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StartseiteEuropa heute365 Tage Weihnachten am Polarkreis24.12.2015

Festlich in Finnland365 Tage Weihnachten am Polarkreis

In Finnland ist man dem Weihnachtsmann ganz nah. Zumindest sehen das viele Touristen aus Russland und Asien so. Wer sich im Weihnachtsmanndorf mit dem Weihnachtsmann fotografieren lassen möchte, muss allerdings mindestens 15 Euro bezahlen. Aber der Weihnachtsmann braucht das Geld, er war im Sommer schon fast pleite.

Von Björn Dake

Ein echtes, weißes Rentier vor einem Schlitten im Weihnachtsmanndorf (Deutschlandradio / Björn Dake)
Ein echtes, weißes Rentier vor einem Schlitten im Weihnachtsmanndorf (Deutschlandradio / Björn Dake)
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Der Weg zum Weihnachtsmann führt durch den Schnee über den Polarkreis. Er verläuft genau hier, durch das Santa Claus Village im finnischen Rovaniemi. Die Bäume ringsherum sind verschneit. Am Horizont geht die Sonne auf. Hinter einer schweren Holztür geht es in eine dunkle Höhle. Neonlichter blinken und blitzen. Unter der Decke surrt ein Zahnrad aus Holz. Damit kann der Weihnachtsmann die Erdrotation anhalten. Damit er allen Kindern der Welt am 24. Dezember die Geschenke bringen kann. Noch ein paar Stufen hoch, vorbei an der Bildergalerie berühmter Besucher, um eine Ecke.

"Frohe Weihnachten", ruft ein freundlicher Herr mit Rauschebart. Um ihn, den Weihnachtsmann, dreht sich hier alles. Das ganze Jahr. Wird das auf Dauer nicht langweilig? "Nein! das ist immer schön...so viele unterschiedliche Länder...strahlende Augen, Lachen...das ist unglaublich." Unglaublich ist auch, was der Weihnachtsmann von seinen 350-tausend Besuchern alles mitbekommt. Wirtschaftskrisen und Weltpolitik sind auch in seinem Büro am Polarkreis zu spüren: "Dieses Jahr werden wir nicht viele russische Besucher haben...das ist Welt."

Postmitarbeiterin Riita zeigt volle Kisten mit Post für den Weihnachtsmann (Deutschlandradio / Björn Dake)Postmitarbeiterin Riita zeigt volle Kisten mit Post für den Weihnachtsmann (Deutschlandradio / Björn Dake)

Im Blockhaus nebenan stempelt Riita Postkarten. Sie ist bei der finnischen Post angestellt. Ihr Postamt sieht aber eher aus wie ein Souvenirladen. Riita trägt eine rote Tracht mit grüner Schürze. Über ihre langen blonden Haare hat sie eine Zipfelmütze gezogen. Die Besucher des Weihnachtsmanndorfes können hier Post nach Hause schicken. Und Briefe an den finnischen Joulupukki kommen hier an – mehr als eine halbe Million im Jahr.

Riita erzählt: "Wir geben unser bestes, um einige zu lesen, aber es sind so viele. Die sind schon echt persönlich. Zum Beispiel hat eine Italienerin geschrieben, dass ihr Kind sehr krank ist und sie sich etwas wünscht. Das hat mich schon ziemlich bewegt."

Seit zwei Jahren kommen die meisten Briefe aus China – auch an diesem Morgen kommen die meisten Besucher im Weihnachtsmanndorf aus Asien. Die Kälte, der Schnee, Husky-Rennen, Motorschlittenfahren - das begeistert die Besucher aus Hongkong, Japan, Großbritannien. Nachdem kaum noch Russen kommen, wird Asien zum wichtigsten Markt. Chinesen und Japaner kommen wegen Santa und wegen der Natur, sagt Sanna von Visit Rovaniemi: "Die reine Natur, kaltes klares Wasser, frische Luft, die Möglichkeit Sterne zu sehen, das Nordlicht, die Mittsommernachtssonne, solche Phänomene. Da können wir uns weiter entwickeln."

Das beleuchtete Weihnachtsmanndorf (Deutschlandradio / Björn Dake)Das beleuchtete Weihnachtsmanndorf (Deutschlandradio / Björn Dake)

Der Tourismus wird für die Wirtschaft am Polarkreis immer wichtiger. Nicht alle können da mithalten. Im August gingen Schlagzeilen um die Welt: "Der Weihnachtsmann ist pleite". Mintu aus dem Weihnachtsmannbüro kann das erklären: "Die Firma hinter dem Weihnachtsbüro hatte ein paar finanzielle Probleme. Es war kein Bankrott, aber kurz davor. Dann kam aber der Tourveranstalter Lappland-Safari und hat uns gerettet."

Auch Mintu trägt eine rote Mütze. Sie ist eine der Helferinnen des Weihnachtsmanns. Ihn zu sehen ist kostenlos. Doch ein Foto mit ihm kostet. Mindestens 15 Euro. Das finanziert den Freizeitpark am Polarkreis, genau wie die tausende verschiedenen Souvenirs von Trollen aus Holz bis zum Plüsch-Rentier. Hier weihnachtet es sehr.

Mintu sagt: "Wenn wir Weihnachten schließen, dann geht's abends nach Hause zur Familie. Es gibt ein großes Essen – das ist nett, das ist immer noch Weihnachten. Aber Dekoration oder Weihnachtsmusik habe ich nicht zu Hause." Heiligabend ist das Weihnachtsmanndorf zu, aber ab dem 25. heißt es dann wieder ein Jahr lang: Frohe Weihnachten!

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