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StartseiteSport am WochenendeWie Corona altbekannte Probleme im Amateurfußball aufzeigt 22.08.2020

Finaltag der AmateureWie Corona altbekannte Probleme im Amateurfußball aufzeigt

Am Finaltag der Amateure steht nur ein kleiner Teil der über sieben Millionen Menschen auf dem Platz, die in Deutschland Mitglied in einem Fußballverein sind. Doch viele Amateurvereine fühlen sich vom Deutschen Fußball-Bund allein gelassen - und das nicht erst seit der Coronakrise.

Von Karoline Kipper

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Billiger als Rasen: In den Amateurligen wird Fußball auch auf Asche gespielt. (imago images / Claus Bergmann)
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Seit knapp einem Jahr gibt es einen neuen DFB-Präsidenten. Beim Antritt von Fritz Keller wurde viel über die Bedeutung und die Probleme des Amateurfußballs geredet. Und bereits vor Keller hatte der Deutsche Fußball-Bund den sogenannten Masterplan 2024 entwickelt. Damit wollte der Dachverband vor der heimischen Europameisterschaft 2024 den Vereinsfußball an der Basis stärken. Das war alles vor Corona. Die Pandemie hat nicht nur die Umsetzung des Masterplans teilweise verzögert, sondern auch altbekannte Probleme verschärft und neue hervorgebracht.

Engelbert Kupka, Gründer der Aktionsgemeinschaft "Rettet die Amateurvereine" und langjähriger Präsident der Spiel-Vereinigung Unterhaching nennt ein Beispiel für eine neue Herausforderung durch Corona:

"Gerade der Amateurfußball hat als Haupteinnahmequelle Zuschauereinnahmen. Der kleine Amateurverein lebt halt auch von 100, 200 oder ein paar tausend Zuschauern. Die fallen einfach in ein finanzielles Loch rein, was nicht ausgeglichen wird, aber die laufenden Kosten bleiben und Änderungen sind nicht abzusehen."

Kupka fordert deshalb schon lange eine Umverteilung des Geldes im Fußball. Das würde nicht nur mit neuen Herausforderungen wie der Pandemie helfen. 

20 Prozent weniger Teams als noch 2010

Ein altbekanntes Problem ist die sinkende Zahl von Vereinen und Mannschaften. Während 2018 noch knapp 150.000 Mannschaften am Spielbetrieb teilnahmen, waren es ein Jahr später nur noch 145.000 Mannschaften und damit sogar 20 Prozent weniger als noch 2010. Ein Grund: Vielen Vereinen fehlt Geld, um Trainingsgelände und Vereinsheime instand zu halten. In der Coronakrise dürfte es ohnehin nicht oben auf der Prioritätenliste von Kommunen stehen, Sportstätten zu sanieren.

Ute Groth ist Präsidentin des Breitensportvereins DJK TUSA 06 in Düsseldorf. Vor einem Jahr gelangte sie in den Fokus der Öffentlichkeit, weil sie nach dem Rücktritt von Reinhard Grindel eine Initiativbewerbung als DFB-Präsidentin gestartet hatte.

"Ich habe sehr viel Rückmeldung bekommen aus ganz Deutschland von Leuten, die sehr unzufrieden sind, mit dem was im Amateurbereich passiert. Wir müssen die Leute zusammenbringen, wir müssen das bündeln, wir müssen irgendwas entwickeln, die Aktion mit dem DFB-Präsidenten war vorbei und dann verläuft sich das wieder im Sand. Das sind alles Ehrenamtler, die müssen Zeit finden, sich zu engagieren."

In den meisten Vereinen arbeiten hauptsächlich Ehrenamtliche. Schon lange gibt es Stimmen, die mehr Unterstützung für Ehrenämter in Vereinen fordern. Auch der Vereinsvorsitz ist ein Ehrenamt. Das ist nicht ohne Gefahren wie Engelbert Kupka berichtet:

"Es wird sehr, sehr schwer werden, noch Ehrenamtliche zu finden, die einen Verein leiten wollen, denn wenn Sie eine Insolvenz nicht rechtzeitig anmelden, dann haften Sie als Vereinsvorsitzender persönlich."

Ehrenamtliche brauchen mehr Unterstützung

Die Sorgen, dass man als Vorsitzender eventuell mit seinem privaten Geld für den Verein haften muss, dürften grade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie der Corona-Pandemie noch größer sein. Außerdem fordert Engelbert Kupka mehr Unterstützung in den Gremien für Ehrenamtliche, denn Bürokratie und Verwaltungsaufgaben könnten schnell überhandnehmen. Der DFB kündigt an, den Bürokratieaufwand für Vereine reduzieren zu wollen.

Der deutsche Fußball ist föderal organisiert. 21 Landesverbände unterstehen dem Dachverband. 145.000 Mannschaften zu organisieren, ist eine Herausforderung.

Auch deshalb findet Ute Groth die Strukturen nicht grundsätzlich falsch: "Die Struktur im DFB ist ja da, die muss nur offen werden, die muss offen sein auch für Mitarbeit von der Basis. Ich glaube, dass das einfach eine Behörde ist mittlerweile, eine Verwaltungsbehörde, die haben zur Basis kaum noch Bezug. Der Austausch ist nicht mehr da. Da werden Probleme vielleicht auch erkannt, aber dann auch schöngeredet."

Der DFB räumt Fehler in der Vergangenheit ein. Neue Lösungen soll der Masterplan 2024 bieten. Dieser sieht vor, auch die Jugendarbeit im Amateurfußballs stärker zu fördern. DFB-Vizepräsident Rainer Koch ist für den Amateurfußball zuständig und betonte im Mai bei einem außerordentlichen DFB-Bundestag die Bedeutung der Nachwuchsarbeit: 

"Es sind unsere Amateure, die den deutschen Fußball im weltweiten Vergleich so besonders, ja so einzigartig machen. Der Juniorinnen- und Junioren-Fußball in den über 25.000 deutschen Fußballvereinen ist die Quelle für die Spitzentalente."

Luft nach oben in der Nachwuchsförderung

Trotz Masterplan sieht Engelbert Kupka grade bei der Nachwuchsförderung noch Ausbaubedarf: "Der Weg, der in Zukunft eigentlich bestritten werden müsste, ist der, dass man endlich für die Jugendförderung im Amateurfußball entsprechend Geld zur Verfügung stellt."

Der DFB hält dagegen, dass aus gesetzlichen Gründen kein Geld direkt an die 24.500 Vereine fließen könne. Bei seiner Antrittsrede erklärte Fritz Keller, was seiner Meinung nach die Aufgabe des DFB ist.

"Der DFB muss eigentlich seriöser Anwalt und Dienstleister und ich möchte ergänzen: Lobbyist sein."

Der Dachverband sieht sich nicht als Geldgeber, stattdessen setzt man auf Trainerausbildung und Infrastrukturprojekte. Die Frage, wer wie viel von den Milliarden abbekommen müsste, die der Profifußball einnimmt, ist kompliziert. Nicht nur in der Bundesliga werden wieder Stimmen laut, die eine Umverteilung fordern, auch viele Amateure wünschen sich eine größere finanzielle Förderung.

Im viel diskutierten Grundlagenvertrag zwischen DFL und DFB ist auch geregelt, wie viel Geld in den Amateurfußball fließt. Der Vertrag läuft 2023 aus und muss neu verhandelt werden. Inwiefern der DFB dann – kurz vor der Europameisterschaft im eigenen Land – eine Lobby für den Amateurfußball ist, muss sich dann zeigen.

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