Donnerstag, 12.12.2019
 
Seit 16:35 Uhr Forschung aktuell
StartseiteComputer und KommunikationExot im Kabelgraben30.03.2013

Exot im Kabelgraben

Glasfaser-Hausanschluss setzt sich in Deutschland nur mühsam durch

"Wir müssen die Glasfaser in die Wohnungen bringen" – jene Forderung war in diesem Jahr vehement auf dem Kongress des IT- und Elektrotechnikverbands VDE zu hören. Aber leider auch schon in den Jahren davor. Allein diese Tatsache verdeutlicht wohl, wie es in Deutschland um die flächendeckende Ausbreitung des superschnellen Internets bestellt ist.

Von Jan Rähm

Bezogen auf den Glasfaserausbau liegt Deutschland im europaweiten Vergleich weit abgeschlagen.  (seas.upenn.edu)
Bezogen auf den Glasfaserausbau liegt Deutschland im europaweiten Vergleich weit abgeschlagen. (seas.upenn.edu)

Gleich zu Beginn der Breitbandtagung drehten sich viele Gespräche und Podien um die Frage: Wie positioniert sich Deutschland im europäischen und internationalen Vergleich in Sachen Breitband im Allgemeinen und Glasfaser im Speziellen. Thomas Plückebaum vom Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste in Bonn aus der wissenschaftlichen Tagungsleitung meint:

"Die Ausbausituation in den verschiedenen Netztechnologien ist auch im europäischen Vergleich natürlich verschiedenen. So haben wir einen relativ guten LTE-Netzausbau, insbesondere auch in den ländlichen Bereichen, wir haben im Kabel ungefähr eine Penetration von ungefähr 60 Prozent der Haushalte, die anschließbar wären, das ist auch ein gutes Maß bezogen auf Breitbandausbau leitergebunden. Klassische Telekommunikationsnetze haben wir sicherlich noch relativ gute VDSL-Abdeckung in Deutschland, in den Ballungsräumen, nicht auf dem Land. Und bezogen auf den Glasfaserausbau haben wir mit Ausnahme der Regionen, in denen alternative Netzbetreiber angefangen haben auszubauen, im Grundsatz keine. So dass wir im Vergleich der Top-Länder Europas, die das FTTH Council Europe ausweist, gar nicht erst auftauchen."

Und damit steht Deutschland auch in diesem Jahr genau dort, wo es bereits seit Jahren steht: Unter ferner Liefen in Sachen Glasfaser. Ganz glücklich mit diesem Umstand zeigt sich auf der Tagung niemand. Auch wenn das FTTH-, das Fiber to the home Council Europe, betont, im Hinblick auf Breitband an sich sei Deutschland zumindest im Moment ganz gut aufgestellt. Geschäftsführer Hartwig Tauber:

"Das Interessante ist, diese Fiber- oder Glasfaserstatistiken werden natürlich gerne von den Politikern, Entscheidungsträgern etwas nach hinten geschoben, weil man sich dann lieber die Standardbreitbandstatistiken anguckt und hier ist Deutschland durchaus gut unterwegs mit Bandbreiten von einem MBit oder zwei MBit ist eine gute Versorgung gegeben. Die Frage, die man sich hier stellen muss, ist: Ist das eine Bandbreitenversorgung, die zukunftssicher und zukunftsgerichtet ist? Und hier sehen wir die Antwort als Fiber to the home Council als nein. Denn für die Zukunft werden die Bandbreiten, die notwendig sind, noch viel höher ansteigen. Und dann ist Glasfaser die einzige Lösung. Hier muss man wieder bedenken, nur wenn man jetzt schon beginnt, diese Glasfasernetze zu bauen, hat man sie dann, wenn man sie deutschlandweit benötigt, auch wirklich verfügbar."

In Sachen zukünftige Breitbandversorgung malen viele Teilnehmer der Tagung ein relativ düsteres Bild für Deutschland. Denn der Ausbau mit Glasfaser kommt nicht recht voran, auch wenn es einige positive Ausreißer gibt, so Stephan Albers, Geschäftsführer Bundesverband Breitbandkommunikation, kurz Breko.

"Es gibt eine sehr erfreuliche Entwicklung auf der einen Seite. Wir erleben gerade eine sehr starke Dynamik im Breitbandausbau. Die City-Carrier, Regional-Carrier und zunehmend auch Stadtwerke investieren in Glasfasertechnologie, nicht nur in Ballungsgebieten, sondern auch und gerade in ländlichen Gebieten. Es gibt eine ganze Reihe von innovativen Kooperationsmodellen. Denn die Herausforderung besteht darin, die Investitionskosten vor allen Dingen die Tiefbaukosten zu reduzieren und die Netzauslastung möglichst schnell zu optimieren."

Und noch eine überraschende Entwicklung zeigte sich in den Statistiken. Die Kabelnetzbetreiber konnten sich erstaunlich stark gegenüber den Kupfernetz-Betreibern positionieren. Grund: Sie liefern vergleichsweise hohe Bandbreiten und stießen so auf großes Kundeninteresse. Die hohen Bandbreiten jedoch lassen sich nur deswegen realisieren, weil die Kabelnetzbetreiber bereits verstärkt auf Glasfeser setzen, so Carsten Engelke vom Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber ANGA.

"Glasfaser ist ein dauerhaftes Thema bei den Kabelnetzbetreibern. Die Kabelnetzbetreiber machen einfach, reden aber nicht so viel darüber. Unsere Netze sind so aufgebaut, dass wir die Bandbreiten nur zu den Kunden tragen können, in dem wir die Glasfaser immer weiter in Richtung Endkunde treiben. Meistens in das Building, also das Wohnhaus beziehungsweise schon bis zum Endkunden. "

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk