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StartseiteVerbrauchertippDie lästige Steuererklärung kann sich richtig lohnen06.05.2020

FinanzenDie lästige Steuererklärung kann sich richtig lohnen

Die Steuererklärung ist eine lästige Angelegenheit. Aber oft auch lohnend. Denn im Schnitt erhalten Arbeitnehmer vom Finanzamt 1000 Euro zurück. Da wäre es vielleicht eine gute Idee, sich jetzt an die Arbeit zu machen. Denn es hat sich einiges geändert, auf das Steuerpflichtige achten sollten.

Von Brigitte Scholtes

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ILLUSTRATION - Eine Frau macht am 22.03.2020 in Flensburg ihre Steuererklaerung (gestellte Szene). Foto: Benjamin Nolte | Verwendung weltweit (dpa-tmn)
Für die Steuererklärung 2020 kann man sich nicht mehr an den Vordrucken des Vorjahres orientieren (dpa-tmn)
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Die erste Änderung, die sofort auffällt, sind die Formulare für die Steuererklärung. Einen vierseitigen Mantelbogen gibt es nicht mehr, sondern nur noch zwei Seiten, übrigens unabhängig davon, ob man online mit Elster, dem Portal der Finanzverwaltung, arbeitet oder traditionell mit Papierformularen. Die Angaben auf dem Mantelbogen werden ergänzt durch verschiedene Anlagen, erklärt Udo Reuß vom Verbraucherportal Finanztip:

"Es gibt sechs neue Anlagen, zum Beispiel für Sonderausgaben, für die außergewöhnlichen Belastungen, für die haushaltsnahen Aufwendungen, das sind diese Handwerkerkosten, und die haushaltsnahen Dienstleistungen, und die gehören jetzt genau in diese Anlagen und nicht mehr in diesen Mantelbogen, diesen Hauptvordruck."

Der Steuerpflichtige kann sich also nicht mehr an den Vordrucken des Vorjahres orientieren, sondern muss sich die passende Anlage heraussuchen. Anders als bisher muss jeder Arbeitnehmer nun den Hauptvordruck und mindestens die Anlage für die Lohneinkünfte ausfüllen, denn die vereinfachte Steuererklärung ist abgeschafft.

Belege weiter aufbewahren

Auffällig sind auch dunkelgrüne Felder auf den Vordrucken. Die stehen für die Daten, die das Finanzamt schon elektronisch vorliegen hat, etwa vom Arbeitgeber oder dem Rentenversicherungsträger, erläutert Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des BVL, des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine:

"Der Hintergrund ist natürlich, dass der Bürger trotzdem für die Richtigkeit und Vollständigkeit dieser Daten verantwortlich bleibt. Aber trotzdem will man ihm das Leben etwas erleichtern und hat deshalb auf den Papiervordrucken kenntlich gemacht durch dunkelgrüne Felder, dass das die Angaben sind, die schon vorliegen. Und wenn er weiß, dass der Arbeitgeber, die Rentenstelle oder auch der Sozialleistungsträger, die Daten richtig gemeldet haben und ich sehe, jawohl, die sind vollständig, dann brauche ich die nicht mehr eintragen."

Änderungen sollte man also eintragen, dann aber wird der Antrag wahrscheinlich wieder von einem Finanzbeamten geprüft und nicht nur maschinell. Belege müssen der Steuererklärung nicht mehr beiliegen, aufbewahren muss der Steuerpflichtige sie aber auf jeden Fall, denn das Finanzamt kann sie anfordern. Udo Reuss von Finanztip:

"Wenn Sie zum ersten Mal ein häusliches Arbeitszimmer geltend machen oder wenn Sie eine doppelte Haushaltsführung haben, also das heißt, aus beruflichen Gründen haben Sie noch eine zweite Wohnung, und das passiert eben zum ersten Mal. Dann macht es Sinn, wenn Sie die Belege gleich von vornherein mitschicken, weil das Finanzamt wird die höchstwahrscheinlich sowieso sehen wollen."

Einige Änderungen zu berücksichtigen

Auch im Steuerrecht hat es einige Änderungen gegeben, darauf weist Uwe Rauhöft vom BVL hin:

"Vermieter, die jetzt neuen Wohnraum geschaffen haben, sollten beachten, dass es seit dem letzten Jahr eine neue Sonderabschreibung gibt für Mietwohnungsneubau. Eltern, die volljährige Kinder haben, die noch in der Ausbildung sind, sollten berücksichtigen, dass sie in vielen Fällen die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge ihrer Kinder in der eigenen Steuererklärung berücksichtigen können. Dort haben wir jetzt eine klarere gesetzliche Regelung. Und wer Unterstützungsleistungen zahlt an Angehörige, der hat für das Jahr 2019 einen etwas höheren Betrag als Höchstbetrag, den er berücksichtigen kann von 9168 Euro gegenüber den Vorjahren."

So bleibt auch das Jobticket, das man zusätzlich zum Lohn erhält, steuer- und beitragsfrei. Und wer 2019 zum ersten Mal einen Elektro-Dienstwagen bekommen hat, der muss den nicht mehr mit 1 Prozent, sondern nur noch mit 0,5 Prozent versteuern.

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