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StartseiteKultur heuteSuaheli statt Englisch06.11.2019

Festival "Stimmen Afrikas"Suaheli statt Englisch

Obwohl der afrikanische Kontinent reich an Sprachen ist, veröffentlichen viele Autorinnen und Autoren in den Sprachen der ehemaligen Kolonialmächte. Dadurch gehe eine große Vielfalt verloren, sagt die Gründerin des Kölner Literaturfestivals "Stimmen Afrikas", Christa Morgenrath - und steuert dagegen.

Christa Morgenrath im Gespräch mit Antje Allroggen

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 Die nigerianische Verlegerin Bibi Bakare-Yusuf ist die Kuratorin des Kölner Literaturfestivals "Stimmen Afrikas"  (Foto: Ostyn Aimz)
Die nigerianische Verlegerin Bibi Bakare-Yusuf ist die Kuratorin des Kölner Literaturfestivals "Stimmen Afrikas" (Foto: Ostyn Aimz)

Vier Tage lang wird in Köln das zehnjährige Bestehen der Literatur- und Bildungsreihe "Stimmen Afrikas" gefeiert. Zu Gast sind über 40 Autorinnen und Autoren, Übersetzer und andere Vertreterinnen der Kulturzene aus 15 Ländern Afrikas und der afrikanischen Diaspora. Die Schirmherrschaft haben der Schriftsteller Navid Kermani und die Schauspielerin Dennesch Zoudé übernommen. Die nigerianische Verlegerin Bibi Bakare-Yusuf kuratiert das Programm .

Christa Morgenrath hat die "Stimmen Afrikas" vor zehn Jahren ins Leben gerufen - als Plattform für afrikanische Autoren. Das Festival wolle auf den Sprachenreichtum Afrikas aufmerksam machen, sagte sie im Deutschlandfunk: Über 2000 Sprachen würden auf dem Kontinent gesprochen, die Kolonialmächte hätten diese aber auf eine handvoll europäischer Sprachen reduziert, so Morgenrath. 

Schriftsteller als Sprachen-Retter

Die Festival-Leiterin sieht darin ein großes Problem - nicht nur für Schriftstellerinnen und Schriftsteller, sondern für die Menschen insgesamt, die von ihren Muttersprachen abgeschnitten würden: "Eine Sprache ist nicht nur etwas Technisches, sondern auch eine Sicht auf die Welt, ein Kulturträger, ein Ausdruck von Gefühlen und Visionen."

Aber das Bewusstsein für die afrikanische Sprachenvielfalt wachse, so Morgenrath in "Kultur heute". Afrikanerinnen und Afrikaner seien besorgt und versuchten, das Sprachensterben zu stoppen. Literaten seien in diesem Zusammenhang wichtige Sprachrohre. Gerade junge afrikanische Schriftstellerinnen und Schriftsteller versuchten, sich der eigenen Muttersprache wieder anzunähern. Als Beispiel nannte Morgenrath die kenianische Schriftstellerin Okwiri Oduor, die derzeit in Bayreuth studiert und begonnen hat, auf Suaheli zu schreiben. Ihr nächster Roman erscheine dennoch auf Englisch.

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