Donnerstag, 29.07.2021
 
Seit 07:30 Uhr Nachrichten
StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Notenbank hat sich lange genug Zeit gelassen14.07.2021

EZB prüft digitalen EuroDie Notenbank hat sich lange genug Zeit gelassen

Die Europäische Zentralbank hat den Start eines Pilotprojekts zum digitalen Euro beschlossen, der das Euro-Bargeld ergänzen soll. Es sei gut, dass die EZB nun endlich aktiv werde, kommentiert Brigitte Scholtes. Das digitale Notenbankgeld sei sicherer als private Währungen und risikolos wie Bargeld.

Ein Kommentar von Brigitte Scholtes

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
(Fotomontage) Eine Münze mit Eurozeichen auf einer Computertastatur und Binärcode (dpa / Bildagentur-online / Ohde)
(Fotomontage) Eine Münze mit Eurozeichen auf einer Computertastatur und Binärcode (dpa / Bildagentur-online / Ohde)
Mehr zum Thema

Bargeld, Karte oder App Langsamer Abschied von Scheinen und Münzen?

Inflation in Europa Warum steigen die Preise?

Virtuelles Geld Sind digitale Kryptowährungen wie Bitcoin die Zukunft?

IW-Direktor zur hohen Inflation "Wir werden eine Korrektur dieser Preiseffekte sehen"

Facebook und Co. sei Dank - die Europäische Zentralbank ist endlich aufgewacht und prüft nun ernsthaft die Einführung eines digitalen Euro. Denn wäre das soziale Netzwerk nicht mit seiner Idee vorgeprescht, selbst einmal eine Digitalwährung auszugeben, dann hätte sich die EZB wahrscheinlich noch nicht bewegt. Und das, obwohl auch andere Notenbanken, allen voran die chinesische, schon seit Jahren die Einführung einer Digitalwährung prüfen.

Doch die Vorstellung, dass Facebook und danach sicher auch andere Unternehmen wie Google oder Amazon eigene Währungen ausgeben, die hat den Währungshütern Beine gemacht. Denn allein Facebook könnte mit seinem Netzwerk zwei Milliarden Menschen weltweit erreichen und viele davon in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Menschen, die man mit den regulierten Währungen dann womöglich nicht mehr erreichen würde. Es würden Geldkreisläufe neben den staatlichen Währungen entstehen, die die Stabilität des Finanzsystems und der Preise gefährden könnten.

Denn es ist ja ureigenste Aufgabe der Notenbanken, dafür zu sorgen, dass die Preise einigermaßen stabil bleiben. Deshalb erhöhen oder senken sie die Zinsen und steuern den Geldkreislauf in der Wirtschaft. So versuchen sie, für die Unternehmen günstige Investitionsbedingungen zu schaffen, damit die Menschen Arbeit haben und die Preise eben nicht explodieren oder ins Bodenlose fallen.

  (Imago / photothek - Thomas Trutschel) (Imago / photothek - Thomas Trutschel)Sind digitale Kryptowährungen wie Bitcoin die Zukunft?
Inzwischen gibt es Tausende sogenannte Kryptowährungen. Bitcoin ist eine der bekanntesten, auf die auch Anleger ein Auge geworfen haben. Wie funktioniert dieses virtuelle Geld, wer kann von solchen Währungsalternativen profitieren? 

All das wäre ungleich mühsamer, wenn private, auf ihren eigenen Profit ausgerichtete Unternehmen sich ihre eigenen Währungen schaffen und zudem wohl auch den Datenschutz nicht so streng sehen würden wie die Zentralbanken. Denn wer mit Bargeld zahlt, bleibt anonym. Das muss auch beim digitalen Geld gewährleistet werden. Wenn da etwas schiefginge, müssten die Zentralbanken doch wieder eingreifen. Und das wäre eben schwieriger und würde wahrscheinlich noch viel mehr Steuergeld fordern, als das in der Vergangenheit bei Krisen schon nötig war.

Vieles zu bedenken für die Notenbank

Einen digitalen Euro einzuführen ist vor allem deshalb wichtig, weil ohnehin immer mehr bargeldlos bezahlt wird, auch wenn wir Deutschen immer noch zu 60 Prozent Scheine und Münzen auf den Tisch legen. Das digitale Notenbankgeld ist sicherer als private Währungen und risikolos wie Bargeld. Anders als etwa Bitcoin behält es seinen Wert. Beim Bitcoin schwankt er - und das massiv, wie man in den letzten Wochen und Monaten wieder beobachten konnte.

Sollte der digitale Euro eingeführt werden, werden die Bürger wahrscheinlich nur über eine begrenzte Zahl verfügen können. Genügend, damit sie damit digital bezahlen können, aber nicht so viel, dass sie plötzlich all ihre Gelder auf einen Schlag von den Geschäftsbanken abziehen könnten, wenn diese ins Straucheln kommen sollten. Denn das würde ebenfalls die Stabilität des Finanzsystems gefährden. Die Notenbank muss also vieles bedenken in den nächsten Jahren. Deshalb ist es gut, dass sie nun endlich aktiv wird. Sie hat sich schon lange genug Zeit gelassen.

Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes, Jahrgang 1958, studierte Wirtschaftsgeschichte und Anglistik in Aachen und Bonn mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. Sie arbeitete zunächst für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die damals auch Hörfunksendungen für das Privatradio RPR produzierte, wechselte dann zur Nachrichtenagentur Bloomberg Business News. Seit 1992 Partnerin im Redaktionsbüro Business Report, das 1998 die Wirtschaftskorrespondenz aus Frankfurt für Deutschlandradio übernommen hat. 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk