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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Sehr gute" Wasserqualität deutscher Badeseen28.06.2018

Europäische Umweltagentur"Sehr gute" Wasserqualität deutscher Badeseen

Katja Rosenbohm von der Europäische Umweltagentur bescheinigt deutschen Badeseen eine sehr gute Wasserqualität. Vor allem das flächendeckende Filtern von Abwasser habe für Verbesserung gesorgt. Negative würden sich hingegen der Klimawandel und die Landwirtschaft auswirken, sagte Rosenbohm im Dlf.

Katja Rosenbohm im Gespräch mit Britta Fecke

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Ein junger Mann springt am 12.09.2016 in einen kleinen See bei Sehnde in der Region Hannover (Niedersachsen).  (dpa / Julian Stratenschulte)
Sommer am Badesee (dpa / Julian Stratenschulte)
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Britta Fecke: Spätestens zum Beginn der Ferien und auch bei diesen Temperaturen wird die Badesaison eröffnet. Seen, Flüsse und Küsten sollen für Erfrischung sorgen. Doch wie steht es um die Qualität der deutschen Oberflächengewässer? Können wir bedenkenlos eintauchen, oder sollten wir tunlichst den Kopf über Wasser halten, wenn in der Nachbarschaft Mais-Monokulturen stehen?

Die Europäische Umweltagentur, kurz EEA, überprüft regelmäßig die Wasserqualität auch in Deutschland. Ich bin nun verbunden mit Katja Rosenbohm. Sie ist Sprecherin der EEA in Kopenhagen. Frau Rosenbohm, wie steht es denn um die Qualität unserer Gewässer?

Katja Rosenbohm: Guten Tag aus Kopenhagen. - Es steht sehr gut um die Qualität der deutschen Badegewässer. Wir haben insgesamt knapp 2.300 Gewässer untersucht beziehungsweise die Daten aus den nationalen Behörden ausgewertet, und in 91 Prozent aller Fälle ist die Wasserqualität sehr gut, ausgezeichnet. Das hat sich sehr stark verbessert auch über die letzten Jahre. Allein in den letzten vier Jahren haben wir noch mal einen Anstieg um zehn Prozent dieser sehr guten Badegewässer-Qualität gesehen.

Filtern des Abwassers hat positive Auswirkung

Fecke: Woher kommt denn diese Verbesserung?

Rosenbohm: Die EU-Gesetzgebung, die die Qualität der Gewässer insgesamt regelt, ist sehr vielschichtig. Was wir hier genau untersucht haben, ist die Badegewässer-Richtlinie, die ja vor vier Jahrzehnten schon eingeführt wurde. Hauptsächlich ging es darum, die Abwassereinträge in die Gewässer stark zu reduzieren, Abwasser-Behandlungsanlagen einzurichten, und das hat sich sehr stark ausgewirkt über die letzten Jahre. Das ist fast flächendeckend heutzutage der Fall, dass wir keine ungefilterten Abwässer einleiten in die Gewässer.

Fecke: Das betrifft jetzt nicht das Vertragsverletzungsverfahren, das Deutschland gerade am Hals hat wegen der Nitratwerte und des hohen Stickstoffeintrages?

Rosenbohm: Nein. Da gibt es verschiedene Gesetzgebungen und das ist noch mal eine andere EU-Gesetzgebung, die sich um den Nitrateintrag kümmert.

Negativer Effekt des Klimawandels

Fecke: Wir haben ja oft am Ende der Badesaison durchaus dann mal Warnungen vor allem von Seen, nicht von fließenden Gewässern, dass man dort nicht mehr reingehen darf. Was sind denn das dann für Probleme, die dort auftauchen?

Rosenbohm: Was wir heutzutage sehr stark sehen, sind Einmal-Ereignisse, die nicht zuletzt durch den Klimawandel stattfinden, zum Beispiel Starkregen-Ereignisse, aber auch Einträge von Schiffen können dazu beitragen, dass erhöhte Einträge von Nitraten oder anderen Pestiziden passieren, weil in solchen starkregen-Ereignissen natürlich die Abwasser-Reinigungsanlagen auch gerne mal überlastet sein können. Das sind heute die Momente, wo wir wirklich den Effekt auch des Klimawandels sehen. Aber auch insgesamt kann es passieren, dass durch starke Erwärmung der Gewässer sich dann Bakterien dort noch mal zu einem erhöhten Maße ausbreiten, aber wie gesagt, in Einzelfällen.

Landwirtschaft neben Klimawandel Hauptproblem

Fecke: Welche Rolle spielt denn die Landwirtschaft in dem Zusammenhang?

Rosenbohm: Ich hatte ja schon gesagt, dass sich die wirklich starke Verbesserung der Qualität daraus herleiten lässt, dass wir die Abwasserreinigung so stark verbessert haben. Aber wir haben heute andere Probleme, und dazu gehört vor allem die Landwirtschaft. Das sind die Einträge von Düngemitteln aus der Landwirtschaft, Nitrate, Stickstoff. Aber es sind auch heute Pestizide und andere Chemikalien auch aus Arzneimitteln, die da eingetragen werden, die dann auch besonders in diesen Einmal-Ereignissen zum Tragen kommen. Quecksilber ist da auch ein Thema. Ein anderes Thema ist, wie ich auch schon sagte, der Klimawandel: Einmal durch die Starkregen-Ereignisse, aber auch durch insgesamt Emissionen, die über die Luft dann in die Gewässer eingetragen werden, und die allgemeine Erwärmung.

Fecke: Wenn dann mehr Stickstoff eingetragen wird, dann wird auch das Algenwachstum wahrscheinlich beschleunigt?

Rosenbohm: Genau, das kann passieren, und dann haben wir solche Einmal-Ereignisse.

Monatliche Messungen

Fecke: Woran erkenne ich denn, ob ich bedenkenlos in den See tauchen kann?

Rosenbohm: Einmal kann man festhalten, dass wir insgesamt in der EU und speziell auch in Deutschland ein sehr ausgebautes Informations- und Warnsystem haben. Es gibt Webseiten bei uns, aber auch beim Umweltbundesamt, bei den Bundesländern, wo die aktuelle Qualität der Badegewässer ständig dargestellt wird, auch individuell auf die einzelnen Badestellen. Es wird mindestens einmal im Monat dort gemessen und die Qualität angezeigt. Dann gibt es natürlich auch Ad-hoc-Warnungen durch die lokalen Behörden vor Ort. Es gibt zum Beispiel ein EU-Warnsystem, eine blaue Flagge, was dann mehr weltweit gilt und nicht unbedingt nur in Deutschland.

Wie gesagt, man kann es natürlich nicht immer sehen, aber ich weiß, dass das Umweltbundesamt zum Beispiel eine einfache Handhabung herausgegeben hat, wie man erkennen kann, ob Blaualgen zum Beispiel im Wasser sind. Da sagen die Kollegen vom Umweltbundesamt: Wenn man bis zu den Knien ins Wasser geht und man seine Füße nicht mehr sieht, dann sind wahrscheinlich dort zu viele Bakterien im Wasser.

Fecke: Baden und Schwimmen gut, es sei denn, man sieht die Füße nicht. So können wir es zusammenfassen. Vielen Dank für diese Informationen an Katja Rosenbohm, Sprecherin der Europäischen Umweltagentur in Kopenhagen.

Rosenbohm: Sehr gerne.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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