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StartseiteWirtschaft und GesellschaftInitiativen gegen das Kükenschreddern18.04.2019

Faire Eier zu OsternInitiativen gegen das Kükenschreddern

Sinnloses Massensterben: In Deutschland werden rund 50 Millionen männliche Küken pro Jahr geschreddert oder durch Gas getötet. Der Grund: Für die Erzeuger sind sie wirtschaftlich uninteressant. Doch einige Unternehmen gehen nun einen anderen Weg - die Verbraucher haben die Wahl.

Von Karin Bensch

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Männliche Küken. (dpa )
Wer Eier mit dem Logo der "Initiative Bruderhahn" kauft, schützt männliche Küken davor, geschreddert zu werden (dpa )
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Die Bilder sind schwer zu ertragen. Flauschige, gelbe Küken sitzen eng gedrängt auf einem Fließband. Die weiblichen Tiere werden aussortiert, die männlichen Küken fallen hinunter – in einen Schredder. Ihre kleinen Körper werden zerstückelt. Allein in Deutschland werden rund 50 Millionen männliche Küken pro Jahr geschreddert oder durch Gas getötet, sagt Christiane Kunzel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen:

"Die männlichen Tiere dieser Legehennenrassen können keine Eier legen. Sie sind benachteiligt, denn sie setzen sehr langsam Fleisch an. Insofern sind die eigentlich wirtschaftlich uninteressant."

Bruderküken-Initiative tötet keine männlichen Tiere

Das Magazin "Ökotest" (Testergebnisse hier) hat 20 verschiedene Eiersorten getestet, die in Supermärkten, Discountern und Bioläden verkauft werden. Das Ergebnis ist erschreckend.

"Die große Mehrheit der Erzeuger tötet männliche Küken. Das gilt sowohl für konventionelle Eier, aber auch für Bio-Eier", sagt Christian Ippach von Ökotest: "Das ist ein wesentlicher Kritikpunkt, der bis auf vier Ausnahmen auf alle Eier zutrifft."

Für nur ein Fünftel der getesteten Eier wurden keine männlichen Küken getötet. Dazu gehören zum Beispiel die Bio-Eier von Alnatura. Auf den Verpackungen ist ein Siegel der Bruderküken-Initiative zu sehen. Doch was passiert mit den männlichen Tieren, die überleben? Sie werden aufgezogen und später, im Alter von drei bis fünf Monaten, geschlachtet. Aus dem Fleisch der jungen Hähne wird vor allem Hühnersuppe gemacht, sagt Volker Laengenfelder von Alnatura:

"Wir haben auch schon neue Produkte entwickelt, zum Beispiel ein Babygläschen mit Bruderhahnfleisch. Ganz neu sind die Geflügelbratwürste aus Bruderhahnfleisch."

Ein paar Cent mehr ändern einiges

Die Aufzucht der Brüderhähne wird über den Eierverkauf ihrer Legehennenschwestern mitfinanziert. Dadurch sind diese Eier teurer: Pro Stück etwa zwei bis vier Cent mehr. Solche Initiativen sind sinnvoll, denn viele Kunden machen sich mittlerweile Gedanken über das Tierwohl, sagt Christiane Kunzel von der Verbraucherzentrale. Noch besser seien die Zwei-Nutzungs-Hühner, alte Rassen, die langsam wieder kommen, sagt sie:

"Die alten Rassen haben den Vorteil, dass da tatsächlich die männlichen Tiere noch Fleisch ansetzen und die weiblichen Tiere die Eier legen. Nicht so viele wie die hochgezüchteten Tiere, also beide ein bisschen weniger, aber dadurch sind beide Tiere, sowohl das männliche und das weibliche Tier, zu nutzen."

Geschlechtsbestimmung bereits im Brüt-Ei

Das Unternehmen Rewe nutzt ein anderes Verfahren. Für die Eiersorte "Beste Wahl Spitz & Bube" aus Freilandhaltung werden keine geschlüpften Küken, sondern Kükenembryonen getötet. Bereits in einem frühen Stadium wird im Brutei das Geschlecht der Tiere bestimmt. Mithilfe von Lasertechnik wird ein Tropfen Flüssigkeit entnommen und farbig gekennzeichnet. Weiß bedeutet, im Ei befindet sich ein weibliches Küken. Blau signalisiert, es ist ein männliches Küken, erklärt Ludger Breloh, Geschäftsführer der Seleggt GmbH und Rewe-Manager am Telefon:

"Aus den männlichen Bruteiern machen wir Futtermittel, die weiblichen Bruteier gehen zurück in den Brutschrank, werden ausgebrütet. Und somit schlüpfen nur noch weibliche Küken."

Der Markt für Eier, für die keine geschlüpften Küken geschreddert werden, entsteht erst gerade. Noch ist das ganz klar eine Nische, sagt Christiane Kunzel von der Verbraucherzentrale NRW. Sie hofft aber, dass sich Initiativen wie die Bruderküken weiter durchsetzen - insbesondere im Biobereich. Tierwohl bekommt man aber nicht zum Nulltarif, der Kunde muss bereit sein, mehr Geld auszugeben, meint sie:

"Ich glaube, bei den Eiern ist das eine wirklich gute Sache, und da lohnt es sich die paar Cent mehr zu bezahlen."

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