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Europäische UnionGlyphosat-Entscheidung vertagt

Drei weiße Kanister mit der Aufschrift "Profi 360 TF" und "360 g/l Glyphosat" stehen in einem Metallregal. (Jens Büttner / dpa)
Kanister mit Glyphosat stehen am 18.05.2016 in einem speziellen Lagerraum für Pflanzenschutzmittel in der Pflanzenbau- Genossenschaft in Jesendorf (Mecklenburg-Vorpommern). (Jens Büttner / dpa)

Ein Expertengremium der EU-Länder hat keine Entscheidung darüber getroffen, ob das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat in Europa weiter zugelassen bleibt. Stattdessen will die EU-Kommission nun weiter mit den Mitgliedstaaten an einer Lösung arbeiten, "die größtmögliche Unterstützung hat".

Glyphosat gilt als sehr wirksam und wird weltweit massenhaft eingesetzt, steht aber im Verdacht, Krebs zu erregen und die Umwelt zu belasten. Die bisherige Zulassung für Glyphosat in Europa läuft Ende des Jahres ab. Wird sie nicht erneuert, muss das Mittel vom Markt genommen werden. Die EU-Kommission hatte ursprünglich die weitere Zulassung für zehn Jahre beantragt, war aber am vergangenen Dienstag auf fünf bis sieben Jahren zurückgegangen. Zuvor hatte das Europaparlament ein Verbot des Mittels bis 2022 gefordert.

Keine klaren Mehrheitsverhältnisse

In dem für die Entscheidung zuständigen Expertengremium, dem sogenannten PAFF-Komitee, gab es bis kurz vor der Sitzung keine klaren Mehrheitsverhältnisse. Die Bundesregierung war sich nicht einig, so dass sie sich wohl hätte enthalten müssen. Die belgische Regierung teilte am Mittwoch mit, dass sie gegen eine Zulassung für weitere sieben oder zehn Jahre sei und sich der Forderung des Europaparlaments anschließe.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied kritisierte im Deutschlandfunk die Kampagne, die gegen Glyphosat laufe, als unwissenschaftlich. Rukwied sprach davon, dass Angst geschürt werde. Die Leidtragenden seien die Bauern, die dann nach Rukwieds Einschätzung auf umweltschädlichere Verfahren umsteigen würden. Horst-Henning Steinmann vom Zentrum für Biodiversität und nachhaltige Landnutzung der Universität Göttingen sagte im Deutschlandfunk, dass der Glyphosat-Ausstieg auf jeden Fall kommen werde. Das Signal sei so deutlich, dass man sich künftig auf einen Ackerbau und Anbau von Obstkulturen ohne Glyphosat einstellen müsse. Auf Betriebe, die sehr stark auf Glyphosat gesetzt haben, kämen daher große Anpassungskosten zu. 

"Wahrscheinlich krebserregend"

Der Wirkstoff wurde vom US-Konzern Monsanto entwickelt, den der deutsche Konkurrent Bayer übernehmen will. Dieses Milliardengeschäft wird derzeit von der EU-Kommission geprüft. Vertrieben werden glyphosathaltige Mittel aber auch von mehr als 40 weiteren Herstellern.

Über mögliche Risiken durch den Unkrautvernichter wird seit Jahren gestritten. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation stufte das Herbizid im März 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" für den Menschen ein. Andere Agenturen wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung BfR sehen hingegen kein Gesundheitsrisiko durch Glyphosat.

(tzi/tep)

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