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StartseiteGesichter EuropasWie der EU-Beitritt ein rumänisches Dorf verändert hat18.05.2019

Europa, das ist hier!Wie der EU-Beitritt ein rumänisches Dorf verändert hat

Seit 2007 gehört auch Rumänien zur Europäischen Union. Nur wenig ist dort so geblieben, wie es war: Westliche Agrarunternehmen kauften Land auf, Discounterketten eröffneten Filialen, ein großer Teil der Bevölkerung ging ins Ausland. Vor allem in den Dörfern hat sich das Leben vieler Bewohner verändert.

Von Manfred Götzke und Leila Knüppel

Die rumänische Flagge und die Europafahne (dpa/ Jens Kalaene )
Vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2019 hat Rumänien die EU-Ratspräsidentschaft inne (dpa/ Jens Kalaene )
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Wo es früher nur Wochenmärkte und kleine Lebensmittelgeschäfte gab, schossen Discounter aus dem Boden: Es gab plötzlich alles zu kaufen, aber alles wird auch immer teurer.

Auf der Suche nach Arbeit ging ein großer Teil der Bevölkerung ins Ausland. Mehr und mehr Dörfer verwaisten. Dafür brachten die Arbeitsmigranten Geld zurück: Neben Holzhäuschen wuchsen Wohnpaläste in die Höhe. Pferdekarren sind selten geworden, stattdessen rasen nun Neuwagen über die Straßen.

Selbst in dem kleinen Bergdorf Moisei, im Norden des Landes, hat die Europäische Union das Leben vieler Bewohner verändert. Manfred Götzke und Leila Knüppel kennen das Dorf seit langem. Sie haben sich dort auf die Suche nach den Folgen des EU-Beitritts gemacht.

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Literaturhinweis
In der Sendung wurden Zitate Dan Lungus Buch "Das Hühnerparadies" gelesen – aus dem Rumänischen von Aranca Munteanu, erschienen im Residenz Verlag, Salzburg 2007.

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