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StartseiteKommentare und Themen der WocheEuropa muss weg von der Massentierhaltung 27.08.2019

EU und die WaldbrändeEuropa muss weg von der Massentierhaltung

Dass der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro im Kampf gegen die Waldbrände internationale Hilfszahlungen ausschlage, sei fahrlässig, kommentiert Britta Fecke. Allerdings sei im Streit zwischen der EU und Brasilien nicht nur der brasilianische Präsident Schuld. Auch die EU trage Verantwortung.

Von Britta Fecke

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Das Foto zeigt verbrannte Bäume und verbrannte Erde. (picture alliance / Joao Laet )
Verbrannter Regenwald im Amazonasgebiet in der Nähe von Novo Progresso im brasilianischen Bundesstaat Para. (picture alliance / Joao Laet )
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Wer Unterstützung aus Eitelkeit ablehnt, hat es nicht besser verdient. Wer aber Hilfe für einen Schutzbefohlenen - in diesem Fall den Regenwald - ablehnt, sollte eigentlich bestraft werden. Die Rede ist von den 20 Millionen US-Dollar Soforthilfe für die Löscharbeiten im brasilianischen Amazonas, die Brasiliens Präsident Bolsonaro erst zurückwies und nun vielleicht doch aber nur unter bestimmten Bedingungen annehmen will. Im Angesicht dieser Katastrophe sollte er jede Hilfe annehmen, die er nur kriegen kann. Denn es geht nicht um seinen Privatpark, sondern um das für den Klimaschutz wichtigste Waldgebiet der Welt und das ist – da hat Frankreichs Präsident Macron schon Recht – wegen der globalen Bedeutung "Gemeingut".

Dass Umwelt- und Naturschutz für Bolsonaro keinerlei Bedeutung hat, war spätestens klar, als er eine der größten Agrarlobbyistinnen zur Landwirtschaftsministerin ernannte. Mit dieser Entscheidung hat er das erste Streichholz an den Wald gehalten, denn beide sind sich einig, dass Brandrodung für die Schaffung von noch mehr Sojafeldern völlig legitim ist. Dass am Ende der halbe Regenwald in Flammen steht, wurde billigend in Kauf genommen. Wenn man jedoch die Beleidigungen und Eitelkeiten weglässt, die sich an Angebot und Ablehnung der Soforthilfe entzünden, wird deutlich, dass ein Argumente aus Brasilien stichhaltig ist: Brasiliens Präsidialamtschef Lorenzoni schlug vor: Das Geld der G7 doch besser für die Aufforstung Europas zu verwenden. Und damit tritt er in eine offene Flanke.

Europäisches Konsumverhalten beschleunigt Vernichtung des Regenwaldes

Nur zu gerne haben wir Geld gen Brasilien geschickt, damit dort der Regenwald geschützt wird. Eine Art Ablasshandel! In Europa – vor allem in Deutschland – wird entgegen jeder Vernunft versiegelt und asphaltiert, was das Zeug hält, aber in Brasilien sollen sie mal schön den Wald stehen lassen? Hinzu kommt, dass das europäische Konsumverhalten die Vernichtung des Amazonas-Regenwaldes noch beschleunigt. Denn da, wo vorher der Wald stand, wächst jetzt Soja: Eine Eiweißpflanze, die in Brasilien tonnenweise produziert wird und in den Futtertrögen der europäischen Mastbetriebe landet. Solange in Europa so viel Fleisch gegessen wird, dass aus der Massentierhaltung kommt, wird in Südamerika weiter der Wald gerodet. So einfach ist die Rechnung. Natürlich haben die Löscharbeiten jetzt Vorrang und da Bolsonaro das von allein nicht begreift, ist Druck von europäischer Seite beziehungsweise von den führenden Industrienationen notwendig. Vielleicht auch mit einem Handelsembargo. Wenn aber ein Teil der Regenwälder Südamerikas überleben soll, dann brauchen wir eine umweltfreundlichere Agrarpolitik in Brasilien und eine Abkehr von der Massentierhaltung in Europa!

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