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Film der Woche: „Bohemian Rhapsody“Pures Überwältigungs-Kino

Ein Spielfilm über Queen ist natürlich vor allem ein Spielfilm über Freddie Mercury. Der 1991 verstorbene Sänger der Band und deren legendärer "Live Aid"-Auftritt im Jahr 1985 stehen im Mittelpunkt der Filmbiografie „Bohemian Rhapsody“ - die es schafft, einen magischen Moment wiederherzustellen.

Von Jörg Albrecht

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Szene aus "Bohemian Rhapsody"  (© 2018 Twentieth Century Fox)
Szene aus "Bohemian Rhapsody" - Freddie Mercury (Rami Malek) (© 2018 Twentieth Century Fox)
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"Beginnen wir doch den Abend mit einer Prise 'Bohemian Rhapsody', Gentlemen!"
"Korrekte Entscheidung."
"I see a little silhouetto of a man. Scaramouch, scaramouch will you do the fandango. Thunderbolt and lightning very very frightening me! Galileo, Galileo..."

"Bohemian Rhapsody" ertönt aus den Autolautsprechern – und die vier Typen im Wagen flippen völlig aus. Die Eröffnungssequenz der Komödie "Wayne's World" sorgt 1992 dafür, dass einer der größten Songs in der Geschichte des Rock'n'Roll noch einmal die Charts stürmt. 17 Jahre nachdem ihn Freddie Mercury für das Album "A Night at the Opera" geschrieben hat.

Kompromisslose Haltung

Für den Entstehungsprozess von "Bohemian Rhapsody" nimmt sich jetzt die gleichnamige Filmbiografie viel Zeit. Die ausführliche Schilderung der Arbeiten im Studio dient als Beleg für den künstlerischen Anspruch und die Haltung von Queen. Schon zu Beginn ihrer Karriere lehnt es die Band ab, Kompromisse einzugehen. Sie zieht ihr Ding durch.

Als die Gruppe den fertigen Song mit einer Länge von fast sechs Minuten präsentiert und plant, ihn als Single zu veröffentlichen, holt sie sich eine Abfuhr vom Boss der Plattenfirma ein. Kein Sender werde das Stück spielen.

"Merkt euch meine Worte: Niemand wird Queen spielen."

Unter der Perücke und hinter der Sonnenbrille des Musikchefs steckt übrigens der Schauspieler Mike Myers. Der Mike Myers, der 1992 in "Wayne's World" noch Feuer und Flamme war für "Bohemian Rhapsody". Ein hübscher Einfall für eine Szene, die sich nicht ganz so in der Realität zugetragen hat. Aber die dramaturgischen Freiheiten, die sich Regisseur Bryan Singer nimmt, halten sich im Rahmen. Sie dienen vor allem in der zweiten Hälfte dem Hinleiten zum Höhepunkt und Herzstück des Films: dem Auftritt von Queen beim "Live Aid"-Konzert in Wembley am 13. Juli 1985.

Immer wieder magische Momente

Die 20 Minuten, die ein einziger, überlebensgroßer und mitreißender Moment für die Zuschauer im Stadion wie an den Fernsehgeräten waren, stellt der Film bis ins kleinste Detail nach. Mit dem erstaunlichen Effekt, dass sich erneut ein magischer Moment einstellt: Aus dem Überwältigungs-Rock von Queen wird pures Überwältigungs-Kino.

"We are the Champions ..."
"Du musst es langsamer angehen, Fred."
"Sie brauchen nur ein bisschen Zeit."
"Und wenn ich keine Zeit habe?"

Das wird Freddie Mercury fragen, nachdem er von seiner HIV-Infektion erfahren hat.

Abgesehen von den Szenen, in denen die Band bei Konzerten oder bei der Arbeit im Studio zu sehen ist, gehören die intimen und nahen Momente im Film ausschließlich ihm, dem Kopf der Band. Immer wieder werden Mercurys Extrovertiertheit und die anfangs noch versteckte Homosexualität in den Fokus gerückt.

"Ich habe Angst."
"Das musst du nicht. Glaub mir! Weil du – egal was ist – geliebt wirst."

Wer - wie dieser Film - rein auf die Überwältigung und Pathos setzt, schlägt auch in diesen Szenen kaum subtile oder gar leise Töne an. Aber dass dem Mythos Freddie Mercury dennoch Leben eingehaucht wird, liegt vor allem an Rami Malek. Wie sensibel der Darsteller einen Mann auf seiner lebenslangen Suche nach künstlerischer und sexueller Freiheit verkörpert, ist großes Schauspiel, das berührt und das einen Kontrapunkt setzt in einem insgesamt oberflächlichen, aber unglaublich unterhaltsamen Film.

"In dieser Band ist nur Platz für eine Drama Queen, klar Roger?"

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