Freitag, 22.03.2019
 
Seit 18:10 Uhr Informationen am Abend
StartseitePISAplusExistenzgründung mit Kunst14.04.2007

Existenzgründung mit Kunst

Im Kulturofen in Düsseldorf beraten Künstler und andere Fachleute

Wer den Weg zum Kulturofen in Düsseldorf findet, der hat wahrscheinlich schon einen wichtigen Schritt voran zur Selbständigkeit gemacht. So versteckt liegt die ehemalige Industriebrache im Düsseldorfer Gewerbegebiet Heerdt, zwischen Pharmaunternehmen und Großtankstellen. Hier haben sich Künstler für ein spezielles Angebot für Existenzgründer in der Kunst- und Kulturwirtschaft zusammengeschlossen.

Von Andrea Lueg

Auf dem Arbeitsamt finden Künstler nicht die passende Ansprache. (Stock.XCHNG / Andy Stafiniak)
Auf dem Arbeitsamt finden Künstler nicht die passende Ansprache. (Stock.XCHNG / Andy Stafiniak)

Stefanie Guth ist eine, die hier Rat sucht:

" Ich bin Sonderschullehrerin und habe Textilgestaltung studiert, das ist so meine künstlerische Basis, mache das auch seit zehn Jahren und habe jetzt in den letzten Jahren einzelne Ausstellungen gehabt im kleinen Stil. Eigentlich ist es mein Hobby gewesen, ich hatte aber immer schon den Wunsch mich in dem Bereich selbständig zu machen und habe dann auch gezielt nach Beratung gesucht. "

In Verbindung mit dem nordrheinwestfälischen Gründungsnetzwerk GO entstand hier in einer ehemaligen Ofenfabrik die Initiative, Künstler mit den Bedingungen des Marktes vertraut zu machen und ihre Ideen in tragfähige Geschäfte umzusetzen. Der Maler und Bildhauer Gerdhard Krausekrause und seine Mitstreiter haben ein Konzept entwickelt mit dem sie einem breiten Spektrum von Menschen bei dem Weg in die Selbständigkeit unter die Arme greifen wollen. Das passiert über ein breites Angebot an Seminaren, bei denen die Themenauswahl von Finanzierungsmöglichkeiten für Projekte über Steuerfragen bis zum Management von Kunst und zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit reicht. Auch Einzelgespräche und Coachings für Existenzgründer sind möglich.

" Ich habe Potential und Kompetenz, aber ich brauche jemanden, der das bündeln kann. Also bevor ich jetzt anfange, mir in dem einen Ort einen Wirtschaftsberater zu suchen und woanders jemanden, der sich mit Kunst vielleicht auskennt oder einen Galeristen, brauche ich jemanden, der das bündelt, und das ist dann hier ein zentraler Punkt, wo es gebündelt wird. "

Stefanie Guth bekommt ein Beratungspaket aus vier Tagen zu je acht Stunden. Ganz nach ihren Bedürfnissen kann sie die Fachkenntnisse von Künstlern, Wirtschaftsexperten, Steuerberatern oder Marketingspezialisten in Anspruch nehmen. Sie alle sind Teil des Netzwerkes des Kulturofen. Der war übrigens nicht Stefanie Guths erste Anlaufstelle. Sie war zuvor auch im Jobcenter der Arbeitsagentur und bei der Wirtschaftsberatung. An der richtigen Adresse empfand sie sich aber erst hier. Für Gerdhard Krausekrause keine Überraschung, er meint, dass die üblichen Beratungsangebote für Künstler und Kreative nicht die passende Ansprache finden.

" Wer heute zum Arbeitsamt geht, der findet doch dort nicht die Sprache, die er braucht, um eben in die Selbständigkeit gerade in diesem Bereich Kunst- und Kulturwirtschaft rein zu kommen. Es gibt diese immensen Schablonen, und wer in dieses Raster reinpasst, der bleibt da stecken, und der Rest fällt durch "

Zum Kulturofen kann ein breites Spektrum von Kunden kommen. Studierende oder Absolventen der Kunstakademie, freie Kulturschaffende aber auch Kunstinteressierte aus allem möglichen Bereichen, wenn sie denn eine Idee haben, die überzeugt und vor allem, von der er selbst überzeugt ist.

" Wenn er selber nicht daran glaubt, dann kann er gleich wieder gehen. Das ist das erste, was man haben muss: Man muss von sich selbst überzeugt sein. "

Ob eine Idee künstlerisch Bestand hat, und auch in der Realität umsetzbar ist, und ob der Mensch, der sich selbständig macht, das Durchhaltevermögen und die Risikobereitschaft mitbringt und nicht zu große Ängste hat, das wird in einem ersten Gespräch abgeklopft. Dabei kann das Vorhaben auch Schiffbruch erleiden und der Rat kommen, besser nicht zu gründen. Oder aber, wie bei Stefanie Guth, dass die Idee noch Schliff braucht. Sie wollte ein Cafe eröffnen, das gleichzeitig Atelier ist und in dem Kunst gezeigt wird. Das schien nicht innovativ genug.

" Wo wir einfach dann überlegt haben , ist es neu oder ist es einfach was, woraus man was machen kann, und jetzt sind wir dabei, Ideen weiterzuspinnen und daraus was Neues, Innovatives zu entwickeln. "

Steht die neue Idee erstmal, kann sich Stefanie Guth mit den Fachleuten über die nächsten Schritte beraten. Den Machern des Kulturofens geht es nicht nur darum, Existenzgründer zu produzieren. Wer hier aus der Beratung geht, soll das als authentische Künstlerpersönlichkeit tun. Stefanie Guth zum Beispiel weiß jetzt, dass sie nicht an die Schule zurück will.

" Ich bin sehr froh, dass ich das gemacht habe, weil ich doch Schwierigkeiten habe, mich jetzt wieder in so in Strukturen pressen zu lassen, ich möchte doch jetzt mit meiner Idee und meiner Persönlichkeit ernst genommen werden. "

Zu den Kosten der Beratung gibt es häufig Zuschüsse vom Land oder vom Bund, Stefanie Guth bekommt zum Beispiel die Hälfte dazubezahlt. Bei 60 bis 70 Prozent der Ratsuchenden, sagt Gerdhard Krausekrause, war der Weg in die Selbständigkeit erfolgreich. Dabei hilft auch eine gute Vernetzung in die Wirtschaft. Der Bedarf an Beratung für Künstler und Kreative scheint jedenfalls da zu sein. Selbst von den Absolventen der Kunstakademien, sagt Krausekrause, kommen nur zwei Prozent als erfolgreiche Künstler an. Die restlichen 98 Prozent müssen sich ihre Existenz auf anderem Wege suchen. Dass es für die sowenig Unterstützung und Beratung von Künstlern für Künstler gibt, denn der Kulturofen ist das einzige Angebot seiner Art, hat nach Überzeugung von Krausekrause mit der Angst zu tun, sich Konkurrenz heranzuziehen.

" Und wir haben gesagt, wieso, wir haben doch alles schon durchgezogen, warum sollen wir die Potentiale nicht zusammenfügen, wir geben das freiwillig ab, das ist die Chance des 21. Jahrhunderts, den Markt ganz neu aufzuwirbeln, so gesehen, wir machen jetzt die 98 Prozent fit und nicht die zwei Prozent. Dann kommt auch mehr Kunst und Kultur in die Gesellschaft rein. "

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk