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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Wirtschaft braucht Planungssicherheit 17.08.2018

FachkräftezuwanderungsgesetzDie Wirtschaft braucht Planungssicherheit

Deutsche Betriebe suchen dringend Fachkräfte, auch aus dem Ausland. Mit dem Einwanderungsgesetz mache die Regierung dafür einen ersten Aufschlag, kommentiert Sina Fröhndrich und fordert zusätzlich den Spurwechsel. Für Flüchtlinge mit einem Arbeitsplatz müsse gelten: Bleiben statt Abschieben!

Von Sina Fröhndrich

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Ein Ausbilder für Metallbearbeitung unterhält sich am am 25.08.2016 in einem Bildungszentrum in Jena mit jungen Flüchtlingen aus Afghanistan  (Jens-Ulrich Koch, dpa-Zentralbild, dpa picture-alliance)
Arbeit integriert - und kann dafür sorgen, dass einigen die Angst vor den Fremden genommen wird, meint Sina Fröhndrich (Jens-Ulrich Koch, dpa-Zentralbild, dpa picture-alliance)
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Er war fleißig und zuverlässig - ein netter Kollege. Und dann musste er gehen. Nicht weil das Unternehmen ihn loswerden wollte, sondern weil Deutschland ihn loswerden wollte. Es gibt immer wieder Beispiele von Geflüchteten, die trotz Arbeitsplatz, trotz Integration abgeschoben werden. Die zurück in eine Heimat müssen, in der sie wieder bei null anfangen, in der sie mitunter in ständiger Angst leben. Zurück bleiben ein enttäuschter Arbeitgeber, der viel Zeit investiert hat, und eine leere Stelle.

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen fühlen sich durch solche Entscheidungen immer wieder vor den Kopf gestoßen - denn sie sind es, die in den vergangenen Jahren eine ausgeprägte Willkommenskultur gepflegt haben.

Bleiben statt Abschieben muss die Devise sein

Wenn also ein Betrieb einen Geflüchteten erfolgreich ausbildet: Warum soll dieser nicht auch die "Spur" wechseln können? Bleiben statt Abschieben, sollte hier die Devise sein. Auch wenn ein Asylantrag abgelehnt wird. Denn Arbeit integriert. Und ein Geflüchteter, der Fliesen legt, der Alte pflegt - der kann auch dafür sorgen, dass einigen die Angst vor dem Fremden genommen wird. Integration gelingt durch Arbeit. Das sollte die Politik anerkennen und auch belohnen. Deswegen muss der Vorschlag zum Spurwechsel sehr genau geprüft werden. Die Bundesregierung ist gut beraten, diese Idee auch beim nun angekündigten Einwanderungsgesetz einfließen zu lassen.

Es muss unbürokratischer werden

Dass dieses Regelwerk nun endlich, nach jahrelanger Diskussion, kommen soll - auch das wurde höchste Zeit. Denn: Es fehlen in vielen Bereichen Fachkräfte: 1,6 Millionen sind es dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag zufolge. Altenpfleger, Klempner, IT-Spezialisten. Es muss leichter werden, unbürokratischer, wenn sie nach Deutschland kommen wollen. Denn nur so haben Unternehmen hierzulande Planungssicherheit.

Besonders freuen dürften sich Firmen über den Wegfall der Vorrangprüfung. Ist eine Stelle zu besetzen, soll nicht mehr zwingend geprüft werden, ob nicht auch ein deutscher Bewerber in Frage kommt. Ein Einwanderungsgesetz kann aber womöglich noch etwas anderes leisten: Wenn Menschen aus wirtschaftlich schwachen Ländern eine Perspektive in Deutschland suchen, können sie den Weg über ein Einwanderungsgesetz wagen. Das wird nicht immer gelingen, ist dafür aber ungefährlich - verglichen mit der Route über das Mittelmeer. Ein Einwanderungsgesetz könnte also auch Fluchtursachen bekämpfen.

Die Politik hat beim Thema Einwanderungsgesetz den ersten Aufschlag gemacht - das ist gut. Die Details müssen noch geklärt werden. Und dann sind auch die Unternehmen gefragt. Wenn sie Fachkräfte haben wollen, müssen auch sie etwas dafür tun. Unterstützung leisten beim Deutschlernen, bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen. So wie es die kleinen Betriebe schon bei der Ausbildung von Geflüchteten vorgemacht haben - da kann sich manch großer Konzern sicher noch etwas abgucken.

Sina Fröhndrich, Jahrgang 1984, ist Redakteurin in der Abteilung "Wirtschaft und Gesellschaft". Sie ist aufgewachsen in Brandenburg und hat Alte Geschichte, Evangelische Theologie und Journalistik in Leipzig und Florenz studiert. Vor ihrem Volontariat beim Deutschlandradio hat sie beim Lokalradio der Universität Leipzig mephisto 97.6, MDR Info, MDR Sputnik und DRadio Wissen gearbeitet.

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