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Exzellenz-UniversitätenGeld für wenige

Elf Universitäten und Universitätsverbünde dürfen künftig den begehrten Titel "Exzellenzuniversität" tragen. Sie dürfen sich über eine Millionen-Förderung freuen. Diese Strategie trägt zwar Früchte, beseitigt aber nicht die Missstände, die an deutschen Universitäten in der Breite vorhanden sind, meint Christiane Habermalz.

Von Christiane Habermalz

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Hauptgebäude der Universität Bonn. (imago stock&people)
Jetzt im erlauchten Kreis der Exzellenz-Universitäten: Die Rheinische Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn (imago stock&people)
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Nun ist es also geschafft. Es ist erst mal vorbei ist mit dem Dauerperformen und Schönreden, mit dem Konzepte schreiben und Hochglanzverpacken von wissenschaftlichen Projekten und Forschungsvorhaben. Die Erleichterung darüber dürfte sich selbst bei den Verlierer-Universitäten einstellen – aller Enttäuschung zum Trotz, dass es nicht geklappt hat mit der erhofften Exzellenz. Während bei den Siegern die Sektkorken knallen.

Euro-Millionen spalten die Universitätslandschaft

Aber hat sich am Ende all die Mühe gelohnt? Im überfüllten Hörsaal merke man wenig von all der Exzellenz, kritisieren Studierende, und der von der Politik mit Millionen von Fördergeldern eingeleitete Wettbewerb habe nur die Kluft zwischen Spitze und Breite vertieft, die Hochschulen eingeteilt in einige wenige Leuchttürme, die Spitzenforschung betreiben, und andere, die für die Brot- und Butter-Ausbildung der Studierenden zuständig sind.

Studentenvertreter sprechen von einem Zwei-Klassen-System – und die heutige Kür hat dem wenig entgegenzusetzen. Mit der Universität Dresden geht nur ein einziger der begehrten Exzellenz-Titel an eine Hochschule in den neuen Bundesländern, für die reichen Länder wie Baden-Württemberg oder Bayern zahlt sich aus, dass sie seit Jahrzehnten viel Geld in die Ausstattung ihrer Universitäten stecken: Wer hat, dem wird gegeben.

Immerhin ein Ansporn für die Universitäten

Dennoch war der vor 14 Jahren durch die Politik eingeleitete Exzellenz-Wettbewerb der richtige Weg. Auch wenn das ganze Exzellenzgeld kaum ausreicht, um ernsthaft mit der Weltspitze wie Harvard oder Cambridge zu konkurrieren, hat das deutsche Elite-Label im Ausland eine gewisse Strahlkraft erlangt. Mit der auf Dauer gestellten Förderung und damit der Aussicht, dass die Finanzierung von Forschungsprojekten nicht schon nach fünf Jahren abrupt abbrechen könnte, lassen sich internationale Spitzenforscher leichter überzeugen, nach Deutschland zu kommen. Und die Aussicht auf Fördermillionen jenseits der oft knapp bemessenen Grundfinanzierung hat auch die Universitäten angespornt, sich Gedanken um eigene Stärken und Strategien zu machen, die wenig Aussicht auf den Exzellenz-Titel haben.

57 geförderte Exzellenzcluster zeigen, dass die Spitzenförderung längst auch in die Breite geht. Grundsätzlich aber gilt: Eliteförderung geht nicht ohne Bestenauswahl. Wer regionale Wissenschaftsförderung betreiben will, und dafür gibt es viele gute Gründe, muss dies aus einem anderen Topf tun. Ohnehin ist der Einfluss der Politik auf die Entscheidung mit den Jahren immer größer geworden. Ginge es nur nach den Ministerpräsidenten, hätten wir längst 16 Exzellenz-Universitäten - also mehr Masse als Klasse. Dem gilt es vorzubauen. Eine Schwachpunkt der Exzellenz-Strategie aber bleibt: Gute Lehre, und auch das ist ein Qualitätsmerkmal von Hochschulen, bleibt wenig berücksichtigt. Dazu bräuchte es wohl erst einen Exzellenz-Wettbewerb Lehre. Wenn der ähnlich viel in Gang setzen würde, wie der Wettbewerb um exzellente Forschung, bräuchten die Studenten nicht mehr zu klagen.

Christiane Habermalz/Porträtfoto ((c) Deutschlandradio/Bettina Straub)Christiane Habermalz ((c) Deutschlandradio/Bettina Straub)Christiane Habermalz, geboren 1968, studierte Romanistik, Publizistik, Geschichte und Politik an der FU Berlin. Sie absolvierte ein Volontariat beim Deutschlandradio, verbrachte mehrere längere Aufenthalte in Lateinamerika, wo sie u.a. als Journalistin arbeitete. Heute ist sie als Korrespondentin für Kultur- und Bildungspolitik im Hauptstadtstudio des Deutschlandradios tätig. 

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