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StartseiteKommentare und Themen der WocheSportlich vorbildlich, sonst aber nicht24.08.2020

FC BayernSportlich vorbildlich, sonst aber nicht

Der Champions-League-Sieg des FC Bayern sei sportlich absolut verdient, kommentiert Maximilian Rieger. Ansonsten habe sich der Club aber zuletzt nicht vorbildlich verhalten – unter anderem bei der Aufarbeitung von Vorwürfen gegen einen Trainer, der sich rassistisch und homophob verhalten haben soll.

Von Maximilian Rieger

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Der FC Bayern ist Champions-League-Sieger 2020. (Peter Schatz / Pool)
Das Sponsorengeld aus Katar nimmt der FC Bayern gerne, Kritik an der Menschenrechtslage hört man stattdessen nur von den Fans, kommentiert Maximilian Rieger. (Peter Schatz / Pool)
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"Man kann nicht versuchen, 200 Kilometer pro Stunde auf der Autobahn zu fahren, wenn man nur 100 schafft." Mit diesen Worten beschreibt Trainer Nico Kovac im Oktober 2019 den Kader des FC Bayern München – was zehn Monate später wie eine der größten Fehleinschätzungen in der Fußballgeschichte wirkt, scheint im Herbst vergangenen Jahres wahr zu sein. Bayern verliert kurz darauf 1 zu 5 in Frankfurt, der Club entlässt Kovac.

Sein Nachfolger heißt Hansi Flick und der schafft das, was ihm viele Fans und Experten nicht zugetraut haben: Die Bayern wieder auf 200 zu bringen. Flick formt ein Team, das als Einheit dem Ball hinterherjagt, aber den Einzelspielern genug Raum für kreative, offensive Lösungen gibt. So überrollen die Bayern die deutsche und internationale Konkurrenz. Mit elf Siegen in elf Spielen gelingt den Bayern als erstes Team eine perfekte Champions-League-Saison. Sie schießen durchschnittlich fast vier Tore, demontieren den FC Barcelona mit 8 zu 2. Kurz: Dass Kapitän Manuel Neuer gestern Abend den Pokal in Höhe strecken durfte, ist absolut verdient.

Zweifelhafter Umgang mit Neuers Gesang

Manuel Neuer steht aber auch sinnbildlich dafür, dass die sportliche Leistung vorbildlich sein kann – das Verhalten des Clubs insgesamt allerdings nicht.

Denn vor einem Monat hat Neuer im Kroatien-Urlaub ein Lied des faschistischen Sängers Thompson gesungen. In dem Song wird ein groß-kroatisches Reich besungen, das Lied ist in Kroatien beliebt. Es kann also sein, dass Neuer nicht gewusst hat, was er dort singt, obwohl er textsicher war. Das Problem ist, dass weder er noch der FC Bayern es für nötig halten, diesen Auftritt gerade zu rücken. Es sei ihm egal, was andere fordern, sagt Neuer zwei Wochen nach dem Video. Der Club habe ihn nicht darauf angesprochen, man habe eher den Kopf geschüttelt angesichts der Berichterstattung. Der FC Bayern scheint also kein Problem damit zu haben, wenn Neuer Lieder von Rechtsextremen singt – obwohl er Mannschaftskapitän ist.

Zaudern bei Vorwürfen gegen Jugendtrainer

Noch schlimmer sind die Vorwürfe gegen einen langjährigen Jugendtrainer des Vereins. Der soll junge Spieler diverse Male rassistisch und homophob beleidigt haben – Aussagen von anderen Trainern, Eltern und in internen Chat-Gruppen untermauern diesen Verdacht. Laut der WDR-Sendung Sport Inside wusste der Verein bereits seit zwei Jahren von den Vorwürfen – hat sich aber erst nach Bekanntwerden der Chat-Protokolle vom Trainer getrennt. In PR-Kampagnen versteht es der FC Bayern gut, sich gegen Rassismus einzusetzen – wenn es um konkrete Taten geht, zaudert der Club.

Das gilt auch für den Umgang mit Katar. Das Sponsorengeld aus dem autokratischen Land nimmt der Club gerne, Kritik an der Menschenrechtslage hört man stattdessen nur von den Fans.

Und das von einem Verein, den Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mal als "internationales Aushängeschild" gefeiert und heute für seine Fairness gewürdigt hat. Das war vorbildlich, meint Söder. Sportlich mag das stimmen. Für den Verein insgesamt aber nicht.

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