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StartseiteKommentare und Themen der WocheSigmar Gabriel - eine Chance für die Deutsche Bank?24.01.2020

Ex-SPD-Chef im AufsichtsratSigmar Gabriel - eine Chance für die Deutsche Bank?

Für Sigmar Gabriel gehöre eine große Portion Mut dazu, in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank einzuziehen, kommentiert Klemens Kindermann. Denn vom Investmentbanking dürfe Gabriel wenig Ahnung haben. Dennoch könne der frühere SPD-Chef auch eine große Chance für das Geldinstitut sein.

Von Klemens Kindermann

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Sigmar Gabriel, ehemaliger SPD-Vorsitzender und Außenminister (imago / Florian Gärtner)
Wird sich bei der nächsten Hauptversammlung den Aktionären zur Wahl stellen: Sigmar Gabriel, ehmaliger Umwelt-, Wirtschafts- und Außenminister (imago / Florian Gärtner)
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Sicher, vom Investmentbanking dürfte Sigmar Gabriel herzlich wenig Ahnung haben. Auch das Privatkundengeschäft oder die maroden IT-Strukturen – zwei weitere Großbaustellen der Deutschen Bank – dürften dem früheren SPD-Chef wenig sagen. Gabriel hat zwar mal im Verwaltungsrat der staatlichen Förderbank KfW gesessen, aber das ist mit dem harten Geschäft einer privaten Großbank in der freien Wildbahn internationaler Finanzmärkte kaum zu vergleichen. Es ist also leicht, gegen  den früheren Pop-Beauftragten seiner Partei – das war er ja auch mal - fehlende Fachkunde ins Feld zu führen.

Gabriel könnte die Türen in die USA wieder öffnen

Doch könnte Gabriel auch eine große Chance für die Deutsche Bank sein. Dort stimmte bei der politischen Vernetzung zuletzt gar nichts mehr: das Verhältnis zwischen dem Kanzleramt und den Frankfurter Türmen "Soll und Haben" ist abgekühlt, im wichtigen US-Markt ist die Deutsche Bank zunehmend abgemeldet: Washington bevorzugt die eigenen Banken. Der Ex-Vizekanzler und Vorsitzende des Vereins Atlantik-Brücke Gabriel kann hier zumindest den Versuch machen, wieder Türen zu öffnen.

Hinzu kommt: Mit Klima und Umwelt hatten die Manager der  Deutschen Bank ziemlich lange überhaupt nichts am Hut. Jetzt verlangen jedoch auch Finanzinvestoren immer mehr Nachhaltigkeit, zu besichtigen gerade erst auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos – auch diese Flanke kann Gabriel als ehemaliger Umweltminister bespielen. Zuletzt: Wenn die Deutsche Bank doch noch einmal mit der Commerzbank fusionieren sollte, hat Gabriel den richtigen Draht zu Ex-Verdi-Chef Frank Bsirske, dem starken Mann der Beschäftigten im Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

Um die Bezahlung geht es dem Staatsmann Gabriel nicht

Für Gabriel selbst, der als gut verdienender Weltenbummler sicher nicht wegen der Vergütung in den Aufsichtsrat einzieht, gehört eine große Portion Mut dazu: Auf der Kapitalseite muss er die Interessen des Emirats Katar vertreten, das als Großaktionär der Bank das Anrecht auf die Besetzung des Postens hatte. Die Araber dürften bedingungslose Gefolgschaft erwarten. Und kommt es bei der Deutschen Bank zu neuen Skandalen, riskiert Gabriel seine staatsmännische Reputation, die er seit dem Abschied aus der Politik pflegt.     

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

 

 

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