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StartseiteWirtschaft und GesellschaftIn der Coronakrise steigt die Nachfrage nach Rädern10.06.2020

FahrradbrancheIn der Coronakrise steigt die Nachfrage nach Rädern

Das Rad wird in Coronazeiten immer beliebter, die Branche verzeichnet rasante Zuwächse. Doch aufgrund von Lieferengpässen müssen Kundinnen bis zu zwei Monate auf ihren Drahtesel warten. Auch die Städte stehen wegen der Zunahme des Radverkehrs unter Zugzwang, denn der Ausbau der Radwege hinkt hinterher.

Von Thomas Wagner

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Fahrradverkehr, Poppelsdorfer Allee, Bonn (dpa / Bildagentur-online / Schoening)
Urlaub zuhause - viele nehmen das zum Anlass für Radtouren (dpa / Bildagentur-online / Schoening)
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Es boomt in der Fahrradbranche. Beispiel: Das Unternehmen HP Velotechnik in Kriftel im Taunus. Unternehmenssprecher Alexander Krafft:

"Jetzt haben wir die beste Woche aller Zeiten gesehen. Wir sind als Manufaktur sehr direkt am Markt. Im Moment sind wir sehr glücklich. Das geht in Richtung 140 Prozent. Das ist sehr, sehr ordentlich."

Die Branche boomt

Und so sieht es landauf, landab in der Fahrradbranche aus: Händler und Hersteller melden bis zu 40 Prozent gestiegene Verkaufs- und Produktionszahlen. Der Grund: Viele Verkehrsteilnehmer, so hieß es heute in der digitalen Branchen-Pressekonferenz, trauen sich nicht mehr in öffentliche Verkehrsmittel und steigen aufs Fahrrad um. Andere wiederum scheuen Auslandsreisen und kaufen Fahrräder für den Radlerurlaub auf heimischen Radwegen. Die Branche boomt – doch das "heißt auf der anderen Seite auch: Wir sind bei Lieferzeiten im Moment, die in Richtung zwei Monate gehen, was wir eigentlich nicht so wollen, aber das ist im Moment nicht zu ändern. Was wir hinten raus brauchen an Teilen – also unser Einkauf ist im Moment auf Hochtouren am Rotieren."

Lieferketten sind unterbrochen

Dies nicht nur, weil die Hersteller mehr Teile für die mehr bestellte Fahrräder benötigen. Gerade der Markt für manche Teile bricht einfach weg; manche Lieferketten sind unterbrochen oder drohen, als Folge der Corona-Pandemie, unterbrochen zu werden.

DEU, Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Münster, 16.05.2020: Fahrradfahrer auf einem Fahrradweg. Radfahren auf der Wolbecker Straße, die Stadt Münster hebt Radwegebenutzungspflicht in einem Teilabschnitt auf, die Schilder Getrennter Geh- und Radweg werden entfernt. *** DEU, Germany, Nordrhein Westfalen, Münster, 16 05 2020 Cyclist on a cycle path Cycling on Wolbecker Straße, the city of Münster lifts the obligation to use a cycle path in one section, the signs Separate pedestrian and cycle path are removed (imago images / Rüdiger Wölk) (imago images / Rüdiger Wölk)Tipps zum Fahrradkauf - Ausprobieren vor dem Kaufen
In der Coronakrise wollen viele Menschen aufs Rad umzusteigen. Aber die Auswahl ist riesig. Was bei der Auswahl des passenden Fahrrads zu beachten ist.

Jörg Büsse ist Geschäftsführer der Bico GmbH, einem Marketingverband für rund 700 Fahrradhändler in Deutschland.

"Es fängt schon bei den Rohstoffen an. Dann wissen wir, dass das eine oder andere Schloss nicht mehr in China produziert werden kann, weil der Stahl nicht mehr beliefert wird. Das geht über die Fahrradrahmen weiter, die ja maßgeblich in Südostasien produziert werden. Die Lieferkette ist nachhaltig beeinträchtigt im Moment, weil sie eben schon teilweise bei der Rohstoffversorgung ins Stocken geriet."

Gleichwohl sind sich die Fachleute einig: Im Laufe dieses Coronajahres werden erheblich mehr Radlerinnen und Radler mit ihren Fahrrädern deutschlandweit unterwegs sein.

Vorbild Berlin: Bau neuer Radwege zeitlich vorgezogen

Nach Angaben des Zweiradindustrie-Verbandes waren in den Jahren vor Corona 76 Millionen Fahrräder in Betrieb; diese Zahl werde sich, sagen die Experten heute, deutlich erhöhen. Das Problem dabei ist nur: Die Radweg-Infrastruktur wächst nicht im selben Tempo mit. Hier habe vor allem Berlin vorbildlich gehandelt. Dort sei der Bau längst geplanter Radwege während der Coronakrise zeitlich vorgezogen worden. Doch, so Burkhard Storck, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs: Was den Berlinern recht ist, könne den Radlern im Rest der Republik eigentlich nur billig sein.

"Wir haben in vielen Städten Radverkehr. Wir haben ausreichend Geld. Es muss jetzt darum gehen, dass sich auch andere Städte schnell ihr Netz anschauen und sagen: Wir haben hier Stücke, die besonders schwierig sind, wo besonders viele Unfälle passieren. Und da können Städte ihr Netz schnell vervollständigen."

Um mehr Platz zu schaffen für die Vielzahl an Radlern in der Coronakrise.

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