Mittwoch, 19.12.2018
 
Seit 15:30 Uhr Nachrichten
StartseiteKommentare und Themen der WocheReduktion von 40 Prozent wäre das richtige Signal10.10.2018

EU-Ziele für weniger AutoabgaseReduktion von 40 Prozent wäre das richtige Signal

Umweltminister und EU-Kommission hätten das Weltklima schützen können - und die deutsche Autoindustrie vor sich selbst, kommentiert Ralph Sina die gemeinsame Linie der EU-Länder zur Reduktion von Autoabgasen. Wer es mit Europas erfolgreichster Autoindustrie ernst meine, müsse sie in die Zukunft katapultieren.

Von Ralph Sina

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Der Auspuff eines VW Tiguan vor dem Volkswagen Werk in Wolfsburg. (dpa-Bildfunk / Ole Spata)
Wie viel Kohlendioxid sollen Neuwagen ab 2030 noch ausstoßen dürfen? Brüssel-Korrespondent Ralph Sina meint, 40 Prozent weniger wären ein gutes Ziel. (dpa-Bildfunk / Ole Spata)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Autoindustrie zu strengeren CO2-Grenzwerten "Wirtschaftlich und technisch nicht realistisch"

Deutschland und die CO2-Grenzwerte "Seitenwechsel zu denen, die hinterherhinken"

Strengere CO2-Grenzwerte Was auf die Autobauer zukommt

EU-Umweltminister einigen sich auf Kompromiss Strengere CO2-Grenzwerte für Neuwagen

Das Juncker-Team und die EU-Umweltminister hatten eine große Chance: Sie hätten das Weltklima schützen können. Und gleichzeitig die deutsche Autoindustrie. Und zwar vor sich selbst. Und vor Angela Merkel, der Schutzpatronin der 'Weiter-so-Mentalität' in den Vorstandsetagen von Wolfsburg bis Weissach, von VW bis Porsche.

Wer es mit Europas erfolgreichster Autoindustrie und ihren Arbeitsplätzen wirklich ernst meint, der muss sie in die Zukunft katapultieren und ihr neue Energiesparanreize geben. Eine CO2-Reduktion von 40 Prozent, wie sie das europäische Parlament mehrheitlich befürwortet, ist das richtige und überfällige Signal.

Das EU-Parlament in Straßburg hat die Zeichen der Zeit und die Botschaft des Weltklimarates begriffen. Nicht hingegen das Juncker-Team in Brüssel, die Mehrheit der EU-Umweltminister gestern Nacht in Luxemburg und die Regierung in Berlin.

Das Heimatland des Automobils gerät ins Hintertreffen

Wenn die Autoindustrie der EU – allen voran VW und Audi, BMW, Mercedes und Porsche weiter mit ihren erstklassigen Verbrennungsmotoren und Doppelkupplungsgetrieben in die Sackgasse der automobilen Vergangenheit rast, dann ist auch der wichtigste Arbeitgeber der EU schwer beschädigt.

Schon jetzt wird in den USA die Mercedes C-Klasse vom E-Mobil Tesla abgehängt. Das Heimatland des Automobils und der Herren Daimler und Diesel gerät ins Hintertreffen.

Jetzt rächt sich, dass sich die EU-Kommission unter ihrem Präsidenten Jean-Claude Juncker nicht mehr als Avantgarde in Sachen Klimaschutz betrachtet. Sondern als Kanzleramtsgehilfe und als Erfüllungsgehilfe der starken Brüsseler Autolobby.

Das war einmal anders. Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch aller Personenwagen müsse auf vier Liter beschränkt werden, schrieb die Kommission energisch 1995 – also  bereits vor 23 Jahren. Damals hatte sie die Zeichen erkannt und machte Druck in Sachen Grenzwerte für Kohlendioxid. Bis die Bundesregierung damals eingriff und ein Machtwort sprach.

Auch diesmal erweist sich Berlin bei der Schadstoffreduktion als Ausbremser – gemeinsam mit Bulgarien und Ungarn.

Letzte Einigung steht noch aus

Immerhin: Die EU hat noch eine kleine Chance ihren Schadstoff- Irrtum zu korrigieren. EU-Parlament, Regierungschefs und Kommission müssen sich in einem Kompromissverfahren auf einen gemeinsamen Wert einigen. Vielleicht fällt dieser Brüsseler Kompromiss ja klimafreundlicher und innovationsfördernder aus als von Berlin gewünscht.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk