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StartseiteEine WeltKonfrontation oder Kooperation24.11.2018

Exil-Kubaner in FloridaKonfrontation oder Kooperation

Die kubanische Revolution wird in diesem Jahr zum 60. Mal gefeiert: Ihr Held, Fidel Castro, ist vor zwei Jahren gestorben, zur Freude vieler Exil-Kubaner in Florida. Mit Donald Trump ist zwar wieder ein Hardliner US-Präsident. Doch der erntet nicht nur Beifall für seine vermeintlich harte Linie gegenüber Kuba.

Von Burkhard Birke

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Exil-Kubaner spielen Domino in Miamis Stadtviertel Little Havana (Deutschlandradio / Burkhard Birke)
Exil-Kubaner spielen Domino in Miamis Stadtviertel Little Havana (Deutschlandradio / Burkhard Birke)
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Salsa Musik, Domino spielende Greise, kubanische Zigarren frisch gerollt aus nicaraguanischem Tabak, kubanische Barbiere und Restaurants, die typische Gerichte wie Ropa vieja, einen Teller mit zerfasertem Rindfleisch, Reis, Bohnen und gebratenen Kochbananen anbieten: willkommen in Little Havana.

In dem Viertel südlich des Miami River und östlich von Downtown Miami ist Englisch Fremdsprache. Amerikanisch sehen eigentlich nur die Häuser und Straßen aus: Das Ambiente ist kubanisch.

Am Rande des Viertels hat auch die Cuban American National Foundation, die Stiftung der kubanisch-stämmigen Amerikaner ihren Sitz. Präsident der Stiftung ist Pepe Hernandez, und zwar schon seit 28 Jahren.

"Früher war die Politik der USA gegenüber Kuba in Florida und bei den Amerikanern kubanischer Abstammung von Vorrang, aber das ist immer weniger der Fall."

Die Zahl der kubanischen Einwanderer steigt kontinuierlich

Allein an der Mitgliederzahl der 1981 zurzeit von Präsident Reagan gegründeten Stiftung kann Pepe Hernandez das festmachen: Von einst 150.000 schrumpfte die Zahl auf geschätzte 20.000 bis 25.000 – und das, obwohl gerade in den letzten 20 Jahren die Einwanderung aus Kuba sprunghaft gestiegen ist.

Allein 2016 kamen über 50.000 – kurz bevor das Gesetz des "trockenen Fußes" von Präsident Obama abgeschafft wurde. Das besagte, dass jeder Kubaner, der es auf amerikanischen Boden schaffte, automatisch Aufenthaltsstatus bekam. Zurückgeschickt wurden indes Menschen in Booten, wenn die Küstenwache sie vor der Landung abfing.

Trotz der Restriktionen bei der Einwanderung hat Obama freilich als erster US-Präsident Kuba seit der Revolution besucht und wieder offizielle diplomatische Beziehungen hergestellt.

"Präsident Obamas Politik hat viele in der kubanischen Gemeinde verstört", sagt Tomas Regalado, der frühere republikanische Bürgermeister von Miami. "Natürlich sind viele derjenigen, die damals direkt unter der Revolution gelitten haben, sehr alt oder verstorben. Sie haben jedoch ihre Kinder so erzogen, dass sie gegen das Castro-Regime sind."

Tomas Regalado, früherer Bürgermeister von Miami (Deutschlandradio / Burkhard Birke)Tomas Regalado, früherer Bürgermeister von Miami (Deutschlandradio / Burkhard Birke)

Die junge Generation fühlt sich eher US-amerikanisch als kubanisch

Immer mehr Vertreter dieser jungen Generation freilich fühlen sich eher als Amerikaner, obwohl sie Sprache und Tradition der Eltern durchaus pflegen. Einige kennen Kuba von Kurzbesuchen und vertreten durchaus differenzierte politische Auffassungen, so wie der Student Andy Vila:

"Alle kubanischen Konservativen sind nicht wegen des Programms der Republikaner konservativ, sondern weil die Republikaner, die Partei des Kapitalismus, eine nationalistische Partei sind. Ich glaube junge Leute interessiert viel mehr, was hier in Amerika passiert. Die Demokraten, linke Parteien generell, haben klare Konzepte bezüglich der Ungerechtigkeiten, überall in der Welt, und das bieten die Republikaner nicht."

Politik wird beim Abendessen im Hause Vila freilich gemieden, sonst gibt es Streit, erzählt Andy, der aktiv für die Demokraten Wahlkampf gemacht hat – und zwar mit Erfolg. Zwei Sitze im Repräsentantenhaus in klassischen republikanischen Hochburgen mit starker kubanischer Präsenz im Süden Floridas gingen dieses Mal an Demokraten, obwohl Präsident Trump wenige Tage vor der Wahl noch seinen Sicherheitsberater John Bolton nach Miami geschickt hatte, um vor der "Tyrannei des Terrordreiecks Havana - Caracas - Managua" zu warnen.

"Das ist die Quelle für viel menschliches Leid. Unter Präsident Trump werden die USA direkte Maßnahmen ergreifen, um den Rechtstaat, die Freiheit und den menschlichen Anstand in unserer Region zu verteidigen."

Viele Exil-Kubaner sind von den Republikanern enttäuscht

Viel mehr als die Ankündigung möglicher neuer Sanktionen gegen Nicaragua, Kuba und Venezuela hatte Bolton jedoch nicht zu bieten, auch wenn er in Aussicht stellte, dass Exil-Kubaner möglicherweise ein Klagerecht gegen Enteignungen vor über fünf Jahrzehnten in den USA bekommen könnten, so wie sie eigentlich im Helms Burton Gesetz vorgesehen sind, aber nie umgesetzt wurden. 

"Das ist doch alles nur für die Optik, um die kubanische Gemeinde zufriedenzustellen, aber es wird doch nichts unternommen, was auf der Insel Wirkung entfaltet."

Pepe Hernandez kennt die Säbelrasselrhetorik der Republikaner zur Genüge. Er wünscht sich mehr Druck aus den USA und Europa, um die Lage der nach seinen Angaben 130 politischen Gefangenen auf Kuba zu verbessern. 

Der Präsident der Cuban American National Foundation Hernandez ist ein Konservativer und absoluter Castro-Gegner, der sogar in der Schweinebucht gekämpft hatte; dennoch ist er gegen eine Verschärfung von Sanktionen, denn: "Die größte Unterstützung für das kubanische Volk ist das Geld, das wir schicken. Es gibt Schätzungen, wonach bis zu sechs Milliarden Dollar jährlich überweisen werden."

Die Zahl mag hoch gegriffen sein: Die Havana Consulting Group schätzt die Überweisungen auf 3,6 Milliarden Dollar pro Jahr. Fakt ist: Ohne diese Gelder geriete eine Vielzahl Menschen auf Kuba angesichts der bestehenden Versorgungsengpässe in akute Not. Selbst Präsident Trump dürfte also davor zurückschrecken, das Wirtschaftsembargo zu verschärfen, um Geldtransfers zu verbieten. Denn sonst hätte er neben der "Karawane" aus Mittelamerika noch eine "Armada" aus Kuba vor der Haustür.

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