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StartseiteForschung aktuellFieberkurve07.11.2013

Fieberkurve

Die Erde im Schwitzkasten 1: Die Entwicklung von CO2-Konzentrationen und Durchschnittstemperaturen

Klimaforschung. - Die Wissenschaftler warnen, der Rest der Welt hört aufmerksam zu und ignoriert sie dann. Seit dem Umweltgipfel 1992 wiederholt sich dieses Muster in der Klimadebatte Jahr für Jahr, während die Treibhausgasgehalte der Atmosphäre steigen und steigen.

Von Volker Mrasek

Dampfwolke aus dem Kühlturm des Kraftwerks Staudinger bei Frankfurt. (AP)
Dampfwolke aus dem Kühlturm des Kraftwerks Staudinger bei Frankfurt. (AP)

Schon seit dem Umweltgipfel von Rio 1992 wollen die Staaten der Erde eigentlich einen "gefährlichen" Klimawandel vermeiden. Doch selbst heute noch steuert die Welt ungebremst darauf zu. So ist auch 2012 der Gehalt von Kohlendioxid in der unteren Atmosphäre wieder gestiegen – und das sogar stärker als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. So steht es im taufrischen und aktualisierten Treibhausgas-Bulletin, den die WMO jetzt in Genf veröffentlichte, die Welt-Meteorologie-Organisation. Auch andere wichtige Klimagase wie Methan und Lachgas nehmen unverändert zu. Die russische Atmosphärenphysikerin und WMO-Expertin Oksana Tarasova:

"Von 1990 bis 2012 haben diese Gase den Treibhauseffekt um 32 Prozent verstärkt – in einer Zeitspanne von lediglich 22 Jahren. Die Situation hat sich nicht gebessert, im Gegenteil: Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer!"

Von einer Trendwende beim Treibhausgas-Ausstoß kann also keine Rede sein. Dabei mahnt sie der Weltklimarat schon seit Jahren an. Spätestens 2020 müssten die Emissionen zurückgehen. Nur dann könnten wir die globale Erwärmung unter Umständen auf zwei Grad Celsius begrenzen. Und vielleicht noch glimpflich davonkommen. Die Realität sieht aber ganz anders aus. Das bestätigen auch Wissenschaftler im "Globalen Kohlenstoff-Projekt". Zu ihnen zählt der Ökologe Pep Canadell von der staatlichen australischen Forschungsorganisation CSIRO:

"Der Ausstoß der wichtigsten Treibhausgase hat sich sogar beschleunigt. Beim CO2 aus der Verbrennung fossiler Energieträger ist die jährliche Zuwachsrate heute dreimal so hoch wie noch in den 90er-Jahren."

Die bodennahe Atmosphäre enthält inzwischen 20 Prozent mehr Lachgas und 40 Prozent mehr Kohlendioxid als noch zu Beginn des Industriezeitalters. Die Konzentration von Methan hat sich sogar mehr als verdoppelt. Lange waren die USA der größte Klimasünder auf dem Globus. Heute ist es China. In Windeseile hat das Reich der Mitte die größte westliche Wirtschaftsmacht weit hinter sich gelassen. Glen Peters vom Zentrum für Internationale Klima- und Umweltforschung in Oslo:

"China ist heute schon für mehr als ein Viertel der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Schreibt man die aktuellen Trends fort, könnte China schon im Jahr 2015 doppelt so viel CO2 ausstoßen wie die USA."

Im Laufe des Industriezeitalters ist die globale Durchschnittstemperatur um rund 0,8 Grad Celsius gestiegen. Das klingt so, als sei die Zwei-Grad-Schwelle noch weit entfernt und der Sicherheitsabstand zu einer gefährlichen Erwärmung des Klimas noch groß. Doch das ist offenbar ein Trugschluß, wie Pep Canadell erläutert:

"Wir haben das ausgerechnet. Wenn unsere Emissionen so hoch bleiben wie im Moment, haben wir weniger als 30 Jahre, bis die zwei Grad plus erreicht sind."

Diese Aussage überrascht. Denn zuletzt hat der Klimawandel so etwas wie eine Verschnaufpause eingelegt. Das vergangene Jahrzehnt war zwar das wärmste der modernen Aufzeichnungen. Doch seit 1998 ist die globale Mitteltemperatur nur noch schwach gestiegen, um gerade mal ein Zwanzigstel Grad. Forscher wie Canadell führen das auf vorübergehende natürliche Klimaeinflüsse zurück wie eine Serie kleinerer Vulkanausbrüche, die kühlend wirkte. Die Verschnaufpause werde aber bald enden:

"Es gibt absolut keinen Zweifel daran, daß wir diese Phase wieder verlassen – sei es nun kurzfristig oder erst in fünf Jahren. Wenn wir die Atmosphäre weiter mit Treibhausgasen beladen, wird sich die Erwärmung schlußendlich gegen jede natürliche Schwankung des Klimas durchsetzen."

Für Oksana Tarasova von der WMO bleibt es dabei: Die Staaten der Erde müssen ihren Ausstoß von Klimagasen möglichst rasch und kräftig drosseln ...

"Der Pfad, den wir im Moment beschreiten, führt uns in eine Welt, die vier bis sechs Grad wärmer ist."

Das wäre dann definitiv eine Klimakatastrophe für uns.

Hinweis: Die ist der erste Teil der Sendereihe Die Erde im Schwitzkasten.

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