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StartseiteKultur heuteVegane Rebellinnen und energische Mütter 07.07.2019

Filmfestival in Karlovy VaryVegane Rebellinnen und energische Mütter

Das Filmfestival im böhmischen Kurort Karlovy Vary ist eine wichtige Plattform für den osteuropäischen Film. In diesem Jahr zeigte es auch herausragende Werke aus Deutschland und Spanien - und präsentierte jede Menge starke Frauenfiguren.

Von Kirsten Liese

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eine goldene Figur die eine Glaskugel in den Armen hält (Film Servis Festival Karlovy Vary.)
Der Kristallglobus für den besten Film ging in diesem Jahr an die bulgarische Tragikomödie "The Father" (Film Servis Festival Karlovy Vary.)
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Die verhassten Halbschwestern Irina und Neža teilen sich aufgrund bescheidener Einkünfte eine Wohnung in Ljubljana. Konträre Lebensentwürfe prallen aufeinander, Wut auf den Vater kocht hoch, aber im Kampf gegen Gewalt nähern sich die aus ihrer unglücklichen Ehe ausbrechende Friseuse Irina und die rebellische Aussteigerin Neža solidarisch an.

Der slowenische Beitrag "Half-Sister" bescherte dem Wettbewerb in Karlovy Vary bemerkenswert starke Frauenfiguren, wie man sie in einem osteuropäischen Film nicht erwarten würde, insbesondere in Gestalt der auf die Männer pfeifenden und sich noch dazu vegan ernährenden Neža. Darüber hinaus schaut Regisseur Damjan Kozole, der bei der Preisverleihung leider leer ausging, mit psychologischem Scharfsinn hinter die raue Fassade seiner Heldinnen.

Ihn interessiere das weibliche Innenleben weit mehr als das von Männern, sagt Damjan Kozole. Frauen ließen sich seinen Beobachtungen nach in ihren Gedanken und Gefühlen weit weniger ausrechnen als Männer. Den Wettbewerb des 54. Jahrgangs in Karlovy Vary prägten generell viele Geschichten mit starken Frauen, darunter aber nur vereinzelte Werke von Filmemacherinnen, sagt Festivaldirektor Karel Och:

"Die viel diskutierte Forderung nach einer größeren Präsenz von Regisseurinnen scheint auf männliche Filmschaffende abzufärben. Filmemacher zeigen sich mittlerweile viel sensibilisierter und offener für Genderthemen."

Preise für Jan-Ole Gersters Film "Lara"

Allen voran Jan-Ole Gerster. Sein Film "Lara" wurde in Karlovy Vary mit dem Spezialpreis der Jury und einem Preis für die beste Hauptdarstellerin verdient hoch ausgezeichnet. Corinna Harfouch ist die strenge, vom Ehrgeiz zerfressene, an ihren hohen Selbstansprüchen gescheiterte, frühpensionierte Beamtin. Jedem, der ihr über den Weg läuft, schenkt sie an ihrem 60.Geburtstag eine Eintrittskarte für das Klavierrecital ihres Sohnes, auf den sie ihren unerfüllten Traum von einer Pianistenkarriere projiziert.

Harfouchs Lara ist aber nicht nur eine dominante Mutter, die jeden Versuch ihres Sohnes, sich von ihr abzunabeln erstickt, sondern zugleich eine Persönlichkeit, die mit schonungsloser Ehrlichkeit, instinktsicherem Gespür für Genialität, Aufdringlichkeit und unermüdlicher Energie andere anspornt. Und sei es nur ein Junge, dem sie ungefragt Klavierunterricht gibt. Regisseur Jan-Ole Gerster faszinieren solche willensstarken Frauen:

"Ich mach doch die Erfahrung, dass ältere Männer viel schneller in so was selbstgerechtes Larmoyantes im Alter abrutschen und Frauen viel mehr so eine Qualität des Weitermachens haben und des Neuanfangs auch im gehobeneren Alter, nicht so eine Neigung zu Bitterkeit haben wie Männer. Da geht eine ganz andere Kraft und Klugheit oft von Frauen aus, die mir jetzt erst so richtig bewusst wird."

Poetische Filmkunst aus Spanien

Dank eines weiteren herausragenden Werks, das Karlovy Vary große Filmkunst bescherte, macht das kleinste unter den wichtigen europäischen Filmfestivals in seiner Bedeutsamkeit einen großen Sprung nach vorn. Angesichts schwächerer Vorjahre hätte man kaum zu hoffen gewagt, die Weltpremiere eines spanischen Konversationsfilms über das komplizierte Liebesleben einer aparten 33-Jährigen zu erleben, das mit seiner poetischen Leichtigkeit an den berühmten Franzosen Eric Rohmer erinnert. Leider gewann "La virgen de agosto" von Jonàs Trueba nur den Fipresci-Kritikerpreis.

Anlass zum Ärgernis gab die Preisverleihung gleichwohl nicht. Die zum besten Film gekürte bulgarische Tragikomödie "The Father" um einen sturen alten Mann, der seinem Sohn nach dem Tod seiner Frau mit esoterischen Eskapaden viel Geduld abverlangt, bietet in bester Tradition des Balkankinos skurrilen Witz.

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