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StartseiteKommentare und Themen der WocheMehr Transparenz beim Spionieren sinnvoll29.07.2019

EuGH-Urteil zu DatensammlungMehr Transparenz beim Spionieren sinnvoll

Wenn Webseitenbetreiber nun stärker in die Verantwortung genommen würden und ausdrücklich die Zustimmung zur Datensammlung einholen müssten, sei das ein gutes Signal, kommentiert Stefan Römermann. So würden sie zukünftig wohl besser überlegen, wie sehr sie ihre Kunden wirklich überwachen wollten.

Von Stefan Römermann

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Das Facebook-Logo und ein Like-Button spiegeln sich (dpa-Bildfunk / TASS)
Jeder Klick auf den Facebook-Like-Button sammelt Daten - zukünftig wird jeder Nutzer dem zustimmen müssen (dpa-Bildfunk / TASS)
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Stellen Sie sich einfach mal vor: Sie kaufen morgens auf dem Weg zur Arbeit eine Zeitung, setzen sich in die U-Bahn - und plötzlich schwirren um Sie herum ein gutes Dutzend Menschen, die sie extrem aufmerksam beobachten. Detektive oder vielleicht auch Spione, die alles mitschreiben, was Sie mit dieser Zeitung tun und machen. Welche Artikel Sie lesen, welche Überschriften, welche Themen Sie offenbar besonders interessieren, wie lange Sie auf einer Seite sind und welche Anzeigen Sie sich anschauen.

Unwissenheit schützt nicht mehr

Eine Horrorvorstellung – doch in der digitalen Welt ist genau das als sogenanntes "Tracking" seit Jahren Alltag. Im digitalen Programmcode von Onlinezeitungen oder Internetshops verstecken sich meist Dutzende solcher digitaler Spione der unterschiedlichsten Firmen. Mit den gesammelten Informationen wollen sie vor allem die Onlinewerbung verbessern. Das heißt: Werbeanzeigen sollen noch zielgenauer ausgespielt werden, damit wir möglichst oft auf Anzeigen klicken und schließlich kaufen.

Bisher haben sich die Betreiber von Internetportalen oft damit herausgeredet, dass sie ja diese Daten gar nicht selbst sammeln. Das machen in der Tat meist die Werbekunden oder Firmen wie Facebook, wenn auf einer Webseite ein Like-Button eingebunden ist.

Und vermutlich wissen viele Betreiber gar nicht so genau, welche Datenspione auf ihrer Webseiten installiert sind und welche Informationen die den ganzen Tag so sammeln. Doch für den Europäischen Gerichtshof ist Nicht-Wissen zukünftig keine Ausrede mehr. Wer Dienste wie den Facebook-Like-Button oder Werbetracker in seine Webseite einbindet, der ist auch für die Sammlung und Übermittlung der Daten mitverantwortlich und muss sich damit an die europäischen Datenschutzgesetze halten.

Ein schneller Klick auf irgendeinen nervigen "Okay"-Button reicht deshalb wohl nicht mehr als Blankovollmacht zur Datensammlung. Zukünftig müssen Nutzer einer Datenübermittlung an Fremdfirmen wohl ausdrücklich zustimmen.

Gutes Signal

Und das ist auch gut so: Kein Internetnutzer will wirklich so umfassend überwacht werden, wie es heute auf vielen Webseiten üblich ist. Schließlich arbeiten viele der Datenspione gleichzeitig auch noch auf Tausenden anderen Webseiten – und verfolgen uns Nutzer so regelrecht mit ihrer manchmal erschreckend zielgenauen Werbung. Und sie sammeln ihre Daten in der Regel still und heimlich im Hintergrund – auch ohne dass ein Facebook-Button oder eine Werbeanzeige angeklickt werden muss.

Wenn Webseitenbetreiber jetzt stärker in die Verantwortung genommen werden und ausdrücklich die Zustimmung zur Datensammlung einholen müssen, ist das ein gutes Signal. Wer mit offenen Karten spielen muss, wird sich vielleicht zweimal überlegen, wie viele Datenspione er in seine Internetseite einbaut – und wie stark er seine Kunden wirklich überwachen will.

Stefan RömermannStefan RömermannStefan Römermann arbeitet seit 2003 vor allem für den ARD-Hörfunk und den Deutschlandfunk. Seine Themenschwerpunkte sind Computer, Medien und Technik. Beim Deutschlandfunk moderiert er unter anderem die Sendungen "Umwelt und Verbraucher" und "Marktplatz".

  

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