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StartseiteSport am Wochenende"Es gibt keinen Beweis für Pechsteins Blutanomalie"01.02.2015

Fall Pechstein"Es gibt keinen Beweis für Pechsteins Blutanomalie"

DOSB-Präsident Alfons Hörmann hat sich bei Claudia Pechstein entschuldigt. Auch Dopingforscher Werner Franke sagt im DLF: "Die damalige Sperre war völlig unberechtigt." Er sieht aber gleichzeitig auch keinen Beweis für die vermutete Blutanomalie.

Werner Franke im Gespräch mit Philipp May

Werner Franke, Molekularbiologe und Doping-Aufklärer, spricht in der Universität Freiburg zum Thema "Doping und Sportmedizin". (picture alliance / dpa / Patrick Seeger)
Werner Franke, Molekularbiologe und Doping-Aufklärer (picture alliance / dpa / Patrick Seeger)

"Ich habe von Anfang an gesagt, der schwache Hinweis ist kein Beweis und kein Nachweis. Die Sperre war völlig unberechtigt." Der Molekularbiologe wirft den Ermittlern eine unsaubere Untersuchung des Falles Pechstein vor: "Hätte man damals gleich sauber gearbeitet, hätte man unter Umständen etwas finden können. Denn der Eisschnelllauf in der DDR, aus der Pechstein ja kommt, war eine der versautesten Disziplinen überhaupt. Gerade bei Frauen gab es schwere Fälle."

Wenngleich Franke die Sperre unter den damaligen Gegebenheiten also für unberechtigt hält, sieht er trotzdem keinen "direkten Beweis" für eine Blutanomalie. Vielmehr könnte es auch andere Erklärungen für Pechsteins Blutwerte geben, von anderen Mutationen angefangen bis hin zu Doping. "Die häufigste in der Geschichte bewiesene Erklärung für diese Blutwerte ist Doping mit androgenen Steroiden. "

Die fünf Experten um Wolfgang Jelkmann, die jetzt das aktuelle Gutachten verfasst haben, das Pechstein entlastet, seien "keine Experten für Gene." Werner Franke wirft den Gutachtern zudem vor, die Fälle der beiden anderen Erfurter Eisschnelläuferinnen Heike Hartmann und Bente Kraus, die ähnlich hohe Blutwerte wie Pechstein aufwiesen, nicht mit bedacht zu haben.

Das Gespräch können Sie bis mindestens zum 1. August 2015 nachhören.

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