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StartseiteKalenderblattDie mächtigste Notenbank der Welt23.12.2013

FEDDie mächtigste Notenbank der Welt

Vor 100 Jahren wurde das amerikanische Federal Reserve System (FED) gegründet. Viele ihrer Chefs gelten als legendär. Die Anteile der FED halten aber private Geschäftsbanken. Auch deshalb gab es schon zur Gründung prominente Kritiker.

Von Caspar Dohmen

Außenansicht des Gebäudes der US-Notenbak in Washington (picture alliance / dpa / EPA / Jim Lo Scalzo)
Das Gebäude der US-Notenbank in Washington: Hier werden zentrale Entscheidungen getroffen (picture alliance / dpa / EPA / Jim Lo Scalzo)
Weiterführende Information

US-Notenbank Fed - Die geldpolitische Wende (Deutschlandfunk, Kommentar, 19.12.2013)

Zentralbanken - Geld-Alchemisten der Weltpolitik (Deutschlandfunk, Andruck, 18.11.2013)

Die US-Notenbank gehört zu den wichtigsten wirtschaftlichen Institutionen. Denn sie entscheidet über die Geldpolitik der mächtigsten Volkswirtschaft der Welt. Viele ihrer Chefs gelten als legendär, wie Alan Greenspan, der gleich unter vier Präsidenten das sogenannte Federal Reserve System führte, ein komplexes Gebilde aus Gremien und zwölf regionalen Zentralbanken, kurz FED. Anders, als die Europäische Zentralbank oder die Deutsche Bundesbank ist die US-Notenbank aber keine öffentliche Einrichtung. Die Anteile halten vielmehr private Geschäftsbanken. Die Regierung jedoch legt die Zuständigkeiten der Notenbank fest und wählt das Leitungsgremium aus. Diese Konstruktion gilt seit dem 23. Dezember 1913. An diesem Tag unterzeichnete US-Präsident Woodrow Wilson nach der Zustimmung des Parlaments das Gesetz zur Gründung einer Notenbank.

Barack Obama: "But I also want annouced my choice for next chair at the federal reserve where the nation formost econmist policy makers that current Vice-Chairman Janet Yellen."

Als US-Präsident Barack Obama Anfang Oktober Janet Yellen als nächste FED-Chefin nominierte, knallten bei den Börsianern die Sektkorken. Denn die Topökonomin gilt als Befürworterin einer lockeren Geldpolitik, von der die Finanzmärkte profitieren würden. Notenbanken sind mächtig, weil sie für die Geldmenge zuständig sind. Und Geld ist das Schmiermittel der Wirtschaft. Bereits bei der Gründung der ersten Zentralbank, Anfang des 19. Jahrhunderts, hatten sich in den USA die Befürworter einer Notenbank in privater Hand durchgesetzt. Dabei gab es prominente Gegner. So schrieb Thomas Jefferson, der dritte Präsident der Vereinigten Staaten und Mitverfasser der Unabhängigkeitserklärung.

"Ich glaube, Bankinstitutionen sind gefährlicher als stehende Armeen!

Wenn das amerikanische Volk es den Privatbanken je erlaubt, die Ausgabe ihres Geldes zu kontrollieren, zuerst durch Inflation, dann durch Deflation, dann werden die Banken und Konzerne, die um diese Banken heranwachsen, den Menschen ihren ganzen Besitz wegnehmen, bis ihre Kinder obdachlos aufwachen, auf dem Kontinent, den ihre Vorväter erobert haben."

Gefährliche Verquickung von privaten und öffentlichen Angelegenheiten

Der Gründer der ersten Zentralbank, Robert Morris, führte gleichzeitig die private Zentralbank und war als Finanzkommissar an der Regierung beteiligt - eine gefährliche Verquickung von privaten und öffentlichen Angelegenheiten. 1811 erhielt die Bank keine neue Lizenz mehr. Einer zweiten Zentralbank in privater Hand war eine noch kürzere Lebenszeit beschieden.

Der Unabhängigkeitskrieg machte den Befürwortern einer staatlichen Zentralbank einen Strich durch die Rechnung. Die Regierung benötigte Geld für den Krieg gegen die abtrünnigen Südstaaten. Dafür gab sie Anleihen aus. Bei deren Vertrieb war die Politik auf private Banken angewiesen. Deren Lobbyisten erreichten als Gegenleistung große Freiheit für ihre eigenen Geschäfte. Der Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson schreibt über den Finanzmarkt, der sich nun entwickelte:

"Ein Experimentierfeld für vollkommen uneingeschränkte Bankgeschäfte."

Es kam zu etlichen Finanzkrisen und Bankpleiten. Darauf ergriffen einige mächtige Bankiers die Initiative für die Schaffung des heutigen Federal Reserve Systems. Sie trafen sich 1910 geheim auf dem Landsitz von J. P. Morgan auf Jekyll Island. Finanzjournalist Norbert Häring schreibt in seinem Buch "Markt und Macht":

"Die Grundidee war, den Geldschöpfungsprozess geordneter ablaufen zu lassen und eine Institution mit tiefen Taschen zu haben, die die Banken heraushauen konnte."

Dieser Aufgabe ist die US-Notenbank zuletzt in der jüngsten Finanzkrise gerecht geworden. Hier geriet die FED aber auch mehrfach in die Kritik. 2009 musste sogar Stephen Friedman zurücktreten. Als Aufsichtsratschef der für die Wall Street zuständigen Federal Reserve Bank von New York war er mitverantwortlich für die riesigen Finanzhilfen für die Investmentbanken nach der Pleite von Lehman Brothers gewesen. Gleichzeitig war er Aufsichtsrat bei der nutznießenden Investmentbank Goldman Sachs.

Strittig ist auch die Geheimhaltungspraxis bei der FED, die Stoff für diverse Verschwörungstheorien geliefert hat. Allerdings erlitten die Notenbanker kürzlich eine Niederlage. Das oberste US-Gericht entschied, dass die Zentralbank die Informationen über die Notfallkredite für Banken während der Finanzkrise veröffentlichen müsse. Die FED hatte sich geweigert und darauf berufen, dass sie eine private Institution sei.

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