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StartseiteKommentare und Themen der WocheKeine One-Man-Show mehr, aber immer noch eine Männer-Show14.05.2021

FDP-BundesparteitagKeine One-Man-Show mehr, aber immer noch eine Männer-Show

Auf ihrem Bundesparteitag wirkt die FDP in einigen Bereichen ungewohnt progressiv, kommentiert Ann-Kathrin Büüsker. Die Liberalen machen sich damit auch für neue Zielgruppen interessant. Allerdings sind in der Parteispitze deutlich zu wenige Frauen vertreten - das ist nicht gerade divers.

Ein Kommentar von Ann-Kathrin Büüsker

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Christian Lindner, Fraktionsvorsitzender und Parteivorsitzender der FDP (M), verfolgt neben Volker Wissing, Generalsekretär der FDP (l), und Wolfgang Kubicki, stellvertretender FDP-Parteivorsitzender und Bundestagsvizepräsident beim Bundesparteitag der FDP die Debattenbeiträge. Der dreitägige Parteitag wird Coronabedingt ohne Delegierte vor Ort in digitaler Form durchgeführt. (picture alliance/dpa | Michael Kappeler)
Auf dem Bundesparteitag wurde die FDP-Spitze im Amt bestätigt (picture alliance/dpa | Michael Kappeler)
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One-Man-Show war gestern. Die FDP will als Team verstanden werden – und damit das auch wirklich klar wird, nutzte Christian Lindner eine knappe Viertelstunde seiner Redezeit, um sich bei zahlreichen Mitstreiterinnen und Mitstreitern zu bedanken, ihr Wirken hervorzuheben. Seine Partei dankte es ihm mit dem besten Wahlergebnis in Lindners Karriere als Vorsitzender: 93 Prozent. Auch das unterstreicht, wie geeint die Partei gerade dasteht, wie sehr sie vor Selbstbewusstsein strotzt.

Partei kann sich deutlich breiter aufstellen

Team statt One-Man-Show – das bedeutet auch, dass die Partei sich deutlich breiter aufstellen kann. Lindner übernimmt den Part Steuererhöhungen auszuschließen, Wolfgang Kubicki poltert ein bisschen an der Schwelle zum Populismus über die Pandemiepolitik, will Bürger statt Untertanen. Und Johannes Vogel, frisch zum stellvertretenden Vorsitzenden der Partei gewählt, hebt den Aspekt der Sozialpolitik hervor. Renten- und Arbeitsmarktpolitik und zwar beides zukunftsfähig, so sein Versprechen.

Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP, stellt den Entwurf des Bundestagswahlprogramms vor.  (dpa-Bildfunk / Bernd von Jutrczenka) (dpa-Bildfunk / Bernd von Jutrczenka)FDP-Wahlprogramm - Eine schlüssige Vision der Zukunft mit Haken
Die FDP will endlich wieder raus aus der Opposition. Ihr Wahlprogramm bietet eine schlüssige Vision für die Zukunft, kommentiert Hauptstadt-Korrespondentin Ann-Kathrin Büüsker. Doch die Vision bleibt immer gebunden an die Idee des schlanken Staats und an die Wirtschaft. Geht diese Rechnung auf?

Der Vorsitzende der Junge Liberalen spricht vom Aufstiegsversprechen, das ein Freiheitsversprechen sei und eben für jeden und jede anders aussehe – das nicht für jeden höher und schneller bedeuten müsse.

Die FDP präsentiert sich thematisch breit, dekliniert ihren Kernbegriff der Freiheit in den unterschiedlichen Themenfeldern durch und wirkt in einigen Bereichen ungewohnt progressiv. Muss sie ja auch, denn wer Zukunft gestalten will, wird das nicht mit Ideen von gestern können. Die Partei macht sich damit auch für neue Zielgruppen interessant. Wer sich breiter aufstellt, kann auch breiter überzeugen.

Frauen nur in der zweiten und dritten Reihe

Doch auch wenn die Freien Demokraten keine One-Man-Show mehr sind, eine Männer-Show sind sie noch immer. Es gibt sie, die kundigen Fachpolitikerinnen in der Fraktion und der Partei. Doch stehen sie nach wie vor eher in der zweiten und dritten Reihe.

Die Partei hat das auf dem Schirm, aber die Veränderungen gehen zu langsam. Denn wer Zukunft wirklich gut gestalten will, braucht dafür vielfältige Perspektiven, braucht Diversität. So wie es ist, kann es nicht bleiben – der Leitspruch des Wahlprogramms gilt auch für die Partei selbst - und da bleibt noch einiges zu tun.

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