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StartseiteCorsoNeue deutsche Serienwelle03.01.2019

Fiktion im TVNeue deutsche Serienwelle

Corso-Skop – darüber spricht man 2019

Das Serienjahr bringt viele neue deutsche Produktionen mit arrivierten Namen zwischen Drogen und Dystopie. Auch Hollywood-Stars sind sehr präsent. Apple und Disney drängen als neue Streaming-Anbieter auf den Markt. Und die Öffentlich-Rechtlichen wollen mit der Verfilmung eines Erfolgsromans punkten.

Von Julian Ignatowitsch

Szenenfoto 'The Umbrella Academy'  (Netflix)
Szene aus "The Umbrella Academy": sechs Superhelden, die ihre Superkräfte perfektionieren (Netflix)
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Sie soll endgültig ganz Deutschland erfassen. Die Serienwelle.

Die Neuauflage des deutschen Jugend-Literaturklassikers und Films von 2008 "Die Welle" macht bei Netflix den Auftakt ins deutsche Serienjahr 2019. Fünf deutsche Eigenproduktionen sind beim wichtigsten Streaming-Anbieter für dieses Jahr geplant - so viele wie nie. Und man arbeitet mit arrivierten Namen zusammen, um nicht unterzugehen im Meer der neuen Serienstarts.

Breaking Bad im Kinderzimmer

Jan Böhmermanns bildundtonfabrik ist hauptverantwortlich für die Coming-of-Age-Serie "Don’t try this at home". Eine Art Breaking Bad im Kinderzimmer. Nicht ein Lehrer, sondern ein Schüler steigt hier ins Drogengeschäft ein und gründet den größten illegalen Online-Versand in Europa. Es soll gelacht werden. Mit dabei einer der lustigsten deutschen Darsteller: Bjarne Mädel, Tatortreiniger und Stromberg-Idiot.

Maren Ade, bekannt durch den Erfolgsfilm "Toni Erdmann", produziert das Drama "Skylines" mit. Frankfurt, Mainhattan - wieder Drogen, diesmal aber ernster, mit Hip-Hop, Gewalt und viel Geld. Typisch gegenwärtiger Stoff eben.

Daneben bringt Netflix die Historienserie "The Barbarians" an den Start, die die Schlacht im Teutoburger Wald, 9 n. Chr., behandelt. Und die Zukunftsdystopie "The Tribes of Europe", in der sich ein zerfallenes Europa und neuentstandene Stämme im Krieg befinden. Klingt ein wenig wie "Game of Thrones". Viel Blut: garantiert.

"Game of Thrones" endet, Ableger schon in Planung

"Game of Thrones", ja, die erfolgreichste Serie aller Zeiten geht ab April (Sky) in ihre letzte Staffel. Ein packendes Finale um den Eisernen Thron, noch höheres Tempo und mehr Action, erwartet uns, was zuletzt aber nicht unbedingt ein gutes Zeichen war. Und HBO castet bereits mögliche Sequels, sprich Ableger. Genaues ist noch nicht bekannt. Schauen wir erstmal auf Untote und Eisdrachen …

Im Bereich Fantasy sind auch die nächsten großen internationalen Produktionen zu finden: Die Serie "The Witcher" (Netflix) basiert auf dem gleichnamigen Comic und Video-Spiel[*], das bereits ein Riesenhit war. Hexer Geralt von Rivia - graue Haare, Narbe auf dem linken Auge - schlachtet Monster, rettet Prinzessinnen und verführt Frauen. Das dürfte interessanter werden, als es klingt.

Und auch reihenweise Hollywood-Prominenz gibt sich wieder die Serienklinke in die Hand: Der mexikanische Star-Regisseur Guillermo del Toro plant den nächsten Horror-Hit "10 After Midnight" (Netflix). Orlando Bloom und Cara Delevingne ermitteln in "Carnival Row" (Amazon) zu Morden in einer apokalyptischen Welt. Uma Thurmann entwickelt in "Chambers" (Netflix) nach einer Herztransplantation multiple Persönlichkeiten. Und Ellen Page ist eine von sechs Superhelden, die in der "Umbrella Academy" (Netflix) ihre Superkräfte perfektionieren.

Superhelden als Streaming-Stars

Stichwort Superhelden. Mit Disney steigt Ende 2019 ein neuer Streaming-Riese ins Geschäft ein und bringt neben den zahlreichen Zeichentrick-Helden auch das Marvel- und Star-Wars-Universum mit. Man will familientaugliches Programm machen, so die Ankündigung.

Schon im Frühjahr wird Apple mit einem Streaming-Angebot seine Nutzer ansprechen. Nach und nach will man investieren, Startbetrag: 4,2 Milliarden Euro bis 2022 - im Vergleich zur Konkurrenz noch bescheiden. Trotzdem: Serien von den Oscar-Preisträgern Damien Chazelle und Steven Spielberg sind bereits bestellt. Auf verfängliche Themen und Symbole will man allerdings - ganz (bekannte) Firmenpolitik - verzichten. Ob das dem Produkt gut tut? Zweifelhaft.

Und was machen die Öffentlich-Rechtlichen?

Und die öffentlichen-rechtlichen Sender? Da fehlt abseits von Mord und Totschlag weiterhin der große Plan. Wenig Neuankündigungen. Wenig Eigenes. Das DDR-Stasi-Drama "Wendezeit" (ARD) und die bayerische Familienkomödie "Bier Royal" (ZDF) sind die ersten Highlights des Jahres. Ein echtes Großprojekt soll dagegen dieses Jahr in Produktion gehen: "Der Schwarm" von Frank Schätzing als Achtteiler im ZDF. Man darf sehr gespannt sein, denn an diesem Stoff hat sich Hollywood jahrelang die Zähne ausgebissen; gab schließlich auf. Hier kann man jetzt also zeigen: Die neue deutsche Welle - sie steigt gerade erst!


[*] Anmerkung der Redaktion: "The Witcher" basiert zuvorderst auf der Fantasyreihe Geralt-Saga des polnischen Autors Andrzej Sapkowski

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