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StartseiteForschung aktuellBesserer Schutz tut not27.11.2014

ExtremwetterereignisseBesserer Schutz tut not

Meteorologie. - Der Klimawandel soll die Zahl von sogenannten Extremwetterereignissen - Überschwemmungen, Hitzewellen, Stürme - in die Höhe treiben. Im Auftrag der britischen Royal Society hat jetzt ein Team von Forschern untersucht, wie die Menschheit solchen Ereignissen besser widerstehen kann. Der Report wird heute veröffentlicht. Die Vorsitzende der Arbeitsgruppe ist Georgina Mace, Professor für Biodiversität und Ökosysteme am University College in London. Sie erklärt den Bericht im Gespräch mit Monika Seynsche.

Georgina Mace im Gespräch mit Monika Seynsche

Weiterführende Information

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(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 16.09.2014)

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Meteorologie - Das Eis am Himmel

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(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 21.02.2014)

Monika Seynsche: Frau Professor Mace, welche Region wird Ihren Ergebnissen zufolge am stärksten von Extremwetterereignissen betroffen sein?

Georgina Mace: In diesem Report schauen wir uns verschiedene Arten von Extremwetterereignissen an: Überflutungen, Hitzewellen und Stürme. Und wir haben untersucht, wo Menschen am stärksten von diesen bedroht sind, indem wir Klimamodelle für die nächsten 100 Jahren mit solchen zur Entwicklung der Bevölkerung verglichen haben, also geschaut haben, wo in Zukunft mehr Menschen in Küstengebieten leben werden und dergleichen mehr. Die Risikogebiete variieren natürlich, je nachdem, ob man sich Überflutungen oder Dürren anschaut. In Südostasien und in Teilen Afrikas zum Beispiel wird sich das Risiko für Überflutungen besonders in solchen Regionen stark erhöhen, die gleichzeitig einen großen Bevölkerungszuwachs erwarten. Einige der Risiken durch Hitzewellen wiederum werden besonders Teile Nordwesteuropas treffen mit seiner alternden Bevölkerung. Ältere Menschen leiden besonders stark unter Hitzewellen. Es ist also eine Kombination von Veränderungen im Wetter, der Häufigkeit extremer Wetterereignisse und der Größe der gefährdeten Bevölkerungsgruppen.

Seynsche: Und was können Sie dagegen tun? Wie können Sie Gesellschaften widerstandsfähiger solchen Extremwetterereignissen gegenüber machen?

Kombination von technischen und ökosystembasierten Lösungen


Mace: Bislang wurde die Resilienz in erster Linie durch technische Lösungen erreicht wie den Bau von Staumauern, Deichen oder Wellenbrecherdämmen. Man hat also Ingenieurlösungen verwandt, um die Auswirkungen von Extremwetterereignissen abzumildern. Für Dürren und Hitzewellen sind solche technischen Lösungen Klimaanlagen, Veränderungen des Stadtdesigns und dergleichen mehr, und das sind alles sinnvolle Strategien. Worauf wir in unserem Report hinweisen ist, dass sich manchmal diese technischen Lösungen zwar als sehr effektiv erweisen, aber nur zu sehr hohen Kosten. Und dass sie Nebenwirkungen haben können auf andere Dinge, die den Menschen wichtig sind. Zum Beispiel kann der Bau von Deichen die Küstenstruktur verändern und die Möglichkeit zum Fischfang einschränken, oder Erholungsgebiete verkleinern. Deshalb empfehlen wir auch ökosystembasierte Lösungen zu berücksichtigen. Das sind Wege, die natürlichen Anpassungsstrategien zu nutzen, um Menschen zu schützen. Also etwa Salzmarschen, Feuchtgebiete im Küstenbereich, Mangrovenwälder. Solche natürlichen Strukturen können als Puffer wirken und so den Menschen im Hinterland schützen. Und gleichzeitig stellen sie noch andere Ressourcen zur Verfügung, wie Nahrung, Süßwasser, Kohlenstoffsenken. Und meist sieht es so aus, als wäre es gut, eine Kombination beider Lösungen zu haben, also sowohl Ingenieurlösungen als auch ökosystembasierte Lösungen, und sie in einer Art und Weise zu kombinieren, die im jeweiligen Zusammenhang sinnvoll ist.

Seynsche: Wenn wir uns jetzt zum Beispiel extreme Flutereignisse anschauen, wie könnte so eine Kombination von ökosystembasierten und technischen Ansätzen aussehen?

Mace: Sie könnten zum Beispiel ein Küstenfeuchtgebiet schützen und gleichzeitig das Land dahinter durch Deiche befestigen. Der Schutz des Feuchtgebietes wäre vollständig natürlich, sie hätten dort weiterhin Fische, intakte Nährstoffkreisläufe und eine natürliche Wasserregulierung. Aber wenn der Meeresspiegel ansteigt, werden die technisch geschützten Bereiche weiter landeinwärts ebenfalls Menschen schützen. Außerdem wären städtische Bereiche mit nachhaltigen Entwässerungssystemen denkbar, wo Waldgebiete, Bäume und Wiesen viel Regenwasser absorbieren können, Menschen vor Sturzfluten zu schützen. Es geht also um diese einzelne natürliche Systeme in einer Umgebung, in der sich viele Menschenleben.

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