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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Bundesliga schießt ein Eigentor04.09.2020

Fans in den StadienDie Bundesliga schießt ein Eigentor

Zum Bundesligaauftakt in zwei Wochen sollen in Leipzig 8.500 Zuschauer zugelassen werden. Dass sich die Vereine trotz des Beschlusses von Bund und Ländern, bis Ende Oktober eine einheitliche Lösung zu finden, hinter den Vorstoß aus Leipzig stellen, könnte für die Liga zum Eigentor werden, kommentiert Moritz Küpper.

Von Moritz Küpper

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Das Stadion von RB Leipzig vor dem Geisterspiel gegen Borussia Dortmund. (Kevin Voigt/Jan Huebner)
Im Stadion von RB Leipzig dürfen zum Saisonauftakt bis zu 8.500 Zuschauer die Partie gegen Mainz 05 verfolgen - in anderen Bundesländern gelten striktere Regeln (Kevin Voigt/Jan Huebner)
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Es war bemerkenswert, mit welcher Offenheit und Demut Christian Seifert, der Chef der Deutschen Fußball-Liga DFL, Ende April an die Öffentlichkeit trat: Man wolle nicht einfach nur irgendwie durch die Krise kommen und dann weitermachen wie bisher, so der DFL-Chef angesichts der massiven Kritik am Fußballgeschäft.

Der Vorwurf: Der Fußball habe mit seinen Milliardenumsätzen die Bodenhaftung verloren, beanspruche - trotz Coronakrise - eine Sonderbehandlungen wie beispielsweise eine frühzeitige Fortsetzung der Saison. Damals gab es grünes Licht für Geisterspiele - und Seifert sagte sinngemäß: Wir haben verstanden.

DFL lässt erkennen: gleicher Wettbewerb ist egal

Doch: Von diesen demütigen Worten scheint nun nur noch wenig übrig zu sein. Trotz einer Verabredung zwischen dem Bund und den Ländern, bis Ende Oktober eine bundesweit einheitliche Lösung zu finden, versammelt sich die Liga nun hinter einem Vorstoß aus Leipzig: Zum Bundesligaauftakt in zwei Wochen sollen dort 8.500 Zuschauer zugelassen werden.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Das ist ein riskanter, äußert kurzsichtiger Vorstoß. Denn die DFL lässt damit erkennen, dass ihr der gleiche Wettbewerb - eine Grundbedingung des Spiels - egal ist. Und: Sie provoziert damit auch die politischen Handlungsträger, die ohnehin unter Druck stehen.

Sportlich wertlose Saison? 

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder beispielsweise, der dies scharf kritisiert, fährt ohnehin einen strikten Coronakurs, will nun auch den Parteitag der CSU am Jahresende verschieben.

Und auch Armin Laschet, Nordrhein-Westfalens Regierungschef, der heute nochmal vor einer Wettbewerbszerrung warnte, hatte kürzlich dafür gesorgt, dass ein Konzert mit geplanten 13.000 Zuschauern in Düsseldorf nicht stattfinden konnte.

Der Grund: Es sei das falsche Zeichen. Dabei steht die Konzertbranche viel stärker unter Druck als die Fußballvereine, die immerhin noch TV-Gelder kassieren.

Armin Laschet, CDU-Landesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, mit Mund-Nase-Maske beim Auftakt zum Kommunalwahlkampf der CDU NRW am 17.08.2020 in Neuss (SVEN SIMON / dpa) (SVEN SIMON / dpa)Fans in den Stadien: Laschet fordert einheitliche Regeln für Bundesliga
RB Leipzig will am 1. Spieltag der Bundesliga 8500 Fans ins Stadion lassen. Die sächsische Coronaverordnung erlaubt das, eigentlich sollten aber bundeseinheitliche Regeln erarbeitet werden.

Mit dem Willen, nun eine Entscheidung zu bekommen oder notfalls über die Hintertür Leipzig diese zu erzwingen, könnte die Bundesliga also ein Eigentor geschossen haben.

Dann nämlich, wenn es wirklich zu einem Flickenteppich kommen würde und somit zu einer Saison, die – angesichts unterschiedlicher Bedingungen – sportlich bereits wertlos wäre, bevor sie überhaupt angepfiffen wurde.

Moritz Küpper (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Moritz Küpper (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Moritz Küpper, Jahrgang 1980, studierte Politik- und Kommunikationswissenschaften und Volkswirtschaftslehre in München und Washington, D.C. und besuchte die Deutsche Journalistenschule. Er promovierte an der Universität Bonn und arbeitete als Redakteur bei Capital, in der Online-Redaktion des Deutschlandradios sowie der Deutschlandfunk-Sportredaktion. Seit 2015 ist er als Deutschlandradio-Landeskorrespondent in Nordrhein-Westfalen tätig.

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