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StartseiteForum neuer Musik 2016Jüdische Spuren in rumänischer Musik und zwei besondere Frauen09.04.2016

Fazit zweiter FestivaltagJüdische Spuren in rumänischer Musik und zwei besondere Frauen

Vital, unverbraucht und ungewohnt klang der zweite Festivaltag im Konzert mit dem "Ansamblul Profil" aus, wo es jüdische Spuren in der neuen rumänischen Musik zu entdecken gab. Doch galt der Freitag auch zwei besonderen Frauen: der Musikwissenschaftlerin Edith Gerson-Kiwi und der Komponistin Brigitte Schiffer.

Von Frank Kämpfer

Ansamblul Profil mit Dirigent Dan dediu am Pult im Kammermusiksaal beim Konzert (Deuschlandradio/ Thomas Kujawinski)
Das Ansamblul Profil unter der Leitung von Dan Dediu haben am Freitagabend rumänische Neue Musik von Anatol Vieru und Myriam Marbe aufgefüht. (Deuschlandradio/ Thomas Kujawinski)

Erneut ein großes Erlebnis, aber in seiner Anmutung ganz anders: der zweite Abend des Forum2016. Im Zentrum: Neue Musik aus Rumänien. Auf der Bühne: ein Septett plus Dirigent. Das Ansamblul Profil aus dem Umfeld der berühmten Musikuniversität Bukarest, am Pult Dan Dediu. Die Klänge: vital, musikantisch, unverbraucht, ungewohnt deutlich, auf bemerkenswerte Weise beredt.

Anatol Vieru und Myriam Marbe waren in diesem Konzert zu entdecken, zwei im Westen kaum bekannte Vertreter der 'goldenen' Bukarester Generation. Aufhänger für das Konzertprojekt war die 75-jährige Wiederkehr des Pogroms von Jaşi – intendiert war die Suche nach jüdischen Spuren in der rumänischen Neue Musik.

Komponist und Musikwissenschaftler Thomas Beimel (l.) und Festivalleiter Frank Kämpfer (r.) bei der Lecture "Jüdische Spuren in Bukarest".Komponist und Musikwissenschaftler Thomas Beimel (l.) und Festivalleiter Frank Kämpfer (r.) bei der Lecture "Jüdische Spuren in Bukarest".

Es sei typisch und in der Geschichte begründet, dass es diese Spuren nur indirekt gibt, dass sie unkenntlich sind, und verborgen. Thomas Beimel, selbst Komponist, Schüler von Myriam Marbe, entwarf in seiner einführenden Lecture ein vielgestaltiges, widersprüchliches, an Nuancen reiches Bild der ideologisch-kulturellen Gemengelage im Bukarest der 1940er- bis 1990er-Jahre. Das wurde zudem durch eine von Beimel bestückte Vitrine mit Schallplatten und Dokumenten illustriert.

Das SonarQuartett aus Berlin spielte das Streichquarett von Brigitte Schiffer. (Deutschlandradio/ Thomas Kujawinski)Das SonarQuartett aus Berlin spielte das Streichquarett von Brigitte Schiffer. (Deutschlandradio/ Thomas Kujawinski)

Der zweite Veranstaltungsstrang galt zwei besonderen Frauen: Brigitte Schiffer (1909–1986) und Edith Gerson-Kiwi (1908–1992). Erstere, Komponistin und Musikjournalistin, emigrierte aus Deutschland nach Kairo, wo sie sich zwischenzeitlich erfolgreich für den Aufbau eines Musikerziehungswesens engagierte. Gerson-Kiwi emigrierte nach Jerusalem, wo sie die Musikethnologie aufbaute und in einem großen Phonogramm-Archiv Stimmen und Gesänge der jüdischen Einwanderer dokumentierte. Susanne Borchers vom Europäischen Zentrum für Jüdische Musik an der Musikhochschule Hannover umriss Persönlichkeit, Wirken und Nachlass der Ethnologin; von der Komponistin erklang ein bemerkenswertes Streichquartett, dargeboten vom Sonar Quartett aus Berlin.

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