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StartseiteVerbrauchertippDie Vorteile von Riemen und Kette25.06.2019

FahrradantriebDie Vorteile von Riemen und Kette

Der Kettenantrieb am Fahrrad kann manchmal schon nerven: Springt die Kette unterwegs ab, holt man sich bei der Reparatur schmierige Finger. Seit einigen Jahren findet sich mit dem Riemenantrieb eine Alternative auf dem Markt. Der ist langlebiger, aber auch teurer.

Von Maike Strietholt

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Kettenantrieb mit Gangschaltung an einem Fahrrad. (picture alliance / dpa Themendienst)
Der Kettenantrieb beim Fahrrad ist etwas lauter als der Riemenantrieb und muss gut gepflegt werden, ist dabei aber deutlich günstiger (picture alliance / dpa Themendienst)
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Christoph Hoch, Inhaber des Hamburger Fahrradladens, steht in seiner Werkstatt neben einem zur Montage aufgebockten Damenrad:

"Ich bespreche mit den Kunden immer: Soll es Kettenantrieb oder soll es Riemenantrieb sein? Bei meinen Rädern geht das grundsätzlich immer beides, und deswegen haben alle Rahmen eine Möglichkeit, geöffnet zu werden. Da sind zwei Schrauben... Weil ich den Riemen ja irgendwie da reinkriegen muss - den kann man nicht teilen!"

Der "Riemen" besteht aus Kunststoff, ist etwas breiter als eine Fahrradkette und besitzt wellenförmige Auswölbungen, in die die Zahnscheiben - das Pendant zu den Kettenblättern - greifen. Christoph Hoch verkauft mittlerweile die Hälfte seiner selbst gebauten Räder mit Riemenantrieb. Er benennt die Vorteile:

"Wenn es gut montiert ist, läuft es ein bisschen leiser. Ich muss mich nie mehr mit der Pflege einer Kette rumnerven. Da kann man, wenn es schmutzig ist, mit einer Bürste einem Eimer Wasser dran - und dann ist das gut! Es verschleißt der Riemen irgendwann - allerdings hält er ein vielfaches länger als jede Kette: Gegenüber einem Standard-Kettenantrieb sollte es sollte wenigstens vier-, fünfmal länger halten."

Rahmen muss für den Riemenantrieb präzise gefertigt sein

Der Riemenantrieb ist aber auch deutlich teurer: Mit 250 Euro Zusatzkosten beim Fahrradneukauf oder Komplettaustausch des Antriebs muss man im Vergleich zu einem Kettenantrieb mindestens rechnen. Ein Riemen ist außerdem nur mit einem geschlossenen Schaltungssystem, also meist einer Nabenschaltung, kombinierbar. Unterm Strich rechnet sich diese Variante somit eher durch ihre Langlebigkeit - also deutlich seltenere Werkstattbesuche. Aber auch nur dann, wenn der Fahrradhersteller sauber gearbeitet hat. Was leider nicht immer der Fall ist. René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub, kurz ADFC:

"Weil der Riemen es überhaupt nicht mag, wenn er nicht hundertprozentig in der Flucht läuft, muss der Rahmen sehr präzise gefertigt sein. Sobald der ein bisschen nach links oder rechts abweicht, erhöht sich der Verschleiß enorm. Und so genau werden Fahrradrahmen normalerweise nicht gefertigt - das ist also ein ziemlicher Aufwand für die Hersteller."

Dem ADFC sind Fälle bekannt, in denen auch namhafte Fahrradhersteller anboten, nicht funktionierende Riemenantriebe auf Kettenantrieb umzurüsten. Es bleibt also zumindest beim Kauf aus industrieller Fertigung ein Restrisiko, weswegen Filippek kleinere Hersteller empfiehlt, die sich auf Riemenantriebe spezialisiert haben - so wie Christoph Hochs Eigenmarke Alto-Nabe oder die Berliner Firma Schindelhauer Bikes. Beide verbauen mit Carbonfasern verstärkte Riemen der Firma Gates, die auch Riemenantriebe für Industriemaschinen und Motorräder herstellt. Und viel mehr Auswahl gibt es auch gar nicht.

Eigenmontage beim Riemenantrieb schwierig

René Filippek vom ADFC: "Es gibt eigentlich nur zwei große Anbieter zur Zeit, das sind Gates und Continental. Da kann man auch grundsätzlich davon ausgehen, dass die vernünftiges Zeug machen. Es gibt Mountainbikes mit Riemenantrieb, Elektrofahrräder mit Riemenantrieb, Lastenräder... Wir wissen auch von Reiseradfahrern, die abertausende Kilometer damit gefahren sind."

Ein Negativaspekt für Reiseradler könnte die Reparatur sein: Während der Riemenantrieb in Deutschland inzwischen recht verbreitet ist, kann man sich im Ausland nicht unbedingt darauf verlassen, dass Fahrradgeschäfte die nötigen Ersatzteile bereithalten - noch einmal René Filippek:

"Ob man jetzt unbedingt auf eine Himalaya-Expedition mit Riemenantrieb gehen muss, sollte man sich schon gut überlegen. An einigen Ecken der Welt ist es sicherlich nicht so ganz einfach mit der Ersatzteilversorgung."

Und eine Eigenmontage ist beim Riemenantrieb aufgrund der benötigten exakten Riemenspannung wenig empfehlenswert.

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