Kommentare und Themen der Woche 04.01.2020

Feuer in AustralienDie Regierung wirkt als BrandbeschleunigerVon Georg Ehring

Beitrag hören Der australische Premierminister Scott Morrison steht auf verbranntem Boden. Im Hintergrund sind durch den Brand leicht beschädigte Bäume zu sehen. (www.imago-images.de)Der australische Premierminister Scott Morrison hat viele Orte besucht, die von den Bränden betroffen sind. Seine Politik ändert er nicht. (www.imago-images.de)

Der australische Premierminister Scott Morrison setzt trotz des Feuerinfernos in seinem Land weiter auf Kohle. Damit ruiniere er nicht nur das Klima, sondern auch die Wirtschaft in seinem Land, kommentiert Georg Ehring. Statt sicherer Arbeitsplätze gebe es am Ende nur teure Investitionsruinen.

Es klingt fast harmlos: Buschbrände heißen die Feuer oft in den Nachrichten aus Australien. Dabei brennen riesige Waldgebiete und nicht nur sie. Das Feuer bleibt nicht im Wald, es dringt in Siedlungen vor, es ist oft schneller als Menschen rennen können. Ganze Regionen müssen evakuiert werden – manchmal sogar vom Meer aus, weil alle Straßenverbindungen abgeschnitten sind. Mindestens 17 Menschen sind bereits gestorben, weitere werden vermisst. Geschäfte und Tankstellen sind leergekauft, Telefone funktionieren nicht mehr. Feuer und Rauch schaffen sogar ihr eigenes Wetter. Sie erzeugen Gewitter, es entstehen Blitze, die entzünden wieder neue Brände - und der australische Sommer ist noch lang. Es ist ein Bild der Zerstörung, das sich vor den Augen der Welt abspielt – so ungefähr stellt man sich die Apokalypse vor.

Gewiss, Feuer gehört zur Natur, zumal im trockenen Australien. Doch die Dimension ist gewaltig und genau das ist neu – allein in der Provinz New South Wales sind Gebiete von der Größe Belgiens verbrannt. Hinter der neuen Dimension der Katastrophe steckt die menschengemachte Erderwärmung. Mehr Hitze, weniger Regen und Trockenheit speziell im Winter bereiten den Boden. Im Sommer genügt dann ein Blitz oder eine weggeworfene Zigarette und das Feuer ist da.

Australien ist eine Warnung an die Welt

Was das Ausmaß der Zerstörung angeht, ist Australien der Vorreiter. Die Erwärmung dagegen findet weltweit statt, mehr und schlimmere Waldbrände gibt es dementsprechend nicht nur auf dem trockensten Kontinent. Auch anderswo brennt es immer häufiger, selbst bei uns in Deutschland. Feuer breiten sich in Regionen aus, wo sie früher selten waren, etwa am Polarkreis in Sibirien und Alaska sowie in Skandinavien. Hinzu kommt die Abholzung der Regenwälder am Amazonas, sie kann das Klima dort in Richtung Trockenheit kippen lassen.

Und das ist erst der Anfang: Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die Atmosphäre um etwa ein Grad erwärmt, trotz Pariser Abkommen ist die Welt auf dem Weg zu drei Grad plus oder noch mehr in diesem Jahrhundert. Schauen wir also auf die Bilder von den Feuerwänden in Australien, wenn wir eine Vorschau auf das haben wollen, was dem Planeten auch anderswo blüht.

Wenn die Welt die Erwärmung wie bisher weiter befeuert, wird sie weitergehen und sich noch beschleunigen – mit der Folge von immer größeren Feuern, Dürren, Hitzewellen, Wirbelstürmen und Überschwemmungen. Auf Dauer ist die Natur stärker als der Mensch, die Australier erleben das gerade.

Investitionsruinen statt sicherer Arbeitsplätze

Leider haben sie vor eineinhalb Jahren Brandbeschleuniger in die Regierung gewählt. Premierminister Scott Morrison baut trotz der Feuerkatastrophe weiterhin auf die klimaschädliche Kohle. Er gewann die Wahlen auch mit dem Versprechen niedriger Strompreise und sicherer Arbeitsplätze für Bergleute. Die Angst der Menschen vor Veränderung war größer als die Angst vor dem Feuer. Australien zählt seitdem bei Klimakonferenzen zu den beinharten Blockierern. Der CO2-Ausstoß pro Kopf der Bevölkerung ist noch höher als der in den USA. Selbst jetzt, im Angesicht der Katastrophe, will Morrison von mehr Klimaschutz nichts wissen. Er verstehe zwar den Zorn der Betroffenen, aber er werde seine Politik nicht auf Kosten der Wirtschaft ändern, so seine Botschaft.

Doch das Festhalten an der Kohle, an der Verbrennung von Öl und Gas, ruiniert nicht nur das Klima, es ruiniert auch die Wirtschaft. Heute Bergwerke und Kohlekraftwerke bauen und damit dann jahrzehntelang die Klimakatastrophe weiter befeuern, das wird sich angesichts immer drastischerer Dürren, Feuer und Stürme auf Dauer nicht durchhalten lassen. Wer heute in diesen Sektor investiert, schafft keine sicheren Arbeitsplätze, sondern teure Investitionsruinen.

Dabei liegt die Lösung auf der Hand. Auch in Australien weht der Wind und vor allem scheint die Sonne. Windräder und Solaranlagen werden auch dort längst in großem Maßstab installiert – zumal sie immer billiger werden. Die Regierung in Canberra müsste nur zugreifen und die Wende beschleunigen. So wie die Regierungen anderswo auf der Welt auch.

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

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