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StartseiteKommentare und Themen der WocheMit der großen Finanzspritze ruhiggestellt 05.06.2019

FIFA-Präsident Infantino wiedergewählt Mit der großen Finanzspritze ruhiggestellt

Keine Gegenkandidatur, nur eine Abstimmung: Die Wiederwahl von FIFA-Chef Gianni Infantino ist reine Formsache gewesen, kommentiert Matthias Friebe. Mit seiner eiskalten Machtpolitik ist er noch korrupter als seine Vorgänger. Dass der DFB auch jetzt nicht kritisch seine Stimme erhebt, ist der eigentliche Skandal.

Von Matthias Friebe

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Gianni Infantino auf dem Wahlkongress der FIFA (MAXPPP / Eric Baledent)
FIFA-Präsident Gianni Infantino wurde in seinem Amt bestätigt (MAXPPP / Eric Baledent)
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Spätestens seit Ludwig XIV. kennen sie sich in Frankreich aus mit Sonnenkönigen. Paris hat wieder einen Auftritt eines Sonnenkönigs erlebt. Präsident Gianni Infantino strahlte über das ganze Gesicht nach seiner Wiederwahl, rang sogar kurz mit den Worten vor Rührung. Warum kann man sich fragen? Denn eine Wahl hat es doch gar nicht gegeben, Gegenkandidaten Fehlanzeige, nur eine Abstimmung per Applaus des Hofstaats. Reine Formsache. In der ganzen Fußball-Welt hat sich niemand gefunden, der gegen den Schweizer antreten wollte, konnte oder durfte.

Stolz und Pathos

Gianni Infantino, das zeigt dieser Tag eindrucksvoll, kann im Weltfußball bestimmen, wie er will. Stolz und mit viel Pathos in der Stimme erinnert er an die Situation der FIFA vor seinem Machtantritt und an das, was er seit dem geleistet habe. Titel seiner Inszenierung: Die neue skandalfreie FIFA. 2016 übernahm er die Geschäfte, in der schwersten Krise des Verbands. Nach den unzähligen Affären der Ära des schließlich aus dem Amt geflogenen Sepp Blatter war Infantino zur Stelle. Wurde vom Loskugelzieher zum FIFA-Chef. Damals beschloss der Fußball-Weltverband übrigens Reformen, die die Machtfülle des Präsidenten zu einer mehr repräsentativen Funktion beschränken sollten.

"Er giert nach mehr, nach viel, viel mehr Geld"

Das Gegenteil ist der Fall. Infantino ist mächtiger als seine korrupten Vorgänger. Das liegt vor allem an seiner knallharten und eiskalten Machtpolitik. Mit ihr hat er die FIFA nach seinen Vorstellungen umgebaut und sich dabei seiner Kritiker und auch unangenehmer Aufseher entledigt.

Klar, der Laden ist auf Kurs, die Kasse klingelt, Rekordgewinne werden erzielt. Wirtschaftlich kann man Infantino nichts vorwerfen. Doch der ist noch lange nicht am Ende. Er giert nach mehr, nach viel, viel mehr Geld. Für Vermarktungsrechte wollte er ja zuletzt, hoch umstritten, 25 Milliarden aus Saudi-Arabien erlösen. Heute dementierte er unlautere Absichten dabei noch einmal und verdoppelte: 50 Milliarden sind sein Ziel für die Vermarktung neuer Turniere.

Keine kritischen Stimmen gegen Infantino

Gier und Größenwahn. Das bleiben die Merkmale eines Sonnenkönigs. Natürlich widerspricht niemand, wenn Infantino darüber nachdenkt, dass die Elite im Weltfußball zu klein ist. Seine Vision: irgendwann in der Zukunft sollen einmal 50 Nationen aus aller Welt in der Lage sein, Fußball-Weltmeister zu werden. Hehre Ziele, große Träume. Den Weg dahin aber, den versucht sich Infantino mit aller Macht zu erkaufen.

Dass die einflussreichen europäischen Verbände, allen voran der Deutsche Fußball-Bund nicht einmal jetzt, kritisch ihre Stimmen erheben, das ist der eigentliche Skandal. Denn nur massiver Widerstand aus Europa, im Extremfall bis hin zur Nicht-Teilnahme europäischer Top-Teams an neuen Wettbewerben, könnte den zukünftigen Kurs beeinflussen.

"Mächtiger war er nie"

Viele kleine und Kleinstverbände hat Infantino mit der großen Finanzspritze ruhig gestellt oder hörig gemacht. Das ist keinesfalls die neue FIFA, das ist altbekanntes Spiel. Sein Credo verfängt: alles Geld, das ist nur für Euch, für die Entwicklung des Fußballs in den 211 stimmberechtigten Verbänden.

Gianni Infantino hat die Fußball-Weltordnung noch einmal zementiert. Mächtiger war er nie und auch keiner seiner Vorgänger. Frei nach Ludwig XIV. kann er jetzt sagen: "Die FIFA bin ich!"

Matthias Friebe (Deutschlandfunk – Aktuelles, freier Mitarbeiter)  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe, Jahrgang 1987, Journalist, studierte Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Münster und Duisburg-Essen. Volontariat bei domradio.de und Ausbildung an der Journalistenschule ifp in München. Danach arbeitete er als Moderator und Redakteur für WDR, Deutschlandfunk und domradio.de. Heute ist er Redakteur in der Sportredaktion des Deutschlandfunks.

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