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StartseiteKommentare und Themen der WochePutins große Bühne16.06.2018

FIFA-Fußball-WM 2018Putins große Bühne

Wladimir Putin und FIFA-Boss Gianni Infantino haben der Welt das größte, schönste und beste Turnier versprochen. Für sie selbst und ihre Getreuen stimme das sicher, kommentiert Matthias Friebe. Denn sie seien die wahren Macher der Fußball-WM. Die Sportler hingegen dienten nur als Kulisse.

Von Matthias Friebe

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Zabivaka, der Wolf, ist das offizielle Maskottchen der Fußball-WM in Russland 2017 (dpa / TASS / Valery Sharifulin)
Zabivaka heißt "der, der trifft": Das Maskottchen der FIFA-Fußball-WM in Russland (dpa / TASS / Valery Sharifulin)
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Zabivaka, so heißt der kleine, manche sagen putzige Wolf, der als Maskottchen der Fußball-WM von allen Fahnen und Plakaten grüßt und Fans aus aller Welt zum globalen Turnier in Russland Willkommen heißt. Zabivaka bedeutet ins Deutsche übersetzt – "der, der trifft."

Und damit gibt er das Motto dieser Tage vor. Natürlich warten Aber-Millionen Fans auf der ganzen Welt auf die Treffer ihrer Stars, ob sie nun Messi, Ronaldo, Müller oder Cheryshev heißen. Gleich fünfmal gab es einen russischen Zabivaka im Eröffnungsspiel gegen Saudi-Arabien zu bejubeln. Es funktioniert also mit den Treffern der Gastgeber-Mannschaft, die für den weiteren Turnierverlauf so immens wichtig sind. Denn je länger der Gastgeber im Spiel bleibt, desto mehr Aufmerksamkeit genießt das Turnier, desto leichter lässt sich Geld verdienen. Und umso einfacher kann man zumindest so etwas wie WM-Stimmung vorgaukeln, die faktisch in Moskau bisher nicht zu spüren ist, auch wenn staatliche Fernsehsender das ganz anders sehen.

Putins große Bühne

"Der, der trifft", das passt sicher auf Russlands Staatspräsidenten Wladimir Putin. Die Eröffnungsfeier war seine große Bühne. Getroffen hat er dabei zwar keine westliche Politprominenz. Sie blieb dem Spektakel im Moskauer Luschniki-Stadion fern. Aber immerhin eine Tribüne voller befreundeter Despoten, zum Beispiel Alexander Lukaschenko aus Weißrussland, Paul Kagame aus Ruanda oder Ilham Aliyev aus Aserbaidschan. Nicht zu vergessen den Vertreter aus Nordkorea und den saudi-arabischen Kronprinzen. Und dann noch Busenfreund Gerhard Schröder, spätestens seit dem Auszug aus dem Kanzleramt ein gern und oft gesehener Ehrengast in der ersten Reihe.

Unten auf dem Rasen standen sich die Spieler die Beine in den Bauch, mussten sie doch extra früher als üblich aus den Katakomben kommen. Und sie vermittelten ein Sinnbild für diese Weltmeisterschaft: Die Sportler waren zum Auftakt dieses Welt-Sport-Ereignisses Kulisse. Hauptdarsteller: der Staatspräsident. Alle seien "vereint in der Liebe zum Fußball", so Eishockey-Fan Putin. Es gebe keine Unterschiede in der Sprache und im Glauben. Das sei die Kraft des Fußballs. Und sein neuer Freund, FIFA-Boss Gianni Infantino setzte noch einen drauf. Von Russland aus werde der Fußball in den kommenden Wochen die ganze Welt erobern.

Ein immer wieder neu aufgewärmtes Credo

Da war es wieder, das immer wieder neu aufgewärmte Credo. Gebt dem Volk, was es will. Das Spiel auf dem Rasen als Mittelpunkt der Welt und Droge für die Menschen. War Religion frei nach Karl Marx Opium fürs Volk, so soll der Fußball wohl ein guter russischer Wodka sein. Wen kümmern dann Menschenrechte?

Das Eröffnungsspiel fußballerisch eher Schwarzbrot als Kaviar, trotz des Kantersiegs der Gastgeber. Die fünf russischen Tore zum Auftakt gegen Saudi-Arabien, im Duell der auf dem Papier schwächsten Turnier-Teams 2018, waren für Putins Erzählung genau der richtige Beginn. Die spannendsten Momente für die Fernsehzuschauer wohl die Bilder auf der Ehrentribüne, die die Gespräche und das vielsagende Mienenspiel zwischen Putin, Infantino und dem saudischen Kronprinzen Salman zeigten.

Während sich einige Stunden vor dem Auftakt die rund 80.000 Menschen ins Stadion bewegten, und sich Fans überall auf den ersten Auftritt der Sbornaja einstimmten, wurden im russischen Kabinett  mir nichts, Dir nichts zwei Gesetzesänderungen beschlossen. Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte rauf, Renteneintrittsalter mal eben um bis zu acht Jahre erhöht. Allein die Mehrwertsteuer soll dem chronisch klammen russischen Staatshaushalt Mehreinnahmen von bis zu 8,5 Milliarden Euro pro Jahr bescheren.

Die eigentlichen Zabivakas des Fußballturniers

Damit erreicht Russland übrigens noch lange nicht die Ausgaben für die Fußball-WM und damit sind wir bei denen, die die eigentlichen Zabivakas – die "Macher" - des Turniers sind.

"Die, die treffen" sind nämlich einige wenige ausgewählte Oligarchen aus Putins Machtzirkel, die fleißig Aufträge zugesprochen bekamen, vor allem für sündhaft teure WM-Arenen wie die in St. Petersburg. Geschätzte Kosten alleine hier: mehr als eine Milliarde Euro.

Und noch einer gehört in diese Reihe. Der Weltfußball-Verband FIFA mit Präsident Gianni Infantino. Auch hier werden die Treffer auf dem zuletzt geschrumpften FIFA-Bankkonto erzielt.

Das größte, schönste und beste Turnier aller Zeiten versprachen Putin und Infantino. Für sie selbst und ihre Getreuen stimmt das sicher. Sie sind die wahren Zabivakas der Fußball-WM.

Matthias Friebe (Deutschlandfunk – Aktuelles, freier Mitarbeiter)  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe, Jahrgang 1987, Journalist, studierte Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Münster und Duisburg-Essen. Volontariat bei domradio.de und Ausbildung an der Journalistenschule ifp in München. Danach arbeitete er als Moderator und Redakteur für WDR, Deutschlandfunk und domradio.de. Heute ist er Redakteur in der Sportredaktion des Deutschlandfunks.

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