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StartseiteCorsoFan Fiction als Theaterperformance14.03.2019

"Fan Fic Festival" im Ballhaus Ost Fan Fiction als Theaterperformance

Mit Harry Potter ein paar Dementoren jagen, oder als Figur die Welt von "World of Warcraft" erkunden: Fan Fiction bezeichnet Werke von Fans, die Geschichten weitererzählen. Das Performance-Festival "Fan Fic Festival" bringt Fan Fiction auf die Bühne.

Von Christoph Möller

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"Tilletanten" - Fanperformer beim "Fan Fic Festival" Berlin / tilletanten2_(c)Thea Hoffmann-Axthelm
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In einem großen, hellen Raum mit Holzdielen stehen lebensgroße, schwarze Pappfiguren in Reih und Glied.

Kareth Schaffer: "Wir haben ein Corps de ballet sozusagen." Erklärt die Choreographin Kareth Schaffer, die zusammen mit ihrer Kollegin Cathy Walsh beim "Fan Fic Festival" die Tanzperformance "Merkel Dances" zeigt.

Kareth Schaffer: "Wir haben Berlusconi, und natürlich Putin und Macron. Und natürlich Kohl, und Schröder, und Seehofer."                      

Merkels starre Körperlichkeit 

Staatsmänner, die für Angela Merkel etwas bedeuten oder bedeutet haben. Die beiden Performerinnen umarmen die Figuren, schauen sie an, und stellen sie um. "Merkel Dances" untersucht die eher starre Körperlichkeit von Angela Merkel – ihre Bewegung und "Choreografie" sozusagen - und vergleicht sie mit anderen mächtigen Politikern.

Kareth Schaffer: "Wir sind Fans von ihrer Choreografie. Und das versuchen wir dann mit unseren Methoden noch mal aufzuarbeiten, vielleicht, dass ihre choreografischen Methoden noch einmal anders sichtbar werden in unserem Stück."                     

Das "Fan Fic Festival" im Ballhaus Ost zeigt neun Arbeiten zur Fan Fiction. Wo ein Film, eine Serie oder ein Buch aufhören, beginnt die Fantasie der Fans: Sie führen die Geschichte fiktiv fort. Das kann sich auch auf reale Personen beziehen. In einer Videoinstallation tut die Berliner Band "Locust Fudge" zum Beispiel so, als sei sie die amerikanische Synth-Punk-Gruppe "Suicide". Seit ihrer Auflösung 2016 gibt es die Band offiziell nicht mehr. Die Berliner Musiker spielen eigene Songs, tun aber so, als verkörperten sie ihre Vorbilder von Suicide.

Performance und Reflektion

Und in einer Eins-zu-eins-Performance können Fans herausfinden, was ihr Fantum über sie aussagt, in dem sie sich etwa die Kostüme ihrer Lieblingsfiguren anziehen. Beim "Fan Fic Festival" wird Fan Fiction nicht einfach nur abgebildet, sondern auch über das Phänomen reflektiert – ohne sich allerdings davon zu distanzieren, erklärt die Künstlerische Leiterin vom Ballhaus Ost, Tina Pfurr, die das Festival mit kuratiert hat: "Wir begeben uns da total auch rein. Alle, die sich damit beschäftigen, man guckt nicht auf Fans und beäugt die und denkt, das sind so dumme Fans von irgendwas, sondern man ist selber Fan. Man kann sich da gar nicht rausnehmen und will das auf jeden Fall auch gar nicht werten."          

Die Festivalmacherinnen und - macher bezeichnen das Phänomen "Fan Fiction" als "eines der umfassendsten partizipativen Schreibprojekte der Gegenwart", das Kinderbücher ebenso weiterschreibt wie Computerspiele, Blockbuster, Pornos oder Literatur. Und Fan Fiction ist immer auch selbst eine Performance, weil neue Figuren und Handlungen erst in einem Spiel entstehen. Insofern ergibt es Sinn, den performativen Charakter der Fan Fiction auch mal auf der Bühne zu reflektieren.

Fan Fiction als eigene Kunstform

Neun Performances und ein Diskussionsprogramm, in dem unter anderem spannende Fragen aufgeworfen werden wie: Wem gehören eigentlich die Urheberrechte an Fan Fiction? Das Programm wirkt ein bisschen wild zusammengewürfelt, was aber vielleicht auch ganz gut zur Fan Fiction passt. Nicht selten bildet Fan Fiction selbst die Basis für Phänomene aus der populären Kultur. Das Buch "Shades Of Grey" etwa war ursprünglich eine Fan Fiction inspiriert von den "Twilight"-Romanen. Tina Pfurr hofft, mit dem "Fan Fic Festival" auch ein wenig dafür zu sorgen, dass Fan Fiction als eigene Kunstform ernst genommen wird, und nicht nur als irgendein Netzphänomen.

Tina Pfurr: "Es steht ganz außer Frage, dass das eine eigene Qualität hat, weil es eben nicht nur banales Weiterschreiben ist von irgendwas, sondern man kann seiner Fantasie freien Lauf lassen und sich selber auch in Figuren weiterschreiben, die man sonst gar nicht wäre. Also, das eröffnet einen riesengroßen Fantasieraum und Möglichkeitsraum für einen selber."

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