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StartseiteSport am Wochenende"Der Konflikt wird an anderer Stelle noch mal aufbrechen"07.03.2020

Fanproteste"Der Konflikt wird an anderer Stelle noch mal aufbrechen"

Nach der Eskalation im Konflikt zwischen Fans und Deutschem Fußball-Bund haben sich die Wogen geglättet. Max-Jacob Ost vom Podcast Rasenfunk glaubt aber, dass der Streit um Kollektivstrafen wieder aufbrechen wird, wenn es keinen echten Dialog gibt.

Max-Jacob Ost im Gespräch mit Astrid Rawohl

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Banner im Mönchengladbach-Fanblock beim Spiel gegen Dortmund (Revierfoto/dpa)
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Kommentar Der DFB sendet ein katastrophales Zeichen

"Ich glaube, beide Seiten hatten es am letzten Wochenende auf eine Eskalation angelegt", sagt Max-Jacob Ost vom Fußballpodcast Rasenfunk: "Der DFB, der den Drei-Stufen-Plan - diese Möglichkeit, die einen Spielunter- und auch -abbruch erst ermöglicht - auch erweitert hat auf die Diskriminierung einer Einzelperson wie Dietmar Hopp. Und die Fans haben das aber natürlich auch ausgenutzt und für sich zu nutzen gewusst."

Für Ost haben beide Seiten die Reaktionen unterschätzt. "Ich glaube, beide Seiten wurden dann ein bisschen davon überrascht, welche Wellen das geschlagen hat. Und so ein bisschen in zwei Stufen: Ich glaube, direkt im Umfeld der Spiele standen die Ultras sehr schlecht da. Das hatte auch viel mit der Berichterstattung in den übertragenden Medien zu tun. Und je länger sich aber dann die Medienlandschaft und Öffentlichkeit mit dem Konflikt befasst hat, desto mehr hat dann auch der DFB so ein bisschen sein Fett wegbekommen. Die Hintergründe für die Beleidigung wurden mehr in den Vordergrund gestellt, und am Ende standen dann beide Seiten ganz schön unter Druck."

Dietmar Hopp, der Mäzen der TSG Hoffenheim (Uwe Anspach/dpa) (Uwe Anspach/dpa)Eskalation statt Kommunikation
Um Dietmar Hopp gehe es nur noch vordergründig, sagt Dlf-Sportredakteur Maximilian Rieger zum Konflikt zwischen Fans und Fußballfunktionären. Schiedsrichter hatten wegen Anfeindungen gegen Hopp mehrere Spiele unterbrochen. Das Ziel des DFB könnten kritikfreie Stadien sein.

Nachdem Bayern-Ultras Hoffenheims Dietmar Hopp mit Plakaten geschändet haben, wurde das Spiel unterbrochen, danach mit einem Nichtangriffspakt zuende gebracht, Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge FC Bayern München schaut mit Dietmar Hopp re die Schlussminuten vom Spielfeldrand aus an. (www.imago-images.de) (www.imago-images.de)Der DFB sendet ein katastrophales Zeichen
Das konsequente Durchgreifen des DFB in Zusammenhang mit den Schmähplakaten gegen Dietmar Hopp ist sehr verwunderlich, kommentiert Klaas Reese. Eine derartige Konsequenz hat der Verband bislang etwa bei Rassismus und Sexismus vermissen lassen.

Wichtigste Frage an den DFB dabei für Ost die Verhältnismäßigkeit zwischen Reaktionen auf Beleidigungen etwa gegen verschiedene Spieler und gegen Dietmar Hopp: "Warum wird auf einmal so hart durchgegriffen? Das ist noch so eine Frage, die schwebt über allem. Ja, das ist tatsächlich eine sehr schwierige Frage."

Nun habe es nur wenige Ausnahmen mit Beleidigungen und vor allem kreative Fan-Äußerungen gegeben. Etwa beim Spiel Mönchengladbach-Dortmund. "Allerdings hat man in der Fernsehübertragung davon fast gar nichts mitbekommen. Das ist wieder nur über Social Media zu sehen, für eine kleinere Öffentlichkeit", sagt Ost.

"DFB muss an die Frage der Kollektivstrafen ran"

Das Treffen des DFB mit Fanvertretern habe nun vor allem die Grenzen für das Verhalten im Stadion wieder definiert, meint Ost: "Unter diesem Aspekt kann man dieses Treffen sehen. Aber der eigentliche Grundkonflikt, an dem hat sich nichts verändert meiner Meinung nach." Problematisch findet Ost auch, dass einige wichtige Fanvertreter gar nicht erst eingeladen wurden.

Und schlussendlich drehe sich der Konflikt um eine große Thematik: "Die große Frage der Kollektivstrafen. Die wurde noch überhaupt nicht angerührt. Und ich glaube, das ist der springende Punkt. An den muss der DFB ran. Ansonsten wird sich dieser Konflikt an irgendeiner anderen Stelle - aufgehängt dann an einer anderen Person wahrscheinlich - noch mal aufbrechen."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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