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StartseiteKommentare und Themen der WocheÖkostromausbau allein wird den Klimawandel nicht stoppen12.08.2021

ExtremwetterÖkostromausbau allein wird den Klimawandel nicht stoppen

Von den Folgen des Klimawandels sind auch die Energieriesen betroffen: RWE etwa verzeichnet infolge von Extremwetter hohe Verluste. Es ist lobenswert, dass der Konzern mittlerweile auf Ökostrom und erneuerbare Energien setzt, findet Claudia Wehrle. Das allein wird aber nicht ausreichen.

Ein Kommentar von Claudia Wehrle

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Völlig zerstört ist diese Brücke über die Ahr in Ahrweiler nach der Flutkatastrophe (Luftaufnahme mit einer Drohne) (dpa / Boris Roessler)
Zerstörte Brücke in Ahrweiler nach der Flutkatastrophe – auch Firmen wie RWE sind von den Folgen betroffen (dpa / Boris Roessler)
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Die Hitzewelle in Südeuropa, Temperaturen dort von weit über 40, fast 50 Grad, große Waldbrände in Griechenland, Russland und in der Türkei. Und vor kurzem erst: Die starken Überflutungen in einigen Gebieten im Rheinland – ohne Frage, die Wetterextreme nehmen zu, auch hier bei uns direkt vor der eigenen Haustür. Es wird immer offensichtlicher: der Klimawandel schreitet voran, schneller als gedacht.

Zugegeben – so ganz unschuldig sind wir nicht an diesen Entwicklungen. Viele Fabriken haben lange Zeit CO2 in die Luft geschleudert ohne Rücksicht auf Verluste. Und sind wir mal ehrlich – kaum einer hat sich Gedanken darübergemacht, wie der Strom produziert worden ist, Hauptsache, der Strom kam aus der Steckdose.

RWE setzt auf sauberen Strom

Große Stromkonzerne wie EON und RWE haben mit dieser Art der Energieerzeugung auch richtig gut Kohle gemacht. Zum Glück ist die Energiewende beschlossene Sache. RWE – ein Konzern, der früher auf Atomstrom und auf die Energiegewinnung durch Kohle gesetzt hat, hat sich mittlerweile zum größten Ökostromproduzenten in Europa gewandelt, will das Geschäft auch weiter ausbauen, mit Milliardeninvestitionen. Und das ist auch gut so.

Feuerwehrleute bekämpfen einen Waldbrand in einem Waldgebiet nördlich von Athen.  (dpa / picture alliance / Angelos Tzortzinis) (dpa / picture alliance / Angelos Tzortzinis)Weltklimabericht des IPCC
Die Erderwärmung hat sich dem neuen Bericht des Weltklimarats IPCC zufolge stark beschleunigt und betrifft inzwischen alle Regionen der Erde. Bereits 2030 droht demnach droht ein Temperaturanstieg um 1,5 Grad – die Folgen könnten verheerend sein. Ein Überblick.

Die Ironie der Geschichte: Heute müssen RWE & Co das mit ausbaden, was sie viele Jahre lang selbst mit verursacht haben: Das ist der Klimawandel.

Hohe Verluste durch Extremwetter

Nehmen wir das Hochwasser im Rheinland. Durch die Wassermassen ist unter anderem der RWE-Braunkohletagebau Inden vollgelaufen. Der Schaden beträgt rund 35 Millionen Euro. Es lag meterhoch Schlamm im Tagebau. Der musste erst einmal entfernt und die Kraftwerke wieder auf Vordermann gebracht werden. Ein anderes Beispiel: die extreme Kälte zu Beginn des Jahres in Texas. Winterstürme tobten. Eisregen fiel vom Himmel. Die Windkraftanlagen von RWE sind deshalb zeitweise ausgefallen. Es konnte kein Strom produziert werden. Schlimmer noch: Strom wurde gebraucht. Und dieser Strom musste dann zu extrem hohen Preisen zugekauft werden. Für RWE bedeutete das Verluste von 400 Millionen Euro.


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Weniger produzieren kann mehr sein

Es ist sicherlich lobenswert, wenn große Energiekonzerne auf Ökostrom und erneuerbare Energien setzen. Wenn ein Energiekonzern so offen über Einbußen wegen der Klimakrise und wegen großer Unwetter spricht, sollte das eine Warnung an die gesamte Branche sein.

Letztendlich geht es darum, nachhaltig produzierte Energie für unsere Gesellschaft bereit zu stellen. Allein auf Ökostrom und erneuerbare Energien zu setzen, reicht aber nicht aus. Wir müssen uns vielmehr sehr genau überlegen, was wir produzieren wollen, und für was wir alles Energie brauchen. Weniger produzieren kann manchmal mehr sein.

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