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StartseiteCampus & KarriereDIHK: Realschulabsolventen ideal für duale Ausbildung05.10.2018

FachkräftemangelDIHK: Realschulabsolventen ideal für duale Ausbildung

Die deutsche Wirtschaft sucht händeringend nach Fachkräften und setzt dabei immer öfter auf Realschüler. Diesen Trend bestätigt Achim Dercks, Vize-Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Sie ließen sich gut in eine duale Ausbildung integrieren, sagte er im Dlf. Zudem hätten sie gute Aufstiegschancen.

Achim Dercks im Gespräch mit Jürgen Böhm

Albertville Realschule in Winnenden (imago stock&people)
Der ideale Realschulabsolvent sollte laut Achim Dercks Grundfähigkeiten im Rechnen, Schreib- und Lesefähigkeiten sowie Sozial- und Digitalkompetenz mitbringen (imago stock&people)
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Jürgen Böhm: Gerade die deutsche Wirtschaft sucht händeringend nach Fachkräften, und um diesen Bedarf abzudecken, brauchen die Industrieunternehmen im Land gut ausgebildete, motivierte junge Menschen. Wie bewerten die Unternehmen Ausbildungsreife der Schulabgänger, und welche Chancen eröffnen sich für Realschulabsolventen. Achim Dercks ist stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Schönen guten Tag, Herr Dercks!

Achim Dercks: Schönen guten Tag, Herr Böhm!

Böhm: Als ehemaliger Schulleiter einer Realschule, denke ich, dass die Absolventen genau dieses Bildungsweges genau der Fachkräftenachwuchs sind, den Sie doch suchen. Würden Sie das unterschreiben?

Das Porträt-Bild zeigt Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages auf einem offiziellen Foto des DIHK. (dpa / DIHK / Jens Schicke)Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (dpa / DIHK / Jens Schicke)Dercks: Ja, das ist in der Tat richtig. Die Realschulabsolventen sind sozusagen der klassische Nachwuchs für die duale Ausbildung, und auch heute noch sind ja rund 40 Prozent derjenigen, die von der Schule kommen, ungefähr mit Realschulabschluss, also von daher für die Betriebe ganz wichtig, denn sie sind auf der einen Seite nicht diejenigen, bei denen man sofort glaubt, dass sie nach der Ausbildung auch noch ein Studium unbedingt dranhängen und sind gleichzeitig aber mit einem guten Schulabschluss ausgestattet, also gehören nicht zu denen, bei denen man sehr große Hürden noch überwinden muss, um sie in eine duale Ausbildung zu integrieren oder sie dahinzuführen.

Grundfähigkeiten im Rechnen, Schreiben und Lesen wichtig

Böhm: Nennen Sie mir doch einfach mal drei Anforderungen, die für Sie der ideale Realschulabsolvent mitbringen sollte.

Dercks: Also er sollte auf jeden Fall Sozialkompetenzen mitbringen, also auf Menschen zugehen können. Für die Betriebe ist sozusagen dann doch immer noch als zweites, sind Grundfähigkeiten im Rechnen und Schreib- und Lesefähigkeiten ganz, ganz wichtig, und die dritte Säule: digitale Grundkompetenzen gehören heute auch in sehr, sehr vielen Berufen dazu. Das spiegeln uns die Unternehmen auch in ihren Rückmeldungen. Dabei geht es nicht darum, dass man irgendwie Software schreiben muss, aber dass man einen natürlichen Umgang mit den modernen Techniken pflegt und da auch in der Lage ist, sich im Arbeitsalltag mit zu befassen.

Böhm: Wo sehen Sie denn noch die Defizite bei Realschülerinnen und Realschulen?

Dercks: Zum einen gibt es sozusagen schulübergreifend immer wieder die Themen, die von Seiten der Unternehmen genannt werden, wie Motivation, auch Umgangsformen, Belastbarkeit, Teamfähigkeit, wo in unterschiedlichem Ausmaß auch Kritik formuliert wird. Das sind eher diese praktischen Themen, glaube ich, die da eine Rolle spielen. Insgesamt aber, glaube ich, redet man so wenig positiv wie negativ in der öffentlichen Diskussion über Realschüler, weil es eben relativ wenig Probleme gibt. Wir haben auf der einen Seite die schwachen Schüler von den Hauptschulen oder ganz ohne Abschluss. Was vielleicht ein Unterschied ist zu auch Abgängern von Gymnasien, die in die Berufsausbildung kommen, ist vielleicht so eine geringere internationale Ausrichtung, was bei vielen Exportunternehmen schon eine Rolle spielt, also erst mal sich traut, auch Englisch zu sprechen, dass man schon mal im Ausland einen Schüleraustausch gemacht hat. Also da gibt es durchaus mehr Erfahrung bei Abiturienten.

Böhm: Hängt natürlich auch damit zusammen, dass Abiturienten einfach auch zwei, drei Jahre Lebensalter mehr haben.

Dercks: Genau.

Immer mehr Firmen setzen auf Realschüler

Böhm: Vielleicht eine Frage noch: Sie sprechen sich ja sehr positiv aus über die Qualität und auch über die Aufstiegschancen von Realschülerinnen und Realschülern. Ist es auch so, dass die Unternehmen, die Personalabteilungen denn diesen Schülerinnen und Schülern auch entsprechende Chancen geben, um dort Karrieren und Berufe anzustreben, oder wird noch zu stark in Richtung Abiturienten geschielt? Also wir haben da auch andere Informationen.

Dercks: Ja, das ist sicherlich sehr unterschiedlich. Es gibt Unternehmen, die eigentlich schon seit vielen Jahren auf Abiturienten schielen, weil sie glauben, dass sie da am besten mit fahren, aber es gibt inzwischen auch sehr viele, die stärker andere Wege gehen, entweder, dass sie auf Realschüler setzen oder aber auch Richtung Studienabbrecher schauen, um da Azubis zu gewinnen. Das wird auch ein immer wichtigeres Thema. Wir haben gerade noch eine Umfrage veröffentlicht zum Thema Aufstiegsfortbildung, höhere Berufsbildung, das ist zum Beispiel auch ein wichtiges Argument und ein wichtiges Thema, genauso wie wir die Realschulbildung vielleicht stärker noch mal aufs Schild heben müssen, auch diesen Weg stärker bewerben und zumindest darüber informieren müssen, denn das zeigt ja zum Beispiel, dass man mit einem Realschulabschluss, eine anschließende berufliche Erstausbildung, dann durchaus weitere Perspektiven hat, als Bilanzbuchhalter, als Fachwirt, als Industriemeister, und damit, während man im Berufsleben ist und Geld verdient, berufsbegleitend eine Qualifikation erreichen kann, die einem Hochschulabschluss als Bachelor entspricht, und man muss eben nicht sozusagen den ganzen Tag im Hörsaal sitzen, was vielen auch gar nicht gefällt, sondern kann das verbinden mit einem guten Einkommen und einer praktischen Tätigkeit. Ich glaube, das sind auch Wege, um da gerade auch Realschülern zu zeigen, dass es da interessante Perspektiven gibt.

Böhm: Welche Anforderungen hat die Wirtschaft an Realschulabsolventen, darüber habe ich gesprochen mit Achim Dercks vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Vielen Dank, Herr Dercks!

Dercks: Gern geschehen, Wiederhören, Herr Böhm! Tschüss!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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