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StartseiteComputer und KommunikationAus drei mach eins02.02.2019

Facebook, WhatsApp, InstagramAus drei mach eins

Facebook, WhatsApp und Instagram: Einen der drei Dienste benutzt fast jeder. Jetzt hat der Mutterkonzern Facebook angekündigt, alle drei in einer Plattform zusammenzulegen. Das Netzwerk könnte damit an noch mehr Kontaktdaten herankommen, sagte Dlf-Experte Marcus Schuler.

Marcus Schuler im Gespräch mit Manfred Kloiber

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Social Media Apps auf einem Smartphone (imago/Simon Belcher)
WhatsApp, Instagram und Facebook gehören schon länger zusammen. Jetzt werden sie auch technisch vereint. (imago/Simon Belcher)
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Manfred Kloiber: Facebook hat angekündigt, seinen eigenen Messengerdienst mit den Diensten seiner Tochterunternehmen WhatsApp und Instagram zusammen zu legen? Was soll da entstehen?

Marcus Schuler: Geplant ist da wohl eine große gemeinsame Plattform. Kein neuer Superchat offenbar, der mit einer einzigen App bedient werden kann. Die Änderungen passieren im Hintergrund. WhatsApp, Instagram und Facebook Messenger sollen künftig auf einer gemeinsamen technischen Plattform betrieben werden. Dazu muss allerdings der ursprüngliche Programmiercode aller drei Anwendungen angefasst werden. Ein Insider sagt, dass diese Operation sehr komplex und aufwändig sei. Bis 2020 will man damit fertig sein.

Kloiber: Welche strategische Bedeutung hat dieser Schritt?

Schuler: Sie ist sehr bedeutend - und zwar in zwei Richtungen. Einmal könnte das Netzwerk damit an noch mehr Kontaktdaten herankommen, wenn es die Adressbücher seiner Nutzer aus allen drei Diensten ausliest und abgleicht. Zum anderen könnte man mit der Zusammenlegung, so das mögliche Kalkül, einer Zerschlagung durch die Politik zuvorkommen. Denn wenn erst einmal alle drei Dienste - zusammen kommen sie auf gut 3 Milliarden Nutzer weltweit - unter einem technischen Dach vereint sie, kann man sie vermutlich nur sehr viel schwerer wieder voneinander trennen.

"Facebook wappnet für ein Worst-Case-Scenario"

Kloiber: Facebook steht noch immer wegen der zahlreicher FakeNews-Vorfälle unter Dauerbeschuss, die WhatsApp-Übernahme hat nur Ärger, vor allem mit der EU-Kommission gebracht und gleichzeitig laufen Facebook als Plattform nicht mehr die User von selbst zu, die Zahlen stagnieren eher. Es gibt Aufrufe, Facebook zu zerschlagen. Können diese Schwierigkeiten tatsächlich zu einem existenziellen Problem für Facebook werden?

Schuler: Die Zahlen stagnieren nur in Europa. Hier hat das Unternehmen in den vergangenen sieben Monaten rund 2 Millionen Nutzer verloren. Weltweit kommt es aber auf 2.6 MILLIARDEN Nutzer. Zwei Millionen fallen, wenn man das salopp sagen darf, nicht weiter ins Gewicht. In den USA ist das Wachstum gering. In vielen anderen Ländern aber nach wie vor groß. Einzig Europa schwächelt. Facebook wappnet sich im Augenblick für ein Worst Case Scenario. Sollte sich die Politik in Washington zu einer Loslösung von Whatsapp oder Instagram entscheiden, was derzeit eher unwahrscheinlich ist, dürfte es dem Unternehmen mit seinen Milliardengewinnen, die es vor allem mit Facebook macht, immer noch sehr gut gehen.

Kloiber: Wie geht es dem Unternehmen tatsächlich, schaut man auf die Unternehmenszahlen?

Schuler: Im letzten gemeldeten Quartal hat Facebook rund 4.5 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Zwar sind die Margen deutlich geringer geworden, weil man viele tausend neue Mitarbeiter zur Abwehr von Fakenews einstellen musste, dennoch verdient der Konzern glänzend.

Mit dem Aufkauf von Konkurrenten ist Schluss

Kloiber: Bislang hat Facebook auf technologische Bedrohungen mit dem Aufkauf der bedrohlichen Konkurrenten reagiert. Trägt diese Strategie auch für die Zukunft noch?

Schuler: Nein, weil Facebook kaum mehr Konkurrenten aufkaufen dürfte, ohne sich hier ein Veto der Politik einzuhandeln. Zuckerberg muss erst mal mit seinen beiden zugekauften Diensten Whatsapp und Instagram die nächsten Jahre auskommen. Aber so wie es aussieht, ist es dort glänzend aufgestellt. Vor allem Instagram deckt sehr junge Zielgruppen ab, die es mit Facebook nicht erreicht.

Kloiber: Facebook macht seit einiger Zeit heftig Werbung, ist für die Presse ansprechbar, spendet Stipendien für Journalistenschulen oder finanziert Lehrstühle für Medien-Philosophie. Warum hat das das Unternehmen auf einmal nötig?

Angst vor politischer Regulierung

Schuler: Das stimmt. Geschäftsführerin Sheryl Sandberg war erst in der vorvergangenen Woche auf große Charme-Tour in Europa. Die Strategie scheint klar: Nach der russischen Wahleinmischung im Jahr 2016 sowie dem Cambridge Analytica Skandal will man zeigen, dass man gelernt hat. In der Tat ist Facebook im Vergleich zu den vergangenen Jahren da deutlich transparenter geworden. Man hat zugleich Angst vor einer Regulierung durch die Politik und fürchtet vor allem die Macht Washingtons aber eben auch von Brüssel.

Kloiber: Wie verhalten sich Konkurrenzunternehmen in dieser Situation? Mischen sich Google und Co. ein oder gucken die nur zu?

Schuler: Nach außen gibt sich Google zum Beispiel sehr ruhig. Aber auch dort geht die Regulierungsangst um. Das lässt sich deshalb belegen, weil Facebook und Google noch nie so viel Geld für Lobbyarbeit in Washington ausgegeben haben, wie im vergangenen Jahr. Bei Google waren es laut offizieller Zahlen, die die Unternehmen veröffentlichen müssen, im Jahr 2018 21 Millionen Dollar, bei Facebook 13 Millionen. Daran lässt sich erkennen: Bei den Tech-Unternehmen wird man nervös.

Kloiber: Die andauernde Kritik an Facebook und wie der Plattformbetreiber darauf reagiert - darüber sprach ich mit Marcus Schuler, vielen Dank!

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