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StartseiteInformationen am AbendDie Zahl der missbrauchten Kinder auf 34 erhöht14.03.2019

Fall LügdeDie Zahl der missbrauchten Kinder auf 34 erhöht

Der Polizeiskandal in den Ermittlungen zum Missbrauchsfall von Lügde weitet sich aus: NRW-Innenminister Herbert Reul hat im Innenausschuss des Landtags nun neue Details zum Fall bekannt gegeben. Demnach wurde die Zahl der missbrauchten Kinder auf 34 erhöht. Bei 14 weiteren bestehe der Verdacht.

Von Moritz Küpper

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Missbrauchsfall in Lügde: Polizeibeamte stehen auf dem Campingplatz Eichwald vor der Parzelle des mutmaßlichen Täters (dpa/Guido Kirchner)
Derzeit werten 24 IT-Spezialisten der Polizei 3,3 Millionen Bilddateien und gut 86.000 Videos aus (dpa/Guido Kirchner)
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Gegen den zeitweiligen Leiter der Ermittlungskommission im Missbrauchsfall von Lügde gibt es, das gab Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul, CDU, im Innenausschuss des Landestag bekannt, den Verdacht, in anderen Sexualstraffällen Beweise manipuliert zu haben. Dabei geht es zum einen um Strafvereitelung im Zusammenhang mit einer Sexualstraftat zum Nachteil einer erwachsenen Frau sowie den Verdacht des Siegelbruchs in drei weiteren Fällen. In diesen drei Fällen sind, wie im Fall des tausendfachen Kindesmissbrauchs auf dem Campingplatz von Lügde, wichtige Beweismittel verschwunden. Der Beamte, gegen den nun Strafanzeige gestellt wurde und der vom Dienst suspendiert sowie vorläufig entlassen ist, betreute auch jenen Polizeischüler, der die aus einem speziellen Asservatenraum verschwundenen 155 CDs und DVDs gesichtet habe, so NRW-Innenminister Reul, der zugleich aber vor voreiligen Schlussfolgerungen warnte:

"Wir haben jetzt die Faktenlage geklärt. Davon hat vor ein paar Wochen keiner eine Ahnung gehabt, dass da so ein Problem schlummert. Wir haben es offengelegt, wir haben die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet, mehr kann ich im Moment nicht sagen."

Für die Opposition im NRW-Landtag weite sich dieser Skandal dagegen immer weiter aus. Hartmut Ganzke, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion:

"Wer ein Drehbuch geschrieben hätte und das abgegeben hätte, dem wäre gesagt worden: Das ist so hanebüchen, das kannst Du nicht machen. Und deshalb: Es ist immer haarsträubender hier. Es ist nicht mehr nachvollziehbar."

34 Mädchen und 14 Jungen

Die Zahl der missbrauchten Kinder habe sich, so Reul, mittlerweile auf 34 erhöht. Bei weiteren 14 Kindern bestehe zudem der Verdacht, dass sie ebenfalls Opfer geworden sind. Insgesamt handelt es sich um 34 Mädchen und 14 Jungen. Die nun zuständige Polizei-Kommission in Bielefeld wertet aktuell 3,3 Millionen Bilddateien und gut 86.000 Videos aus. Damit sind zurzeit 24 IT-Spezialisten der Polizei beschäftigt. Bislang seien sieben Beschuldigte identifiziert, die drei Haupttatverdächtigen sitzen in Untersuchungshaft, doch angesichts der Fehler der Behörden, sieht SPD-Politiker Ganzke ein großes Risiko:

"Die große Gefahr, die ich auch persönlich sehe, ist, dass Täter irgendwann ungestraft davonkommen. Wenn das passiert, ist der Rechtsstaat erschüttert und das wäre das Schlimmste, was passieren kann."

Nach massiven Versäumnissen bei der Ermittlungsarbeit der zunächst zuständigen Kreispolizei Lippe sind laut Innenministerium drei führende Beamte versetzt worden. Gegen zwei weitere Polizisten laufen Strafverfahren, weil sie frühe Hinweise auf den Kindesmissbrauch nicht an die Staatsanwaltschaft Detmold weitergeleitet hätten. Daher ordnete NRW-Innenminister Reul nun auch eine umfassende Untersuchung der gesamten Kreispolizeibehörde in Lippe an. Verena Schäffer, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion im Landtag, sieht dagegen auch eine Verantwortung beim Innenminister:

"Ich finde es nicht nachvollziehbar, dass das Innenministerium die Ermittlungen nicht eher von Lippe auf Bielefeld übertragen hat. Und der Innenminister macht es sich aus meiner Sicht sehr leicht. Er sagt, dass Lippe nicht um Hilfe gerufen hätte."

Als zuständige Fachaufsicht, so Schäffer, habe das Ministerium schon Mitte Januar von mindestens 30 Opfern gewusst und dennoch erst drei Wochen später die Ermittlungen auf die Polizei in Bielefeld übertragen.

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