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StartseiteVerbrauchertippKlimafreundlich Geld anlegen16.07.2019

FinanzenKlimafreundlich Geld anlegen

Auch mit dem eigenen Konto kann man etwas für die Umwelt tun. Zum Beispiel zu einer Bank wechseln, die nach ethischen und ökologischen Maßstäben handelt. Bei Fonds wird es schon etwas schwieriger, einen nachhaltigen Anbieter zu finden.

Von Dieter Nürnberger

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Ein Schild weist zu einem Biobauernhof in Baden-Württemberg  (dpa / Arco Images GmbH / A. Scholz)
Nachhaltige Banken haben bei Geldanlage und Kreditvergabe ethische und ökologische Maßstäbe und fördern beispielsweise Bio-Bauernhöfe (dpa / Arco Images GmbH / A. Scholz)
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Wer will, kann schon heute seine gesamten Bankgeschäfte zu einer ökologisch-nachhaltigen Bank verlegen und dort auch sein Girokonto führen. Denn in puncto Sicherheit arbeiten diese nicht anders als herkömmliche Banken: Sie werden genauso beaufsichtigt und das Geld der Kunden unterliegt der Einlagensicherung, die derzeit bei 100.000 Euro liegt. Der Hauptunterschied: Nachhaltige Banken haben bei Geldanlage und Kreditvergabe andere, nämlich ethische und ökologische Maßstäbe, sagt Warentest-Finanzexpertin Karin Baur:

"Beispielsweise fördern sie vielleicht speziell einen Öko-Bauernhof, der es bei einer anderen Bank schwerer hätte, einen Kredit zu bekommen. Und dann gibt es ja auch immer noch einen Restbetrag, denn nicht alles, was Banken einnehmen, wird wieder als Kredit vergeben. Die Bank legt somit auch selbst Geld am Kapitalmarkt an - und auch da beachten sie dann bestimmte Kriterien. Sie kaufen nicht von jeder Firma Aktien oder Anleihen."

Keine Geschäfte im Bereich Waffen und Rüstung

So werden bei nachhaltigen Banken beispielsweise Geschäfte in den Bereichen Waffen und Rüstung gar nicht finanziert. Auch die Atomkraft fällt bei vielen Instituten unter die Ausschlusskriterien. Allerdings gebe es derzeit nur ein paar Banken, die bei ihrer Kreditvergabe und auch bei ihrer eigenen Anlagepolitik Unternehmen ausschließen, die im Bereich der fossilen Brennstoffe arbeiten:

"Nachhaltige Banken gibt es einige - auch Kirchenbanken zählen dazu. Und klimafreundliche Banken, die beispielsweise fossile Brennstoffe ausschließen, sind die "GLS Bank", die "Umweltbank", die "ProCredit Bank" und die niederländische "Triodos Bank". Wer die Bank wirklich wechseln will, bekommt bei der "GLS" und "Triodos" ein Girokonto. Die beiden anderen bieten lediglich Geldanlagen an, aber keine Girokonten."

Die genannten Banken bieten Tages- und Festgeldkonten an. Hohe Zinsen allerdings bekommen Anleger derzeit nicht, wie fast überall im Bankenbereich.

Wer auf mehr Rendite hofft, sollte nach Ansicht der Stiftung Warentest generell auf börsengehandelte Indexfonds setzen, sogenannte ETF. Diese seien meist günstiger zu haben, und gelten zudem als relativ sicher, da sie das Anlegergeld oft weltweit streuen. Doch klimafreundliche Fonds in diesem Bereich sind eher noch die Ausnahme, so Warentesterin Karin Baur.

"Bei den weltweiten haben wir keine gefunden, die nach strengen Kriterien etwa Kohle und Öl ausschließen. Es gibt beispielsweise den ETF "Socially Responsible Index" vom Anbieter "UBS" auf den "MSCI". Der schließt Kohle- Kraftwerksbetreiber aus - aber erst ab einem Umsatzanteil von 30 Prozent. Da kann also immer noch etwas dabei sein. Aber so richtig streng klimafreundlich klingt das noch nicht."

Oft muss mühsam recherchiert werden

Bevor Kunden einen Fonds kaufen, sollten sie prüfen, ob Ihnen die ethischen und ökologischen Kriterien in der Anlagepolitik genügen. Allerdings ein oft mühsames Recherchieren von Geschäftsberichten und Anlageprospekten. Und natürlich geht auch die Stiftung Warentest davon aus, dass trotz ökologischen Gewissens der Anleger auch die Rendite stimmen sollte. Das müsse kein Widerspruch sein.

"Gute und schlechte Fonds gibt es in beiden Bereichen. Man muss auch immer beides beachten: zum einen die Nachhaltigkeitskriterien und auch die ökonomische Qualität. Wer Geld anlegt, will ja auch etwas davon haben."

Leider gibt es bis heute kein verlässliches Siegel oder Zertifikat für nachhaltige Geldanlagen. Immerhin plant die EU-Kommission ein Label, damit Kunden diese Geldanlagen künftig einfacher erkennen und einschätzen können. Doch wann dieses genau kommt, steht bislang noch fest.

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