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StartseiteCampus & KarriereNetzwerken im Ungewissen09.06.2018

Europäische UniversitätenNetzwerken im Ungewissen

Mehr "Europäische Universitäten" schaffen, für diese Idee bekam Emmanuel Macron letztes Jahr viel Beifall. An der TU München haben sich gerade Hochschulvertreter aus ganz Europa getroffen und auch darüber diskutiert. Wie das Ganze im Detail aussehen soll, weiß allerdings noch keiner so recht.

Von Susanne Lettenbauer

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Blick auf die Technische Universität in München (imago/Westend61)
An der TU München trafen sich Präsidenten und Universitätchefs aus aller Welt (imago/Westend61)
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"Wir sind sehr interessiert daran, an diesem Programm teilzunehmen. Denn es wird ja vor allem von der französischen Regierung besonders gefördert. Frankreich ist überzeugt davon, dass Europa wichtig ist, vor allem die Hochschulbildung."

Jacques Biot ist ganz begeistert: Der Präsident der Pariser Technischen Universität verspricht sich viel von der Idee seines Präsidenten Macron. Eine Europäische Universität beziehungsweise mehrere Europäische Universitäten würden den Stellenwert von Forschung und Wissenschaft mehr Gewicht verleihen:

"Es geht um Networking, um eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Universitäten, einer stärkeren Stimme in Brüssel, um diese europäischen Universitäten zu realisieren."

Gegengewicht zu Harvard und Stanford

Gemeinsame Abschlüsse für Studierende, attraktive Angebote für Postdocs, eine unkomplizierte Anerkennung von Studienleistungen – vor allem gegenüber den großen Universitäten wie Stanford, dem MIT oder Harvard könnte man damit ein Gegengewicht entwickeln, erhoffen sich die Befürworter der EuropeanU, wie die bis 2024 zu gründenden Universitäten kurz genannt werden:

"Ich halte den Vorschlag für exzellent. Wir bemühen uns seit vielen Jahren, ähnliche Initiativen in der Kooperation nicht nur europaweit, sondern auch weltweit zu installieren."

meint Harald Kainz, Rektor der Technischen Universität Graz.

"Die Definition, was eine Europäische Universität ist, ist noch in der Diskussion. Wir erwarten, dass es weit über einen Austausch von Studierenden und Lehrenden hinausgeht. Wir machen das ja auch schon. Wir machen Double-Degrees, Joint-Degrees, wir machen ganz gezielt Austausch, wo wir lehrendenverschränkt die Lehre halten lassen, wo wir auch das anerkennen, was unsere Leute im Ausland tun."

Schnelle Umsetzung nötig

Die Idee einer Europäischen Universität stamme ja bereits von José Manuel Barroso, dem früheren EU-Kommissionspräsidenten, sagt der Chef der Münchner Technischen Hochschule Wolfgang Herrmann. Damals sei eine Art Projektuniversität in Straßburg geplant gewesen. Er könne der jetzigen Idee von Macron mehr abgewinnen und sie müsse schnell umgesetzt werden:

"Alles, was Europa einigt und sichtbar macht in der Welt, ist richtig und in der Zukunft wird es Einrichtungen geben, die sich in Partnerschaft ein besonderes Profil geben."

Besonders eine hürdenfreie Anerkennung von Studienleistungen würde an einer europäischen Universität kein Thema mehr sein, betont Herrmann.

"Das wäre natürlich bei einer solchen Verbunduniversität innerhalb Europas natürlich eine der Grundvoraussetzung in dem betreffenden Universitätsvertrag, der dann geschlossen werden muss. Volle gegenseitige Anerkennung selbstverständlich mit Qualitätssicherungssystemen, wie es gute Universitäten heute ohnehin haben."

Skeptiker: Zu viel ist unklar, zu viele Unterschiede

Die skeptischen Stimmen sind eher in der Minderheit, aber es gibt sie. Patrick Aebischer, bis 2016 Präsident der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne, fordert in München einen Fokus auf wenige Spitzenuniversitäten in Europa, nach dem amerikanischen Modell. Einige Leuchttürme, finanziell top ausgestattet.

Skeptisch zeigt sich auch Florin Dragan, Rektor der Technischen Uni in Timisoar/Rumänien. Er gibt zu bedenken, dass die einzelnen europäischen Länder verschiedene Bildungscurricula entwickelt haben, ebenso sei die Finanzierung der Hochschulen sehr unterschiedlich. Noch kann er sich nicht vorstellen, wie eine europäische Universität genau aussehen soll:

"Also, man könnte die starken Fakultäten der einzelnen Universitäten gut verbinden, die Ingenieurwissenschaften von München mit der philosophischen Fakultät von Paris zum Beispiel. Es geht ja nicht um einen neuen zentralen Campus in irgendeinem Land in Europa. Die Idee ist wichtig, aber die Frage ist ja, wie man das umsetzt."

Fabienne Gautier aus dem Forschungskommissariat der EU wiegelt eher ab. Die Finanzierung sei noch gar nicht geklärt. Auch die Vorstellung, Studierenden dieser europäischen Universität ein Stipendium zu ermöglichen, müsse noch auf EU-Ebene abgesprochen werden:

"Die EU-Kommission unterstützt diese Idee. Wir fördern ja bereits den Zusammenschluss verschiedener Universitäten, dass sie Netzwerke schaffen, Kooperationen bilden zwischen unterschiedlichen Bereichen, zwischen Studierenden wie auch Wissenschaftlern. In diesem Zusammenhang liegt diese Idee voll auf der von uns verfolgten Linie mit dem Erasmus-Plus-Programm und dem Horizon2020-Europe-Programm zur Verbesserung der Mobilität innerhalb Europas."

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