeitet wird und viele andere Dinge. Es gab auch Diskussionen vorher, weil gerade die Winzer aus den nördlichen Anbaugebieten hatten Probleme mit einzelnen Richtlinien, beispielsweise dem Einsatz von Schwefel. Gerade in feuchten Gebieten im Norden wird eben auch mit Schwefel gearbeitet, um die Fäulnis gerade beim Rotwein zu verhindern, und da gab es auch Diskussionen bei den Rotweinproduzenten im Biobereich, ob man auf Schwefelung weitgehend verzichten kann. Man verzichtet jetzt nicht darauf, aber man fährt sie zurück.

Man muss sagen, immerhin die Organisation Ecovin, der größte Zusammenschluss ökologisch arbeitender Weingüter in Deutschland, diese neue Regelung begrüßt, obwohl einige Rotweinproduzenten auch dieses Verbandes damit Probleme haben. Ralph Dejas, der Geschäftsführer von Ecovin, begründet seine Zustimmung so:

Ralph Dejas: "Es gab bisher Verbandslabel, Ecovin gibt es seit 27 Jahren und wir hatten auch Kellerrichtlinien schon seit Beginn, Mitte der 80er-Jahre, 1985. Es gibt weitere Verbandslabel, Bioland ist bekannt, Demeter ist bekannt, Naturland, und die haben alle auch im Prinzip geregelt, was im Keller passieren darf. Jetzt ab dem 8.2., also seit gestern, wurden die Durchführungsbestimmungen auf europäischer Ebene verabschiedet, und jetzt vergleichen wir nicht mehr Äpfel mit Birnen, sondern jetzt haben wir vereinheitlichte Standards für ganz Europa, und das ist zu begrüßen."

Fittkau: Äpfel und Birnen dürfen zwar weiter wachsen, aber Ecovin ist ein international organisierter Verband, die haben auch immer schon Mitglieder gehabt im Elsas beispielsweise, und man ist froh, dass man jetzt europaweit diese Standards hat.

Hammer: Herr Fittkau, jetzt haben wir das Wort Bio ziemlich oft gehört. Wie unterscheidet sich denn konkret Bioweinbau vom sogenannten konventionellen Weinbau?

Fittkau: Da muss man zunächst den Weinberg sehen und dann den Keller. Im Weinberg ist vor allen Dingen der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln verboten. Es darf auch Stickstoff nicht verwendet werden. Um die Rebkrankheiten wie zum Beispiel den Mehltau zu bekämpfen – der ist hier ein großes Problem in der Region -, nimmt man zum Beispiel Kupferpräparate. Man darf in Deutschland drei Kilo Kupfer pro Hektar pro Jahr einsetzen - auch nicht zu viel, weil es ist ja auch ein Schwermetall. Oder man nimmt Schwefel, haben wir schon erwähnt, oder sogar Backpulver. Das sind verschiedene Methoden, die da angewendet werden. Wichtig ist auch: Der Boden ist bedeckt. Wir haben im Bioweinberg grüne Böden, wir haben Humusaufbau, die Bakterien und Tiere im Boden gelten als wichtige Mithelfer bei der Bioproduktion.
Im Keller durfte man auch bei Ecovin bisher wie gesagt schon keine gentechnisch modifizierten Hefen einsetzen, aber andere Dinge waren nicht geregelt. Man soll vorsichtig sein mit Zusatzstoffen wie Speisegelatine oder Hühnereiweiß, das soll es eigentlich nicht geben im Biolandbau. Andere Dinge sind erlaubt wie zum Beispiel Kalk, oder auch Aktivkohle bei Fäulnis.

Hammer: Herr Fittkau, jetzt berichten Sie aus Rheinland-Pfalz, einem wichtigen Weinland, und da gibt es doch auch viele ausgezeichnete Weine, die eben konventionell angebaut werden. Stellt sich die Frage: Warum sollte ich überhaupt einen Biowein trinken?

Fittkau: Man sollte ihn trinken, weil er tatsächlich oft wirklich gut schmeckt - es gibt auch konventionellen Wein, der gut schmeckt -, und vor allen Dingen aber auch, weil der Biowein einen Trend gesetzt hat. Seit 30, 40 Jahren haben diese Bioweinbauern tatsächlich mit ihren qualitativen Verarbeitungsmethoden vor allen Dingen im Weinberg eine neue Kultur geschaffen. Reine grüne Weinberge sind natürlich auch fürs Auge ganz wichtig und die Weinkultur hat durch diese Bioweinbauern tatsächlich eine Renaissance erfahren, gerade in Rhein-Hessen oder auch an der Mosel. Insofern sind das Trendsetter und die Weine sind gut, sie haben auch ein gutes Image, wie Biolebensmittel ja insgesamt. Insofern glaube ich schon, dass insgesamt Bioweine zur Qualität des Weinbaus hier in der Region und auch insgesamt in Europa beitragen.

Hammer: Das klingt nach einem Fan von Biowein. Ludger Fittkau, besten Dank.

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