Kommentare und Themen der Woche 06.01.2020

Ex-Hollywood-Produzent WeinsteinDer Prozess ist ein GewinnVon Antje Passenheim

Beitrag hören Der frühere Hollywood-Produzent Harvey Weinstein vor Prozessbeginn in New York (Imago)Der frühere Hollywood-Produzent Harvey Weinstein vor Prozessbeginn in New York (Imago)

Es habe sich viel bewegt seit #Metoo, findet Antje Passenheim. Und der Prozess gegen den ehemaligen Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein werde noch mehr bewegen. Denn durch das Verfahren werde der Kultur des Totschweigens eine Kultur des Hinsehens und des sich Wehrens entgegengesetzt.

Das Urteil ist ungewiss. Doch dieser Prozess ist bereits ein Gewinn, bevor er überhaupt angefangen hat. Ein Sieg für alle Frauen und auch Männer, die Opfer von sexuellem Machtmissbrauch im Job geworden sind. Denn im Gerichtssaal in Manhattan geht es um weit mehr als das Urteil über einen mächtigen Hollywoodstar, der im Verdacht steht im Größenwahn über Jahrzehnte hinweg Dutzende Frauen sexuell missbraucht, gedemütigt und vergewaltigt zu haben.

Es geht um weit mehr als um die Genugtuung für über 80 Frauen, unter ihnen berühmte Schauspielerinnen, die sagen, dass sie Harvey Weinsteins Opfer sind. Der Prozess ist ein Sieg für alle Frauen und auch Männer, die sich in der Geschichte der Harvey Weinstein-Opfer wiederfinden. Nicht in nur in Hollywood, sondern auch in Bremen, München oder Gelsenkirchen. Nicht nur im Filmgeschäft, sondern in Bäckereien, Büros, Werkstätten. Alle Beschäftigten, die schon einmal sexuelle Erniedrigung am Arbeitsplatz erdulden mussten und sich zum Schweigen verdammt gefühlt haben. Das ist seit zwei Jahren anders. 

Die Vorwürfe haben eine Welle erzeugt

#MeToo – Ich Auch, riefen Millionen Menschen nach den ersten Weinstein-Enthüllungen. Die Vorwürfe gegen den einstigen großen Film-Produzenten haben eine Welle erzeugt. Der Prozess gegen Harvey Weinstein ist nun der Scheitelpunkt: das Verfahren wird zeigen, ob der Fall, der die Metoo-Ära eingeläutet hat, auch Bestand vor einem Strafgericht hat. 

Weinstein hat bereits viel verloren: seinen Ruhm, seinen Reichtum, seine Firma, seine Ehe. Und wenn er diesen Prozess verliert, könnte er auch noch seine Freiheit verlieren. Auf Lebenszeit. Aber darauf kommt es den meisten Betroffenen gar nicht an: Es geht aus ihrer Sicht vielmehr darum, ob das, was viel zu lange mit einem Augenzwinkern weggeblendet, was systematisch totgeschwiegen wurde. Ob das nach einem fairen Verfahren im Falle eines Schuldspruchs  von einer Jury ausdrücklich als das benannt wird, was es ist: Ein skrupelloses Verbrechen.

Der Prozess wird noch mehr bewegen

Es hat sich viel bewegt seit #Metoo. Dieser Prozess wird noch mehr bewegen. Denn er wird der Kultur des Totschweigens eine Kultur des Hinsehens und des sich Wehrens entgegensetzen. Und er signalisiert den Weinsteins dieser Welt, dass sie in Zukunft damit rechnen müssen, nicht erst am Ende ihrer Karriere zur Rechenschaft gezogen zu werden.

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